Hochrheinstrecke Die Angst vor einem Bahnchaos wächst

Von Wolfgang Messner 

Zu spät zur Arbeit und in der Schule, Anschlüsse und Termine verpasst: Pendler, Schüler und Reisende klagen auf der Hochrheinstrecke zwischen Singen und Basel über zu späte Züge. Zum Fahrplanwechsel am 15. Dezember droht nun erneut Ärger.

Immer wieder zu spät auf der Hochrheinstrecke: Ein Dieseltriebwagen des Typs VT 611 fährt in Waldshut ein. Foto: dpa
Immer wieder zu spät auf der Hochrheinstrecke: Ein Dieseltriebwagen des Typs VT 611 fährt in Waldshut ein. Foto: dpa

Waldshut - Dem Fahrplanwechsel bei der Deutschen Bahn am 15. Dezember sieht das Landratsamt Waldshut mit einer gewissen Besorgnis entgegen. Dann nämlich wird auf der frisch sanierten Strecke zwischen Erzingen (Kreis Waldshut) und Schaffhausen die S-Bahn statt wie bisher im 30-Minuten-Takt im 15-Minuten-Takt verkehren.

Das soll für die Kunden der Deutschen Bahn AG und der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) eine spürbare Verbesserung bringen. Doch befürchten die Fachleute in der Waldshuter Behörde, gerade das könnte neue Probleme schaffen. „Wir glauben, dass die Neuerung wieder zu Verspätungen führt“, sagt ein Sachbearbeiter, der ungenannt bleiben will.

Der Grund ist nachvollziehbar. Über das Landratsamt hatte sich von Anfang Oktober bis Mitte November eine Lawine von Beschwerden ergossen, weil die Züge auf der Hochrheinbahn ständig viel zu spät kamen. Dabei sollte doch durch den Ausbau der Trasse alles besser werden.

Sieben Monate lang Schienenersatzverkehr

Nach sieben Monaten war für das 12,5 Kilometer lange Teilstück zwischen Erzingen und Schaffhausen ein zweites Gleis gebaut und zugleich für rund 30 Millionen Euro elektrifiziert worden. Ein dreiviertel Jahr lang musste der Streckenabschnitt mit Bussen überbrückt werden. Dann das.

„Hunderte von Beschwerden“ landeten in der Waldshuter Behörde. Teils einzeln, teils in Unterschriftenaktionen, machten die erbosten Kunden ihrem Ärger Luft. Das Landratsamt musste halbtags einen Beamten abstellen, der die Klagen der empörten Bahnkunden entgegennahm und die Betroffenen beruhigte. Berufspendler, Schüler und Reisende kamen zur spät zur Arbeit und in die Schule, verpassten Termine oder Anschlusszüge. Gegen die Deutsche Bahn AG, so ist zu hören, seien deshalb etliche Klagen anhängig.

Dem Waldshuter Landrat Tilman Bollacher wurde es bald zu bunt. Der Kreis Waldshut organisiert zwar mit der DB Regio AG und weiteren Partnern den örtlichen Tarifverbund, fühlt sich aber für das Bahnchaos nur mittelbar zuständig.

Pünktlichkeit sank im Oktober auf 88 Prozent ab

Bollacher empörte sich Ende Oktober gegenüber der DB Regio und der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg öffentlich über „völlig inakzeptablen Zustände“ und forderte: „So kann es nicht weitergehen!“ Fachleute kritisieren, dass die Strecke verfrüht freigegeben worden sei und unzuverlässige Fahrzeuge eingesetzt worden seien.

Der Deutschen Bahn AG blieb nichts anderes übrig, als bei einer Pressekonferenz am 20. November in Schaffhausen die Probleme kleinlaut einzuräumen. Ein Teil der „Restarbeiten“ habe noch erledigt werden müssen. Die Züge mit Neigetechnik hätten „Fahrzeugstörungen und -ausfälle“ bewirkt, so dass die gesamte am Hochrhein eingesetzte Fahrzeugflotte einer „gesonderten Inspektion“ unterzogen werden musste. Darüber hinaus habe es „externe Einflüsse“ wie Unfälle und Sperrungen gegeben. Daher sank die „Haltepünktlichkeit“ von 96,5 auf 88 Prozent. Seit Mitte November, so ein Sprecher, habe es keine weiteren Klagen gegeben. Der Betrieb laufe weitgehend normal. Der Fahrplanwechsel werde daran auch wenig ändern, sagte er.

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