Hofbräu im Stuttgarter Süden Brauerei will keine eigene Gaststätte

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Stuttgarter Hofbräu will auf seinem Areal allerhand neu arrangieren. An eine Brauereigaststätte ist dabei nicht gedacht – dabei hätte man die gerne, um die Böblinger Straße aufzuwerten.

Der Bezirksbeirat-Süd hat  sich in diesem alten Gebäude eine schnuckelige Brauereigaststätte gewünscht, die Besucher anzieht  und die Böblinger Straße aufwertet. Foto: Kathrin Wesely
Der Bezirksbeirat-Süd hat sich in diesem alten Gebäude eine schnuckelige Brauereigaststätte gewünscht, die Besucher anzieht und die Böblinger Straße aufwertet. Foto: Kathrin Wesely

S-Süd - Im Bierdistrikt tut sich was. Die beiden großen Brauereien im Stadtbezirk kennen keinen Stillstand. Doch während Dinkelacker an der Tübinger Straße mit seinem erst jüngst renovierten und im Außenbereich vergrößerten Brauereilokal in die Öffentlichkeit drängt, wirkt die Stuttgarter Hofbräu eher im Verborgenen. Von außen lässt sich das Ausmaß der Aktivitäten der Bierbrauer von der Böblinger Straße nur erahnen. Dabei sind auf deren Areal erhebliche strukturelle Veränderungen im Gange. Man will dort offenbar einmal richtig aufräumen, was über die Jahrzehnte baulich angefügt wurde.

Marktanteile gewonnen

Einiges ist in jüngster Zeit auch schon geschehen. So wurden das Gebäude der alten Polizeiwache zugunsten einer Parkfläche abgerissen, andere Gebäude hergerichtet, neue Büroetagen eingerichtet und die Hallenausfahrt vergrößert, um die Logistik zu optimieren. „Wir haben in den letzten Jahren Marktanteile gewonnen“, sagt Martin Alber von der Geschäftsleitung. Im vergangenen Jahr habe die Brauerei, in der fast 200 Menschen beschäftigt sind, ihre Produktion um drei Prozent steigern können.

Bei der Stadt liegt seit geraumer Zeit ein umfangreicher Bauantrag der Stuttgarter Hofbräu, der seiner Prüfung harrt. Die langfristige Neuordnung des Geländes sieht eine neue Halle für Abfüllung und Lager vor, einen Kantinenneubau und ein repräsentatives Verwaltungsgebäude, das zugleich den Zugang markiert. Dafür müssten einige alte Bauwerke abgerissen werden – auch der markante rote Kaminschlot.

Da der Bauantrag noch nicht durch ist, steht die Hofbräu derzeit unter Zeitdruck. 2015 hatte die Brauerei das benachbarte Grundstück samt dem Verwaltungsgebäude an Aldi verkauft. Der Discounter will darauf einen Supermarkt und voraussichtlich 50 Wohnungen errichten und in absehbarer Zeit mit dem Bau beginnen. Die Verwaltungsmitarbeiter der Brauerei müssen nun zügig umziehen. All das vollzieht sich gewissermaßen hinter den Kulissen.

Hofbräu fährt die Regionalstolz-Linie

Der Bezirksbeirat Süd hätte sich indessen gewünscht, dass sich die Brauerei mit einer Gaststätte zur Straße hin öffnet. „Das würde die Böblinger Straße erheblich aufwerten und beleben“, ist Bezirksvorsteher Raiko Grieb überzeugt. Denn gerade dieser Abschnitt der zentralen Achse durch den Bezirk hätte es nötig. Bietet er doch ein tristes Bild, das geprägt ist von Leerstand und öden Graffities. Bezirksbeiräte hatten bei einer Info-Veranstaltung im vergangenen Jahr bereits auf ein altes Gebäude der Brauerei direkt an der Böblinger Straße hingewiesen, das ihnen für eine Gaststätte geeignet erschien. Dessen Fassade mit ihrem barockisierenden Giebel steht unter Denkmalschutz.

Doch die Geschäftsleitung der Brauerei wehrt ab. „Wir wollen unseren Wirten keine Konkurrenz machen“, argumentiert Martin Alber. Außerdem sei die Parksituation problematisch: Wo sollten denn die Gäste ihr Auto abstellen?

Bei besagter Info-Veranstaltung war von einigen Teilnehmern noch eine andere Begründung zu hören: Die Stuttgarter Hofbräu gehört zur Radeberger-Gruppe. Was kümmere die Konzern-Oberen im fernen Frankfurt der Standort Stuttgart? Das sei bei einem Familienunternehmen wie Dinkelacker halt doch anders.

Martin Alber widerspricht vehement: Dass man die Gastro in der Böblinger Straße ablehne, habe nichts mit der Gruppenzugehörigkeit zu tun. „Wir haben ein riesiges Engagement hier! Wir haben vor Ort eine eigene Produktion, ein eigenes Management und eigenes Marketing. Wir managen das hier selber und sind aufgestellt wie ein mittelständischer Betrieb. Und wir haben jetzt neu ein weiteres Wasen-Zelt!“ Beim Marketing fahre man die „Regionalstolz-Linie“, und „im Handel sind wir die erfolgreicheren“. Die Gastronomie aber, so scheint es, ist mehr das Bier der anderen im Stuttgarter Bierdistrikt.

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