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Höchstleistung auch ohne Beine Nachgefragt
"Kornwestheim und Kreis Ludwigsburg", 13.09.2011 02:36 Uhr
Heinz Vötsch vom Team Hessen ist seit 25 Jahren Sitzballer aus Leidenschaft. Er erklärt, warum.

Herr Vötsch, wie sind Sie zum Sitzball gekommen?

Vor 25 Jahren hatte ich einen schweren Arbeitsunfall, bei dem ich von heute auf morgen beide Beine verlor. Das war natürlich ein riesiger Einschnitt in meinem Leben. Mein Arzt machte mir aber nicht nur Hoffnung, bald mit Prothesen wieder stehen und gehen zu können, er gab mir auch den Rat, einem Behindertensportverein beizutreten. Ein Kollege aus dem Nachbarort hat mich eines Tages einfach abgeholt und gesagt: ,Lass uns dort hinfahren!" Es hat mir auf Anhieb gefallen und seitdem bin ich passionierter Sitzballer. Und nicht nur das, ich habe auch gelernt, ohne Beine Höchstleistungen zu bringen.

Was gibt Ihnen der Sport zurück und was gefällt Ihnen an solch einem Turnier?

Das Tolle ist, dass es ein wahres Kräftemessen unter Gleichgesinnten ist. Der Ehrgeiz sprudelt sozusagen aus einem heraus und man möchte natürlich mit seinem Team gewinnen. Ein Turniersieg ist schon etwas Geniales. Außerdem lerne ich auf solchen Turnieren neue Leute kennen. Man tauscht sich aus, sitzt zusammen, hat Spaß und startet am Montag wieder mit viel mehr Schwung und Elan in die neue Arbeitswoche.

Sie sagten eben, es sei ein Kräftemessen unter Gleichgesinnten, aber es spielen doch auch Nicht-Amputierte mit . . .

Ja, natürlich haben die Nicht-Beinamputierten einen gewissen Vorteil. Die sind beweglicher und können besser hechten. Für mich ist es eben eine Herausforderung, mit jenen Spielern mitzuhalten. Ich beobachte meine Gegner genau, erkenne frühzeitig, was sie vorhaben, und stelle mich darauf ein. Ich habe über die vielen Jahre gelernt, mehr mit den Augen zu arbeiten und mich so schon vor dem Schlag des Gegners auf die Flugbahn des Balles einzustellen.

Hat Ihnen der Sitzball-Sport geholfen, über die Behinderung hinwegzukommen?

Wie gesagt, es war sehr schwer, aber ich habe schnell gelernt, dass ich in Bewegung bleiben muss. Man muss rausgehen, man muss was erleben. Dazu braucht es natürlich einen eisernen Willen. Vielen Behinderten fehlt leider der Zugang zum Sitzball. Kaum ein Arzt informiert frisch Amputierte über die Möglichkeiten, die sich einem - auch außer Sitzball - bieten. Das ist echt schade, da sollten die Krankenkassen mal daran arbeiten. Vielleicht würden wir so wieder mehr Nachwuchs bekommen. Sitzball muss einfach bekannter werden.

Fragen von Melanie Bürkle

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