Hochbunker auf der Prag in Stuttgart-Feuerbach Vom Bunker und vom Bunkern

Von Susanne Müller-Baji 

Der Hochbunker auf der Prag feiert sein 75-Jahr-Jubiläum. Am Sonntag, 15. Oktober, bietet der Verein Schutzbauten eine Führung durch das Bauwerk an.

Der Hochbunker auf dem Pragsattel ist eines der markantesten Gebäude im Stuttgarter Norden. Gebaut wurde er in den Jahren  1941/42. Foto: Susanne Müller-Baji
Der Hochbunker auf dem Pragsattel ist eines der markantesten Gebäude im Stuttgarter Norden. Gebaut wurde er in den Jahren 1941/42. Foto: Susanne Müller-Baji

Feuerbach - Weithin sichtbar: Der Hochbunker auf der Prag ist eines der markantesten Gebäude im Stuttgarter Norden. Und ist doch bis heute für so manche Überraschung gut. Am Sonntag können Gäste bei einer Reihe von Führungen des Vereins Stuttgarter Schutzbauten die Geschichte und die Geschichten rund um das Bauwerk erleben.

Durch eine Schleuse geht es hinein und dann hinauf: Der Aufzug, gebaut nicht für die Schutz suchenden Menschen, sondern für den Munitionstransport zu den Flakgeschützen auf dem Dach, ist seit Kriegsende stillgelegt. Sieben Stockwerke umfasst der eigentliche Schutzbereich, das Geschoss mit den Fenstern darüber beherbergt heute die Sendeanlage eines Mobilfunkanbieters. „Der Bunker wurde 1941/42 gebaut, feiert also sein 75-jähriges Bestehen”, erzählt der Vereinsvorsitzende Rolf Zielfleisch bei der Führung.

Bunker galt als nahezu unzerstörbar

Geplant hat den Bunker Paul Bonatz. Was sich heute als nüchterner Betonbau mit einem verblassenden Anstrich präsentiert, hätte ursprünglich eine Verkleidung aus rotem Sandstein erhalten sollen, inklusive Reichsadler und Hakenkreuz. Soweit kam es nicht mehr. Man muss sich seiner Sache aber schon sehr sicher sein, wenn man einen Hochbunker weithin sichtbar auf eine Anhöhe setzt, oder? Im Vergleich zu den Tiefbunkern brauche man für einen Hochbunker weit weniger Beton, so Zielfleisch. Über die Prag führten schon damals wichtige Straßen und auch das Robert-Bosch-Krankenhaus war in der Nähe eröffnet worden. Und mit seinen ein Meter starken Wänden war der Bau zunächst ja auch nahezu unzerstörbar – bei Kriegsende aber schon nicht mehr.

Einige Räume hat der Verein mit der Originalmöblierung aus Pritschen und Kunststoffstühlen versehen, „damit man sich ein Bild machen kann“, so Zielfleisch. Zu sehen ist auch die Nachkriegsnutzung als Flüchtlingsunterkunft und zuletzt als Wohnheim für obdachlose Männer. Besonders die Belüftung der fensterlosen Räume sei bei Langzeitnutzung schwierig gewesen – und die Lebensumstände der vielfach kriegsversehrten Bewohner oft katastrophal. „Im Vergleich dazu haben wir einen Raum einer modernen Flüchtlingsunterkunft nachgestellt – Kühlschrank und Flachbildschirm gehören da zum Standard.“

Ausstellung zum Katastrophenschutz

Nachdenkenswert ist auch die Ausstellung in den unteren Stockwerken zum Katastrophenschutz. Der Verein hat hier Exponate vom Löschwagen bis zur Pumpe zusammengetragen, dazu etliche Schutzmasken und Bildmaterial von den großen Unwetterschäden und Katastrophen in der Region.

Vor einigen Monaten hat die Regierung die Bürger aufgefordert, für den Notfall Vorräte für zehn Tage anzulegen. Zielfleisch zeigt, was es an sich in jedem Haushalt geben sollte, darunter Konserven, Trinkwasser, ein Radioempfänger und Batterien, Kerzen, Streichhölzer. „Was machen Sie, wenn der Strom weg ist und bei Aldi nicht mal mehr die Türen aufgehen?“ So wird der Bunker-Rundgang auch zum Denkanstoß, wie viel oder wenig man zum (Über)-Leben braucht – und auf welch tönernen Füßen das Alltagsleben im Grunde steht. Die Erleichterung beim Verlassen eines Bunkers sei bei fast allen Besuchern groß, hat Zielfleisch bemerkt.

Info Die Führungen durch den Hochbunker auf dem Pragsattel finden am Sonntag, 15. Oktober, zwischen 13 und 16.30 Uhr im Viertelstundentakt statt. Es kann zu Wartezeiten kommen.

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