Hoffest auf dem Aidehof bei Winnenden-Bürg Sauerbraten mit Kälbchenschau

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Das zweitägige Fest auf dem Aidehof bei Bürg ist längst zu einem Besuchermagneten geworden. Ursprünglich ist die Veranstaltung auch zur Aufklärung gedacht gewesen.

So also sieht ein junger Hinterwälder (rechts) aus. Foto: Gottfried Stoppel
So also sieht ein junger Hinterwälder (rechts) aus. Foto: Gottfried Stoppel

Winnenden - Um die Mittagszeit ist der zum Parkplatz umfunktionierte Stoppelacker am Aidehof kurz vor dem Ortseingang von Winnenden-Bürg gut gefüllt. Während sich die Erwachsenen auf dem Hofgelände in die Schlangen vor der Essensausgabe einreihen, toben die Kinder im Heu oder schauen sich den tierischen Nachwuchs an. Im hinteren Teil der Stallungen liegen zwei Kälbchen im Stroh, eines ist erst vor zwei Wochen geboren worden. Ansonsten ist die große Scheune schon seit Tagen leer geräumt, mit Biergarnituren bestückt und der Stall frisch geweißelt worden. Am Samstagabend war Scheunenbar mit DJ Udo angesagt, der Haupttag im Rahmen der Landesaktion „Gläserne Produktion“ aber ist am Sonntag gewesen. Zahlreiche Familien machten einen Ausflug zum Aidehof, genossen den schon legendären Sauerbraten mit Spätzle und hatten bei Kutschfahrten, Ponyreiten, einer Schatzsuche im Riesenstrohhaufen oder einer Treckerausstellung jede Menge Spaß.

Aufklärung gegen lila Kühe

Man habe schon immer Kindergärten oder Schulklassen eingeladen, sich ein Bild von dem Hof zu machen, um richtig zu stellen, dass Kühe nicht lila sind und das Fleisch nicht automatisch von Aldi kommt, scherzt Katja Bauer, die den Hof seit 17 Jahren zusammen mit ihrem Mann Bernd bewirtschaftet. „Es gibt viele, die haben noch nie einen Bauernhof aus der Nähe gesehen.“ Das Hoffest habe sich dabei zu einem festen Termin an jedem zweiten Wochenende im August entwickelt. „Wir haben nach der ganzen Arbeits fürs erste Fest gesagt: nie wieder – und alle anderen: bitte jetzt immer“, sagt Katja Bauer. Jetzt organisiert sie den Event schon zum 13. Mal.

Die Wurzeln der Familie ihrer Schwiegerleute sind bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgbar, ausgesiedelt mit der Landwirtschaft auf den Aidehof ist man allerdings erst in den 1960er-Jahren. Bis zur Jahrtausendwende wurde dort noch in einem Anbindestall Milch produziert, doch Katja und Bernd Bauer, die den Hof im Jahr 2000 übernahmen, stellten um auf Rinderzucht im kleineren Rahmen. Die Milchviehwirtschaft wäre im Nebenerwerb nicht mehr leistbar und schon gar nicht rentabel gewesen, sagt Katja Bauer, die im Hauptberuf Hauswirtschafterin ist, während ihr Mann seinen Lebensunterhalt als Lastwagenfahrer verdient.

Schlachter in der Nähe musste schließen

Auch wenn die Bauers das Fleisch ihrer Tiere nicht mehr selbst vermarkten, weil der nächst gelegene Schlachthof in Oppelsbohm mittlerweile wegen Auflagen der EU zumachen musste, zu tun gibt es immer noch mehr als genug. Zumal zu den Hinterwälder-Rindern – zurzeit sind es 25 Kühe und ein Bulle – im Laufe der Zeit noch 20 Pferde hinzugekommen sind, die auf dem Aidehof in Boxen untergestellt und von den Bauers versorgt werden. Zwei davon sowie ein Esel gehören ihnen selbst, beziehungsweise den beiden Töchtern, die den Pferdevirus auf dem Hof einst irgendwie zur Ausbreitung gebracht hatten.

Beide sind natürlich auch unter den Helfern auf dem Fest. Ob sie den Hof einmal übernehmen werden, ist offen. „Ich hoffe es“, sagt Katja Bauer. Denn dass die Tradition gar nicht mehr fortgeführt würde, will sie sich nicht vorstellen. Im Hauptberuf werde das allerdings kaum möglich sein. „Dazu ist die bäuerliche Landwirtschaft einfach zu schlecht bezahlt.“