Hollywood Der Oscar - Schatz oder Nippes?
Rita Neubauer, 05.03.2010 17:00 Uhr
Er ist knapp vier Kilogramm schwer, 34 Zentimeter hoch und besteht aus Kupfer und Gold: der Oscar. Manchen ist er Millionen wert. Foto: dpa
Er ist knapp vier Kilogramm schwer, 34 Zentimeter hoch und besteht aus Kupfer und Gold: der Oscar. Manchen ist er Millionen wert. Foto: dpa
San Francisco - Russell Crowe hat seinen Oscar in den Hühnerstall gesperrt. "So legen die Hühner größere Eier", sagt er. Jack Nicholson benutzt seine drei vergoldeten Ritter angeblich als Hutständer. Und andere Schauspieler, etwa Emma Thompson und Kate Winslet, halten die Toilette für den besten Platz für die höchste Auszeichnung in Hollywood.

Doch was machen all jene, deren Oscartraum die Academy of Motion Pictures Arts and Science (AMPAS) immer noch nicht erfüllt hat oder nie erfüllen wird? Kann man sich einen Oscar einfach kaufen? Gibt es Preisträger, die die Trophäe zu Geld machen - oder machen müssen? Und wie kostbar ist so ein Oscar überhaupt?

Die Antworten lauten: ja, unter bestimmten Umständen kann man die Oscarstatue kaufen. Und ja, es gibt Filmschaffende, die sie verkaufen. Wie viel die Figur wert ist, hängt davon ab, wie alt sie ist und wer sie anbietet. Laut der Academy, die die Oscars am kommenden Sonntag zum 82. Mal vergibt, ist er genau einen Dollar wert. Für diesen Betrag hat die AMPAS seit 1950 nämlich ein Vorkaufsrecht auf jeden Oscar, der auf den Markt kommt. "Der Oscar ist kein Nippes, den man sich einfach so kauft", sagte einmal ein Sprecher der gemeinnützigen Organisation. Um Fälschung, Diebstahl und Schwarzmarkthandel zu erschweren, versieht sie die Statuen seit 1955 mit einer Seriennummer.

Auch Michael Jackson hat schon eingekauft


Verkauft wird der Oscar trotzdem. Experten schätzen, dass seit der ersten Preisverleihung 1929 rund 150 Filmtrophäen versilbert wurden - entweder weil sie noch vor 1950 verliehen oder später auf dubiosen Märkten verhökert wurden. Solche Geschäfte sollen mindestens 60.000 Dollar einbringen. Michael Jackson, so heißt es, habe stolze 1,5 Millionen Dollar für den Oscar für den besten Film des Jahres 1939 ("Gone with the Wind") bezahlt.

Die Herstellung der 3,9 Kilogramm schweren und 34 Zentimeter hohen Figur selbst, die seit 1983 aus der Werkstatt von R. S. Owens in Chicago stammt, kostet rund 500 Dollar. Das gute Stück hat einen Zinnkern, auf den nacheinander Schichten aus Kupfer, Nickel, Silber und Gold aufgebracht werden.

Über die Jahre hat die Academy immer wieder versucht, Verkäufe auf dem freien Markt zu unterbinden, wenn nötig sogar vor Gericht. Als vor 20 Jahren Cyrus Todd den Oscar seines verstorbenen Großvaters, des Produzenten Michael Todd ("Around the World in 80 Days" aus dem Jahr 1956), aus finanziellen Gründen verkaufen wollte, strengte die AMPAS eine gerichtliche Untersagung an.

Viel Geld und Geduld für einen Oscar


Dennoch haben Interessenten tatsächlich Glück, wenn sie nur Geduld und genug Geld aufbringen. Der Schweizer Sammler Mario Cortesi zum Beispiel hat bereits mehrere Oscars für seine Memorabiliensammlung rund um den Film erstanden. Für ihn seien die Statuen weder eine Geldanlage noch stelle er sie öffentlich aus, sagte Cortesi einmal in einem Interview mit dem Wirtschaftsmagazin "Forbes".

Altruistische Motive zeigte dagegen Steven Spielberg. Der Filmdirektor und zweimalige Oscarpreisträger bezahlte für den 1938 an Bette Davis verliehenen Preis 578000 Dollar - und gab ihn an die Academy zurück. Auch der Schauspieler Kevin Spacey und der Filmmogul Lew Wasserman haben einmal feilgebotene Oscars für die Academy zurückgekauft.

Die echten Exemplare werden selten ausgestellt. Die Öffentlichkeit bekommt normalerweise nur Fälschungen zu Gesicht, die die AMPAS vorher aus dem Verkehr gezogen hat.

Ein beliebtes Geschenk


Ausstellen kommt für den Zauberkünstler David Copperfield nicht infrage. Er hat dem Filmpreis für "Casablanca" (1943), den er im Jahr 2003 für 232.000 Dollar gekauft hat, in seinem Schlafzimmer einen Ehrenplatz eingerichtet. Der Oscar solle immer dort stehen, wo er am meisten Gutes tue, sagt Copperfield und scherzt: In seinem Fall motiviere ihn der Oscar zu besseren Leistungen.

Einige Preisträger gehen anders mit der Ehre um - sie teilen. Jamie Foxx etwa gab seinen Oscar, den er 2004 für die Rolle in "Ray" bekommen hatte, an seinen Manager weiter. Tilda Swinton, 2008 mit dem Film "Michael Clayton" ausgezeichnet, schenkte den ihrigen ihrem Agenten. Wieder andere überlassen ihn ihrer Familie wie etwa Jimmy Stewart (1941 für "The Philadelphia Story"). Dessen Oscar stand 25 Jahre in der väterlichen Eisenwarenhandlung.

Marlon Brando benutzte ihn dagegen als politisches Statement: Er verweigerte es 1972, den Preis für seine Rolle in "The Godfather" anzunehmen. Er protestierte damit gegen die Art, wie Hollywood eingeborene Indianer porträtierte. Seinen ersten Oscar aus dem Jahr 1954 für den Film "On the Waterfront" hatte er als Türpuffer benutzt - bis er ihm gestohlen wurde.
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