Studie Südwesten ist Land der Ingenieure

Von Maria Wetzel 

In keinem anderen Bundesland haben so viele Hochschulabsolventen einen Abschluss in einem so genannten Mint-Fach gemacht. Allerdings ist der Bereich immer noch eine deutliche Männerdomäne.

Die Berufschancen für Ingenieure sind bestens – hier in einer Recyclinganlage für Phosphor in Freiberg. Foto: dpa-Zentralbild
Die Berufschancen für Ingenieure sind bestens – hier in einer Recyclinganlage für Phosphor in Freiberg. Foto: dpa-Zentralbild

Stuttgart - In Baden-Württemberg haben 2015 41,6 Prozent der Hochschulabsolventen in einem der so genannten Mint-Fächer, also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, ihren Abschluss gemacht. Das sind so viele wie in keinem anderen Bundesland. Das geht aus einer Studie des Statistischen Bundesamtes hervor. Bundesweit haben 36,9 Prozent Studiengänge in diesen Fächern erfolgreich beendet. Das sind deutlich mehr als in anderen Ländern, die der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) angehören. Der OECD-Durchschnitt liegt bei 23,5 Prozent.

Die Zahlen seien sehr erfreulich, sagt Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne): „Wir haben in den Hochschulausbau-Programmen Hochschule 2012 und Master 2016 beim Ausbau der Studienplätze einen Schwerpunkt auf die Mint-Fächer gelegt und ernten jetzt die Früchte.“ Trotzdem bleibe der Bedarf an Ingenieuren und Fachkräften weiterhin hoch. „Wir müssen nach wie vor bei jungen Menschen dafür werben, dass sie diese spannenden Studiengänge auch in Anspruch nehmen. Das bleibt eine große Herausforderung.“

Auch Schulen und Hochschulen suchen Fachkräfte

Von den Absolventen 2015 in Baden-Württemberg machten 25,9 Prozent einen Abschluss im Bereich Ingenieurwesen, verarbeitendes Gewerbe und Baugewerbe. 9,2 Prozent beendeten ein Studium der Naturwissenschaften, Mathematik oder Statistik. 6,5 Prozent studierten Informations- und Kommunikationstechnologie.

Der Bedarf an entsprechenden Fachkräften ist hoch. Seit Jahren klagen Unternehmen, aber auch Hochschulen und Verwaltung darüber, dass sie nicht genügend Mitarbeiter finden. Betroffen sind teilweise auch die Schulen. An den allgemeinbildenden Schulen fehlen vor allem Lehrkräfte für Mathematik, Naturwissenschaften und Informatik. An den beruflichen Schulen mangelt es außerdem auch an Lehrern für die technischen Fächer. Zusätzliche Kräfte werden auch gebraucht, weil der Informatikunterricht ausgebaut wird.

Rund 400 Professuren für Digitalisierung

Eine am Dienstag veröffentlichte Studie der Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) zeigt, wo mehr getan werden könnte. So ist in Deutschland der Frauenanteil bei den Mintfächern niedriger liegt als in vielen anderen Ländern. Sie machen nur 28 Prozent der Studienanfänger aus.

In den kommenden Jahren werden die Mint-Fächer weiter ausgebaut. Die grün-schwarze Landesregierung hat für 2018/19 insgesamt 265 Millionen Euro für Digitalisierungsprojekte vorgesehen. Ministerin Bauer erhofft sich davon auch einen ordentlichen Anteil für die Hochschulen.

Seit 2012 sind an den Hochschulen rund 400 Professuren im Bereich Digitalisierung besetzt worden. Zwei Drittel wurden neu geschaffen, ein Drittel entstand durch die Umwidmung vorhandener Professuren. Die Universitäten erhielten 132 Professuren, die medizinischen Fakultäten 24, die Pädagogische Hochschulen fünf, die Kunst/Musikhochschulen 12, die Hochschulen für Angewandte Wissenschaft 221. „Wir brauchen die klugen Köpfe an unseren Hochschulen, um die Chancen und Potentiale der Digitalisierung zu nutzen, aber auch Fehlentwicklungen zu erkennen“, so Bauer. Dafür müsse das Thema fächerübergreifend an allen Hochschulen in Forschung und Lehre verankert werden.