Holger Kimmerle ist das Gesicht des Landes Schwabens Schwarzenegger mag Kaninchen

Von Joachim Lenk 

Holger Kimmerle ist vor Jahren bei einem Wettbewerb zum „Gesicht Baden-Württembergs“ gewählt worden. Das hat ihm Kontakte bis zu Arnold Schwarzenegger gebracht. Dennoch ist er bodenständig geblieben – und züchtet Kaninchen.

Schwabens Schwarzenegger im Cabrio. Foto:Joachim Lenk
Schwabens Schwarzenegger im Cabrio.Foto:Joachim Lenk

Reutlingen - Inzwischen sind fünf Jahre vergangen, seit Holger Kimmerle nach einem mehrwöchigen Casting des SWR-Fernsehens und der Tourismus Marketing Baden-Württemberg (TMBW) zum „Gesicht Baden-Württembergs“ gewählt wurde. Den Titel hat er immer noch. Aktuell ist auch nicht geplant, ihn neu auszuschreiben. „Das ist wie bei Königs. Erst wenn man selbst abdankt oder das Zeitliche segnet, gibt es einen Nachfolger“, sagt der 42-Jährige mit einem Schmunzeln.

Das Leben des Schwaben hat sich allerdings gewaltig verändert, seit er den Titel trägt. Er kann nicht mehr unerkannt zum Einkaufen gehen, ohne von wildfremden Menschen angesprochen zu werden, die ihm anerkennend auf die Schulter klopfen. Immer wieder muss der 1,97 Meter große Mann Autogramme schreiben und sich für ein Selfie in Pose stellen. Seit 2010 ist Kimmerle offiziell als Sympathieträger für seine Heimat unterwegs. Smart, sexy und sympathisch präsentiert er sich jedes Jahr auf der CMT in Stuttgart, wo der Hüne im schicken Anzug unter den vielen Tausend Besuchern sofort ins Auge sticht.

Stolz erzählt Kimmerle, dass die TMBW mit seinem Gesicht eine groß angelegte Werbekampagne für das Urlaubsland Baden-Württemberg gemacht hat. Der Mann aus Rommelsbach (Landkreis Reutlingen) strahlt inzwischen auf Plakaten, Anzeigen und Flyern, die für den Südwesten Reklame machen. Der Landestourismus-Chef Andreas Braun lobt seine Galionsfigur nach wie vor in den höchsten Tönen: „Holger Kimmerle ist dynamisch und aufstrebend, so wie Baden-Württemberg auch.“

Bei allen Labels zugange

Dynamisch und aufstrebend. Das trifft voll und ganz auf den Rommelsbacher zu. Inzwischen haben alle großen Modelabels den Schwaben für ihre XXL-Kollektionen unter Vertrag. Boss, Trigema, Uncle Sam und s.Oliver, um nur einige zu nennen. In der „Bild“-Zeitung war er kürzlich auf einer ganzen Seite in lässiger Freizeitkleidung abgebildet. Porsche hat den Muskelmann ebenfalls als Repräsentant für seine schnellen Autos entdeckt. Auch das Fernsehen klopft regelmäßig bei dem Vorzeigeschwaben an. So war er zum Beispiel Gast in der TV-Show „Sag die Wahrheit“ und in zahlreichen Serien. Kimmerle hatte Auftritte bei „Alarm für Cobra 11“ (RTL), „Hausmeister Krause“ (Sat 1), „Sturm der Liebe“ (ARD), „K 11 – Kommissare im Einsatz“ (Sat 1) und „Soko Stuttgart“ (ZDF). Im nächsten „Tatort“ aus München, der im kommenden Jahr gedreht wird, ist er ebenfalls zu sehen. In „Galileo“ (Pro 7) doubelte er dank seiner stattlichen Figur Arnold Schwarzenegger und Jean-Claude Van Damme.

Diese Rollen sind ihm besonders leichtgefallen. Denn schon seit 25 Jahren trainiert der 115 Kilogramm schwere Mann mit Gewichten. Der Bodybuilder gewann 2005 in Deutschland den Titel Mr. Adonis, zwei Jahre später siegte er bei der Natural-Bodybuilding-Europameisterschaft in London. Apropos Schwarzenegger. Kimmerle trifft im kommenden Frühjahr sein großes Vorbild aus Österreich bei der Arnold- Classic-Meisterschaft im US-Staat Ohio. Schwarzenegger hat ihm bereits eine Einladung geschickt.

Ein Fan der Kässpätzle

Seit Kimmerle das „Gesicht Baden-Württembergs“ ist, nimmt er an keinen Wettkämpfen mehr teil, „um nicht tagtäglich die Kalorien zählen zu müssen“, schmunzelt der bekennende Kässpätzle-Fan, der samstags regelmäßig in einem Metzinger Sportstudio anzutreffen ist. Dort arbeitet er nebenher als Fitness- und Ernährungsberater und macht Reklame für Sportnahrungsprodukte.

In England und in den USA ist das „Face of Baden-Wurttemberg“, wie der 42-Jäh­rige dort genannt wird, regelmäßig in Hochglanz-Firnessmagazinen abgebildet. Nächstes Jahr nimmt der Schwabe an der Ausscheidung „Mr. Amerika Fitness-Modell“ in Miami (Florida) teil.

Weil bei seinen Shootings nicht nur der Körper, sondern auch die Frisur stimmen muss, lehnte Kimmerle zwei verlockende Filmangebote ab. In „Rommel“ und „Elser“ sollte er fiese NS-Offiziere spielen. Voraussetzung wäre gewesen, die Haare auf ein Minimum stutzen zu lassen. „Ein No-go in unserer Brache“, erzählt der Rommelsbacher, der seit einem Monat stolzer Vater der Zwillinge Marvin Maxim und Levin Louis ist. Obwohl Kimmerle dick im Geschäft ist, arbeitet er nach wie vor als Konstruktionsmechaniker in der Fachrichtung Feinblechbautechnik in Neuhausen auf den Fildern (Landkreis Esslingen).

Konstruktionsmechaniker geblieben

Dort stellt er die Aufzüge her, die einmal in Rottweil (Landkreis Rottweil) im rekordhohen Testturm der Thyssen-Krupp Elevator AG rauf- und runterdüsen. Auch lässt es sich der Hüne nicht nehmen, weiterhin Kaninchen im Kleintierzuchtverein Pliezhausen (Landkreis Reutlingen) sowie im Loh- und Weißgranen-Club Württemberg-Hohenzollern in Unterensingen (Landkreis Esslingen) zu züchten. „Zum Ausgleich“, sagt der schwäbische Schwarzenegger, der nächsten Monat die Silberne Ehrenauszeichnung als Spezialzüchter von „Lohkaninchen Schwarz“ verliehen bekommt.