Hochschule Esslingen Ein Rektor als Reizfigur
Andreas Müller, 27.06.2011 07:45 Uhr
Mal Kontrolleur, mal Kollege: der Hochschulratsvorsitzende Wolfgang Wolf (links) steht fest an der Seite des Esslinger Rektors Bernhard Schwarz. Foto: Horst Rudel
Mal Kontrolleur, mal Kollege: der Hochschulratsvorsitzende Wolfgang Wolf (links) steht fest an der Seite des Esslinger Rektors Bernhard Schwarz. Foto: Horst Rudel

Esslingen - Eigentlich würde Bernhard Schwarz lieber über Erfreulicheres reden. Darüber, wie prächtig sich die Hochschule Esslingen in den bald 100 Jahren ihres Bestehens entwickelt hat. Über die enge Vernetzung mit der Wirtschaft, den hohen Praxisbezug und die hochmodernen Labore. Über die guten Berufschancen für die 5600 Studenten, die an elf Fakultäten Ingenieurwesen, Betriebswirtschaft oder Sozial- und Pflegewissenschaften studieren. Oder darüber, dass Esslingen in den Rankings der Wirtschaftsmagazine meist unter den zehn besten Fachhochschulen Deutschlands landet.

Doch der Rektor Schwarz muss immer wieder über Unerfreuliches reden. Darüber, warum es an der Hochschule seit einigen Jahren rumort. Über seinen Führungsstil, den manche Kollegen als autoritär und Studenten als wenig offen empfinden. Über die geplante Umstrukturierung der Hochschule, hinter der seine Kritiker andere als die vorgegebenen Motive vermuten. Und schließlich darüber, ob die Hochschulleitung nicht etwas zu eng mit der Wirtschaft vernetzt ist - vor allem mit jenen Vertretern aus Unternehmen und Verbänden, die sie eigentlich kontrollieren sollen.

"Befremdliches Demokratieverständnis"

Seit Professor Schwarz im Jahr 2007 mit knappen Mehrheiten zum Rektor gewählt wurde, lenken interne Widersacher immer wieder den Blick externer Institutionen auf die Hochschule. Mal untersucht der Rechnungshof aufgrund einer anonymen Anzeige, ob beim Technologietransfer sauber zwischen den Sphären der Hochschule und der Steinbeis-Stiftung getrennt wird - was insofern pikant ist, als Schwarz in beiden Bereichen ein Standbein hat.

Mal muss das Wissenschaftsministerium in Stuttgart Dienstaufsichtsbeschwerden von mehreren Esslinger Professoren prüfen, die dem Rektor ein "befremdliches Demokratieverständnis" bescheinigen. Derzeit liegt eine Eingabe der Kritiker beim Petitionsausschuss des Landtages, der das Verhalten des Hochschulchefs missbilligen und ihn zur Ordnung rufen soll. Und an die Medien dringt auch immer mehr von den internen Turbulenzen.

Mit dem Favoriten konnte sich Schwarz nicht anfreunden

Öffentlich wahrnehmbar wurde die schon länger schwelende Unruhe erstmals, als voriges Jahr ein neuer Dekan für die Fakultät Betriebswirtschaft gebraucht wurde. Der bisherige, Dietmar Vahs, stellte sich wegen Differenzen mit dem Rektor nicht mehr zur Wahl. Mit dem Favoriten des Fakultätsrats konnte sich Schwarz partout nicht anfreunden, sein eigener Favorit wiederum stieß in der Fakultät auf wenig Gegenliebe. Monatelang ging es hin und her, dann akzeptierte der Hochschulchef doch den von der Betriebswirtschaft empfohlenen Kompromisskandidaten Helmut Kohlert - allerdings mit unverhohlener Skepsis. "Er war bisher unauffällig, muss sich erst in seine Aufgabe reinknien. Er soll aber seine Chance haben, sich zu beweisen", sagte er einer Journalistin.

Das Zitat müsse man im Zusammenhang sehen, sagt Schwarz heute. Aber die ohnehin gereizten Gemüter stachelte es zusätzlich an. Bald darauf erreichten den damaligen Wissenschaftsminister Peter Frankenberg (CDU) Dienstaufsichtsbeschwerden gegen den Esslinger Rektor von vier Professoren - darunter auch Kohlert - und einem studentischen Vertreter im Fakultätsrat. Gemeinsamer Tenor: das Ministerium solle ihn an die Kandare nehmen. Frankenberg sah dafür jedoch keinen Anlass und ließ die Kontrahenten durch einen Ministerialrat ermahnen: Alle Beteiligten würden "dringend gebeten, ihre Auseinandersetzungen ausschließlich innerhalb der zuständigen Hochschulgremien zu führen".

Der Rektor ist zur Reizfigur geworden

Der Appell fruchtete indes nicht, zu Jahresbeginn ging die erwähnte Eingabe der Professoren an den Petitionsausschuss. Deren Thema war nun nicht nur das "Fehlverhalten des Rektors", sondern auch die "Untätigkeit des Wissenschaftsministers". Die Abgeordneten, baten die Petenten, sollten "weiteren Schaden von der Hochschule Esslingen abwenden". Dieser Schaden, erwiderten die Dekane der zehn anderen Fakultäten in einem gemeinsamen Brief, werde durch die Hartnäckigkeit der Kritiker noch ausgeweitet. Die externen Partner der Hochschule in Wirtschaft und Sozialwesen drohten verunsichert zu werden, klagten sie, "mittlerweile belastet diese Auseinandersetzung alle Gremien". Dem Rektor sprachen sie ihr Vertrauen aus. Aber auch in anderen Fakultäten ist Schwarz, wie man hört, nicht unumstritten. "Mit seinem Basta-Stil und unbedachten Äußerungen", urteilte die "Esslinger Zeitung", habe er dazu beigetragen, dass "mehr Porzellan zerschlagen wurde als bei einem Polterabend".

Der Rektor ist zur Reizfigur geworden - das gilt auch für die laufende Diskussion über die Weiterentwicklung der Hochschule. Beunruhigt sind Lehrende und Lernende über die Überlegungen, den Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen an die Außenstelle Göppingen zu verlagern; von der Fakultät Betriebswirtschaft in Esslingen bliebe dann wohl nicht mehr viel übrig.

Kommentare (11)
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SEP
28
Insider, 13:10 Uhr

Privatfirma

Bitte auch Artikel in der Esslinger Zeitung vom 19.7. beachten !!!

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SEP
26
Robert K., 13:06 Uhr

Herrn Schwarz werden die Studenten davo laufen

Als Student eines der betroffenen Studiengänge (Wirtschaftsingeneurwesen) kann ich meinen Vorrednern nur zustimmen. Die momentan studierenden Studenten sind von den Plänen zwar nicht direkt betroffen, trotzdem ist man über die Gerüchte entsetzt. Was bei der ganzen Diskussion noch zu ergänzen ist: Auf dem Campus erkennt man eine eindeutige Meinung zur Attraktivität des Standorts Göppingen, nach dem Motto: "Wenn unser Studiengang in Göppingen ware, würden wir dort sicher nicht studieren!". Dazu ist Göppingen - im Gegensatz zu Esslingen - einfach zu weit von der Stuttgarter Metropole entfernt und damit für Studenten ganz klar unattraktiv. Auch dies sollte Herr Schwarz bedenken, sonst werden ihm buchstäblich die Studenten weglaufen.

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JUL
15
einem Mitarbeiter, 13:32 Uhr

Aufschlussreich

Danke Herr Müller für die Informationen - so detailliert waren sie selbst mir als Mitarbeiter der Hochschule nicht bekannt. Dass wir mit einem Rektor leben müssen, der gleichzeitig am Standort Göppingen private Geschäfte betreibt, ist schon seit 15 Jahren Fakt. Es gab übrigens an der weitaus größten Fakultät an diesem Standort immer nur Dekane, die zugleich Mitbesitzer des TZM waren(!) - auch das spricht für sich selbst. Dass nun aber der als untadeliger Geschäftsmann bekannte Herr Vilser über Eberspächer ebennfalls mit dem TZM eng verbunden ist und gleichzeitig als Hochschulrat entscheidet, an welchem Standort welche (möglichst bewerberstarken) Studiengänge angeboten werden, ist völlig untragbar. Man kann nur hoffen, dass sich er sich dessen bewußt ist, und sich bei Standortfragen enthält.

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