Hoch- und Tiefpunkte einer Karriere Mit Martin Heuberger in der Zacke

Peter Stolterfoht, 21.02.2013 14:35 Uhr

Stuttgart - Martin Heuberger geht doch sehr unrund über den Marienplatz im Stuttgarter Süden. „Mir fällt das überhaupt nicht mehr auf“, sagt er, „Hüftarthrose, irgendwann muss ich mich operieren lassen, aber das ist halb so wild.“ Schon diese ersten Sätze verraten einiges über den Handball-Bundestrainer: Martin Heuberger nimmt sich nicht besonders wichtig. Und das soll dann auch Auswirkungen auf das Zahnradbahngespräch haben, in dem Prominente aus dem Sport bergauf über Höhepunkte in ihrer Karriere sprechen und talwärts über die Tiefpunkte.

Hätte die Reise nach Degerloch für die bisherigen Mitfahrer wie Gerhard Mayer-Vorfelder ruhig länger dauern können – um den einen oder anderen persönlichen Erfolg noch etwas detaillierter schildern zu können – , hört sich das bei Martin Heuberger anders an: bescheiden.

Mit dem Hobby Geld verdienen

Bereits an der Mittelstation Wielandshöhe ist er in groben Zügen mit seiner Erfolgsstory durch. Zusammenfassend sagt er: „Ich bin glücklich, dass ich mit meinem Hobby Handball Geld verdienen darf.“ Das gute Abschneiden zuletzt bei der Handball-WM in Spanien mit dem fünften Platz ist ihm ebenso wenig große Worte wert, wie die Erfolge, die er als Trainer mit der Juniorennationalmannschaft feierte: 2004 und 2006 holte der deutsche Nachwuchs den EM-, 2009 und 2011 sogar den WM-Titel. Solche Auszeichnungen scheinen ihm lediglich Mittel zum Zweck zu sein. „Mir ist es wichtig, dass der Handball hierzulande wieder einen hohen Stellenwert bekommt“, sagt Heuberger, der dann plötzlich ins Schwärmen gerät, als die Sprache auf seine erste Trainerstation in Schutterwald kommt. „Das war damals eine wunderbar verschworene Truppe“ sagt er und erzählt, wie er beim südbadischen Zweitligisten vom Kapitän zum Spielertrainer befördert wurde und der Aufstieg in die Bundesliga gelang. Teamgeist, dieser Begriff steht bei Heuberger seitdem über allem.

Das waren Zeiten in Schutterwald, als nur dreimal die Woche trainiert und oft anschließend in der Halle bis tief in die Nacht noch zusammengesessen wurde. Vom Handball konnte im kleinen Ort niemand leben. Heuberger machte zunächst eine Lehre als Bauzeichner, hat dann die Fachhochschule nachgeholt und schließlich das Studium als Diplomverwaltungswirt beendet. Das Landratsamt Offenburg, für das er im Umweltressort tätig war, stellte ihn bereits 2002 mit dem Beginn seiner Tätigkeit als Junioren-Bundestrainer frei. Typisch für den bodenständigen Heuberger ist es, wenn er sagt: „Ich kann mir vorstellen, wieder im Landratsamt zu arbeiten.“ Ob sich Joachim Löw vorstellen kann, in seinem angestammten Beruf als Groß- und Außenhandelskaufmann zu arbeiten?

„Kreuzen und Druck machen“

Trotzdem verbietet sich der Vergleich mit dem Fußball-Bundestrainer nicht: beide im Südbadischen fest verwurzelt, authentisch und anfangs skeptisch beobachtet, teilweise auch belächelt für einen Dialekt, der etwas singend-melodisches hat. Einem größeren TV-Publikum fiel dies bei den WM-Übertragungen auf, wenn in den Auszeiten ein Mikrofon über Spieler und Trainer gehalten wurde und Martin Heuberger immer wieder „Kreuzen und Druck machen“ forderte. „Ich rede doch jetzt nicht Hochdeutsch – zum einen kann ich es nicht wirklich, zum anderen würde ich mich damit bei meinen Spielern unglaubwürdig machen. Die dürfen nicht das Gefühl bekommen, dass man sich verstellt“, sagt Heuberger, für den es auch eine Niederlage wäre, wenn die Leute in Schutterwald sagen würden: der Martin hat sich verändert. Daheim also, wo er für seine Frau, die mittlerweile erwachsenen beiden Söhne und sich ein Haus gebaut und den Garten angelegt hat. „Architektur wäre auch etwas für mich gewesen.“ Etwas entwickeln und erschaffen, das macht ihm Spaß, das befriedigt ihn.

Martin Heuberger ist ein akribischer Arbeiter, der einstecken kann. Das hat er als Kreisläufer gelernt, jene Position im Handball, die einem die größte Leidensfähigkeit abverlangt. „Ständig gibt es auf die Mütze“, sagt Heuberger. So wie auch nach der verpassten Qualifikation für die Sommerspiele, als aus dem neuen Bundestrainer Heuberger in den Kommentierungen immer wieder ein Heulberger gemacht wurde. „Das ist respektlos, damit kann ich nicht viel anfangen“, sagt er