Hölzertal-Mord Verdächtiger ist frei
Gerlinde Wicke-Naber, 16.07.2010 07:25 Uhr
Zweieinhalb Wochen nach der Erschießung von Heiko S. sucht die Polizei Ende Mai in der Nähe des Tatorts nach der Tatwaffe – ohne Ergebnis. Foto: Weise
Zweieinhalb Wochen nach der Erschießung von Heiko S. sucht die Polizei Ende Mai in der Nähe des Tatorts nach der Tatwaffe – ohne Ergebnis. Foto: Weise
Böblingen/Rüsselsheim - Der Mordfall von Magstadt (Kreis Böblingen) weitet sich aus. Wie die Polizei am Donnerstagabend mitteilte, hat es einen weiteren Mord in Hessen gegeben. Mit derselben Waffe, mit der am 8. Mai im Hölzertal der 30 Jahre alte Heiko S. erschossen worden war, ist Polizeiangaben zufolge am 2. Juli auf einem Parkplatz an der Autobahn 5 bei Mörfelden-Walldorf ein 70 Jahre alter Mann getötet worden. Zu diesem Zeitpunkt hatte ein 33-Jähriger aus Sindelfingen als Hauptverdächtiger im Hölzertalmord bereits seit sechs Wochen in Untersuchungshaft gesessen. Nun scheide er als Tatverdächtiger aus, so die Polizei. Er sei daher am Dienstag entlassen worden.

Der Sindelfinger hatte von Anfang an bestritten, Heiko S. erschossen zu haben. Weil er sich bei seinen Vernehmungen aber in Widersprüche verwickelt hatte, hatte die Polizei ihn trotz einer Haftbeschwerde seines Anwalts weiter für dringend tatverdächtig gehalten - offenbar zu Unrecht, wie sich nun herausstellt.

Ist der Täter ein Schwulenhasser?


Wie die Polizei am Donnerstag weiter mitteilte, seien die Tatumstände in beiden Mordfällen ähnlich. Sowohl Heiko S. als auch der 70-Jährige aus dem Main-Tauber-Kreis wurden auf Parkplätzen erschossen, die als Treffpunkte für homosexuelle Männer bekannt sind. Der schwer verletzte Heiko S. war am 8. Mai mit heruntergelassener Hose auf dem Fahrersitz eines Kleinwagens sitzend gefunden worden. Wenig später starb der 30-Jährige. Die Leiche des 70-Jährigen war völlig unbekleidet gewesen. Beide Männer starben der Polizei zufolge durch einen Schuss in den Kopf.

Befindet sich da ein Schwulenhasser auf einem tödlichen Feldzug? Das sei möglich, sagte Eckhard Salo, ein Sprecher der Böblinger Polizeidirektion. "Doch wir ermitteln weiter in alle Richtungen", erklärte er.

Auch in dem hessischen Mordfall hatte man kurz nach der Tat zwei Verdächtige verhaftet. Der eine, ein 50-Jähriger, hatte als Letzter mit dem Mordopfer Kontakt gehabt. Sein 66 Jahre alter Bekannter, der ebenfalls festgenommen worden war, bestreitet die Tat. Laut der Polizei haben sie keinen Bezug zum Raum Magstadt/Böblingen - und für die Tatzeit im Hölzertalmord haben sie Alibis. Deshalb habe man die beiden Männer ebenfalls bereits wieder auf freien Fuß gesetzt.

Eine heiße Spur gibt es nicht


Die Tatwaffe fehlt noch immer. Anhand der Geschosse stellten die Kriminaltechniker aber fest, dass die tödlichen Schüsse in beiden Fällen aus derselben Waffe abgefeuert worden waren. Sowohl die Böblinger als auch die Rüsselsheimer Kriminalpolizei hatten unmittelbar nach den Morden Sonderkommissionen gebildet, die nun gemeinsam an der Aufklärung arbeiten. Offenbar befürchten die Ermittler, dass ein weiterer, ähnlicher Mord geschehen könnte.

Der 70-Jährige war am 2. Juli um 14.30 Uhr von Spaziergängern gefunden worden. Zu diesem Zeitpunkt war der Mann bereits drei bis vier Stunden tot gewesen. Der Magstadter Heiko S., Vater eines dreijährigen Sohnes, war am 8. Mai gegen 23.30 Uhr von einem anderen Autofahrer entdeckt worden.

Für die Polizei beginnt die Suche nach dem Mörder nun wohl von vorn. Eine heiße Spur haben die Ermittler momentan offenbar nicht. "Doch wir haben noch jede Menge Spuren, denen wir jetzt nachgehen werden", sagte der Polizeisprecher. Die Ermittler bitten Zeugen, die an Treffpunkten homosexueller Männer verdächtige Personen oder Fahrzeuge gesehen haben, sich unter den Telefonnummern 07031/1322222 oder 06142/6960 bei der Soko Steingrund zu melden.
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