Höhenpark Killesberg Avantgarde am Mittsommertag

Am Sonntag steht der Höhenpark Killesberg im Zeichen von Kunstaktionen und Performances. Die Kunstausstellung „18 Stunden zur Anfechtung der Sommersonnenwende“ findet zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang statt.

Kunstaktionen mitten im Höhenpark, das haben Andrew Walsh und seine Mitstreiter auf die Beine gestellt. Foto: privat/Sabrina Schray
Kunstaktionen mitten im Höhenpark, das haben Andrew Walsh und seine Mitstreiter auf die Beine gestellt. Foto: privat/Sabrina Schray

S-Nord - Der Mittsommertag hat seit jeher etwas Mystisches, Geheimnisvolles: In vielen Kulturen feiern die Menschen den längsten Tag des Jahres, an dem auch die Handlung von William Shakespeares Theaterstück „Ein Sommernachtstraum“ spielt. Nach dem 21. Juni werden die Tage wieder kürzer, bewegen sich die Jahreszeiten wieder auf den Winter zu.

Im Höhenpark Killesberg wird der Mittsommertag ganz besonders gefeiert: Die Kunstausstellung „18 Stunden zur Anfechtung der Sommersonnenwende“ findet am Sonntag, 21. Juni, zwischen 5 Uhr morgens und 23 Uhr statt, also zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang, bei freiem Eintritt. Die Organisatoren sind N. Andrew Walsh, Komponist und Musikwissenschaftler, und Christie Finn, Sängerin und Künstlerin.

Kollektiv für aktuelle Musik

Beide gehören zum Stuttgarter Kollektiv für aktuelle Musik, einem dieses Jahr neu gegründeten Verein, der verschiedene Ensembles und Künstler aus der Szene der Avantgardemusik und -kunst versammelt. Walsh, der momentan an seiner Doktorarbeit an der Musikhochschule sitzt, möchte neue Kunst und neue Musik stärker in den Fokus rücken: „Es gibt Leute, die solche Stücke aufführen“, sagt der 37-Jährige, „aber die neue Kunst hat keinen starken Platz in der Gesellschaft. Das möchten wir ändern.“ Und um das, worüber er in seiner Doktorarbeit schreibt, erlebbar zu machen, für sich selbst, seine Kollegen, aber auch alle Besucher, kam die Idee auf, eine Ausstellung mit avantgardistischer Musik und Kunst im Freien zu machen. Der Titel ist angelehnt an die Ausstellung „Experimental Outdoor Exhibition of Modernist Art to Challenge the Midsummer Sun“ des japanischen Gutai-Künstlerkollektivs im Jahr 1955. Überhaupt, berichtet Walsh, existierten nach dem zweiten Weltkrieg viele moderne, avantgardistische Kunstbewegungen, die wieder untergingen, unter anderem auch um Yoko Ono, die japanische Künstlerin, die später vorrangig als Ehefrau von John Lennon bekannt wurde.

Von Yoko Ono stammen auch viele der Performances, die am Sonntag im Höhenpark aufgeführt werden, beispielsweise „Secret Piece“, das an einem geheimen Ort im Park stattfindet, der von den Besuchern erst noch gefunden werden muss. N. Andrew Walsh selbst tritt mit Onos „Cut Piece“ auf: „Dabei geht es darum, sich in seinen besten Kleidern vor Publikum zu setzen, und die Zuschauer haben die Möglichkeit, Stücke der Kleidung abzuschneiden“, erklärt Walsh. In seinem Fall wird es sein Hochzeitsanzug sein, mit dem viele Erinnerungen für ihn verbunden sind.

Wie reagieren die Zuschauer?

Gleich um 5 Uhr morgens beginnen Klanginstallationen im Tal der Rosen, außerdem drehen Studenten von der Kunstakademie am Weißenhof dort eine Szene aus einem Heimatfilm. Am Seerosenteich gibt es die Installation „Tube Forest“, außerdem können die Besucher an einer Kunst-Schnitzeljagd quer durch den Park teilnehmen. Der Austausch mit dem Publikum ist auch ein wichtiger Aspekt des Projekts: „Es geht nicht nur darum, etwas zu sehen, sondern auch mitzumachen“, erklärt Walsh. Gerade die Performances, auch die, die Walsh selbst aufführt, hängen stark von der Reaktion der Zuschauer ab: Gibt es eine? Wenn ja, welche? Wie reagiert der Künstler darauf? Mitmachen ist auch bei einer Aufführung von John Cages „Musi-Circus“ gefragt: Dabei sind Musiker – Profis wie Laien – angehalten, mit ihren Instrumenten zusammenzukommen und gleichzeitig zu spielen.

Walsh und seine Mitstreiter sind gespannt, wie das Projekt angenommen werden wird. „Wir sind bisher sehr begeistert, dass sich die Stadtverwaltung, vor allem Bernd Deigner-Grünberg vom Gartenbauamt, so für uns eingesetzt hat“, berichtet er. Wenn dann noch die Begeisterung der Besucher hinzu käme, „wäre es perfekt“.

Sonderthemen