Hohenheimer Straße in Stuttgart Tempo 40 soll hohe Stickoxidwerte senken

Von Wolfgang Schulz-Braunschmidt 

Fuß vom Gas: Auf der Hohenheimer Straße zwischen Olgaeck und Bopser gilt von Donnerstag an ein Geschwindigkeitslimit von 40 Kilometer in der Stunde. Das soll helfen, die Luftqualität zu verbessern.

Damit die Messstation (rechts) weniger Stickoxide registriert, müssen die Autos auf der Hohenheimer Straße langsamer rollen. Auf dem Foto ist das Tempo-40-Schild noch durchgestrichen, von Donnerstag an gilt aber die Geschwindigkeitsbegrenzung. Foto: Michael Steinert
Damit die Messstation (rechts) weniger Stickoxide registriert, müssen die Autos auf der Hohenheimer Straße langsamer rollen. Auf dem Foto ist das Tempo-40-Schild noch durchgestrichen, von Donnerstag an gilt aber die Geschwindigkeitsbegrenzung.Foto: Michael Steinert

Stuttgart - Neuerung an der Hohenheimer Straße: Von diesem Donnerstag an müssen Autofahrer hier den Fuß vom Gaspedal nehmen. Bergauf gilt zwischen dem Olgaeck und dem Ernst-Sieglin-Platz Tempo 40. Mit dem zunächst auf ein Jahr befristeten Versuch wollen Stadt und Regierungspräsidium die zu hohen Stickstoffdioxidwerte (NO2) auf diesem Steilstück senken. Bis Mitte Dezember wurde der Ein-Stunden-Grenzwert von 200 Mikrogramm NO2 je Kubikmeter Luft an der Messstation an der Hohenheimer Straße bereits 195-mal überschritten. Erlaubt sind im ganzen Jahr nur 18 über dem Limit liegende Schadstoffkonzentrationen. Verläuft der Versuch erfolgreich, denkt die Stadt daran, die Geschwindigkeit auch auf anderen Steigungsstrecken zu senken.

Die notwendigen Tempo-40-Schilder für den Umweltversuch an der Hohenheimer Straße hat das Tiefbauamt bereits vor Tagen aufgestellt, aber bis jetzt noch mit einem orangefarbenen X als ungültig gekennzeichnet. Gleichzeitig wurde die Software für die Ampelschaltung in dem Streckenabschnitt umprogrammiert, um die Grüne Welle bei Tempo 40 sicherzustellen. „Wer schneller fährt, steht länger an der nächsten Ampel“, erklärt ein Fachmann. Die Stadt will auch elektronische Geräte installieren, um genaue Daten über den Verkehrsfluss zu ermitteln. „Wenn sich die Autofahrer nicht an das neue Tempolimit halten, müssen wohl Blitzer aufgestellt werden“, heißt es.

Wetterlage im Jahr 2012 hat Werte sinken lassen

Im Umweltamt hofft man, dass die Geschwindigkeitsreduzierung die Luft etwas sauberer werden lässt. „Dank des Tempolimits dürften die Stickoxidwerte um ein paar Prozent zurückgehen“, meint Ulrich Reuter, der Leiter der Abteilung Klimatologie. Insgesamt rechnet er damit, dass in diesem Jahr die Stickoxid- und Feinstaubwerte leicht sinken. „Das liegt zum einen daran, dass in Stuttgart nur noch Fahrzeuge mit grüner Plakette fahren dürfen“, so Reuter. Außerdem habe es 2012 nicht allzu viele Tage mit besonders schadstoffträchtigen Wetterlagen gegeben.

Dennoch wurde der Feinstaubgrenzwert bis Mitte November am Neckartor schon an 68 Tagen überschritten. Bis Ende Dezember rechnet Reuter an mehr als 70 Tagen mit über dem gesetzlichen Limit liegenden Feinstaubwerten. Erlaubt ist allerdings nur die Hälfte – 35 Tage im Jahr. „Die Lage hat sich im Vergleich zu den Vorjahren verbessert, aber wir sind noch deutlich über den Grenzwerten“, sagt der erfahrene Klimatologe. Das zeige sich auch beim Jahresgrenzwert für Stickoxid, der in Stuttgart mit gut 90 Mikrogramm je Kubikmeter Luft weit über dem Grenzwert von 40 Mikrogramm liege. „Deshalb sind weitere Anstrengungen nötig“, so Reuters Fazit.

Hoffen auf das Parkraummanagement

Dazu zählt für Reuter auch das vom neuen Oberbürgermeister Fritz Kuhn geplante Parkraummanagement für die ganze Innenstadt. „Das wäre ein richtiger Schritt“, so Reuter. Wie viel Feinstaub und Stickoxide diese Maßnahme den Bürgern erspare, lasse sich aber heute noch nicht quantifizieren. Bis zum Sommer soll zudem eine dynamische Verkehrslenkung zwischen Schwanenplatz und Innenstadt einen geringeren Schadstoffausstoß bewirken. Mittels Hinweistafeln soll den Autofahrern je nach Situation ein zwischen 40 und 50  Kilometer pro Stunde liegendes Tempo empfohlen werden, um den Verkehrsfluss rund ums Neckartor zu verstetigen.

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35 KommentareKommentar schreiben

@Toni: Danke. Eine Grunderdung war überfällig für diese weltfremden Träumer.

Ideologie vs. Verstand: Liebe Ökofans, wir leben in einem freien Europa, jeder darf sich niederlassen wo er will. Wie wäre es für euch in Rumänien oder Bulgarien? Da gibt es Sie noch, die gute wahre grüne Welt: Pferdekutschen, Handkarren, Hausschlachtung und den Holzofen in der Stube. Ein Hort der Glückseligkeit - dort werden all eure Wünsche war - gute Reise!

Das Gegenteil von Gut...: ...ist nicht Schlecht, sondern gut gemeint. (frei nach Kurt Tucholsky) Oder auch: es steht in keinem Gesetz, dass unsere Regierenden auch noch kompetent sein müssen. Hier wird mit untauglichen Maßnahmen sinnloser Aktionismus betrieben, während die seit Jahrzehnten bekannten Hauptproduzenten aller Luftschadstoffe, die Hausheizungen, weiter rauchen dürfen. Es wird sich aber natürlich wie immer irgendein 'Experte' finden, der die Wirksamkeit der Maßnahme bescheinigt, solange es opportun ist.

GRÜNE Banditen: Jetzt machen die Autohasser ernst! Dieser Trojaner dient alleine dazu, Autofahrer generell aus der Stadt fernzuhalten, aber das zu sagen, traut sich keiner aus diesem Banditenpack. Die Citymaut kommt als nächstes!

Ja, langsamer und gleichmäßiger...: ...auf den Ausfallstraßen fahren. Leider lässt der Herdentrieb keinen Erfolg für die 'Grüne Welle' zu. Das hat sich nur dort geändert, wo gnadenlos geahndet wird und zwar generell: In Stuttgart, München, Köln, Nürtingen... oder in der Schweiz, Frankreich und und. Den Verkehrsfluss verstetigen. Ja, das machen Busse und Bahnen, um die Fahrpläne einzuhalten. - Die Reisecomputer in den stolzen Automobilen mit deutschen Labeln könnten mit einer kleinen Programmroutine anzeigen, was gleichmäßiges Gleiten an Zeit/Kosten spart. In meinem Fall liegt der Unterschied zwischen ruhigem und nervösem Gasfuß mit Automatik (normale bzw. sportliche Auswahl) bei 50 % Mehr-/Minderverbrauch. Bitte keine Diskussion, wie ich wohl fahren könnte. Nur ein Hinweis: Seit zehn Jahren nur noch mit der Stadtbahn in die Stadt, weil schneller, bequemer und billiger; im Ausland seit Jahrzehnten regelkonform. Weil ich beide Seiten seit Jahrzehnten kenne, bin ich sicher: Einsicht fordern ist zwecklos. Der Staat muss seine Bürger mit drastischen Strafen zur Einsicht zwingen. Österreicher, Schweizer, Franzosen, Holländer, Polen usw. werden das bestätigen.

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