Hommage an die Schwäbische Alb Ruhe und Kraft

Adrian Zielcke, 22.04.2013 12:54 Uhr

Münsingen - Ja, ich liebe die Schwäbische Alb. Natürlich liebe ich auch Stuttgart. Beides gehört zusammen: das Weltstädtle am Neckar einerseits und andererseits die Berge, die Wälder, die Wiesen, die Leute und die Tiere der Alb. Deshalb habe ich erst über Stuttgart geschrieben, deshalb schreibe ich jetzt über die Schwäbische Alb. Es gibt ja nichts Schöneres, als Liebeserklärungen zu verfassen.

Zum Schreiben braucht man Ruhe und Kraft. Die Möglichkeit, zu sich selbst zu finden, sich von den Hysterien des Alltags zu befreien, kann man nirgends schöner als auf der Alb gewinnen. Das ist meine Erfahrung aus vielen Jahren als Journalist.

Springen wir mitten hinein: Die Alb ist bunt, die Alb ist lebendig, die Alb ist fruchtbar. Die Älbler sind pfiffig, sie haben Ideen, sie sind schöpferisch. Die Schwäbische Alb ist einzigartig, ihre Menschen sind es auch. Die ältesten Kunstwerke der Menschheit sind hier ebenso zu Hause wie die kreativsten schwäbischen Köpfe der Gegenwart. Firmen mit Weltruf sind genauso selbstverständlich wie hochbegabte Köche. Blumen in allen Farben auf den Sommerwiesen gehören hierher wie grasende Lämmer sowie natürlich Schlösser und Burgen. Die Apfelblüte am Albtrauf ist ebenso einmalig wie die Menschen, seien sie Schäfer, Naturschützer, Unternehmer, Mönche, Köche.

Eine andere Welt

Wer aus der Stadt kommt und hinauffährt auf die Alb, der erlebt dort eine andere Welt. Obwohl sie so nahe ist. Diese andere Welt vertreibt die Alltagssorgen, sie zieht den Besucher hinein in ihren Bann, in ihre spannende Gegenwart. Nirgendwo sonst in Mitteleuropa sind Natur, Geschichte und Gegenwart eine solch faszinierende Verbindung eingegangen. Nirgends sonst wird die Natur so geachtet, respektiert und gehütet wie auf der Alb. Tiere und Menschen erhalten die Landschaft. Schafe, Ziegen, Büffel, Bienen und Raubvögel helfen dem Menschen, das einmalige Gesicht der Alb zu erhalten.

Mögen alle anderen in den Süden fliegen, sich im Sommer am Strand sonnen: Ich bin zu jeder Jahreszeit auf der Alb, in den Wäldern, in den Thermen, auf den Wiesen, in den Höhlen, in den Dörfern und in den Städten – nicht zu vergessen in den wunderbaren Gasthäusern. Kein anderes Mittelgebirge in Europa bietet eine solche Vielfalt wie die Schwäbische Alb. Ihre Gütesiegel sind drei Unesco-Prädikate: sie ist Unesco-Geopark, sie ist ausgewiesenes Unesco-Biosphärengebiet, und der Limes zählt zum Unesco-Weltkulturerbe.

Mich stören die zähklebrigen Klischees. Die gehen so: die Alb ist karg, die Alb ist rau, die Alb ist kalt. Die Älbler sind eigen, soll heißen: sie sind von gestern. Auf Deutsch: sie ticken nicht ganz richtig. Alle diese Klischees sind leider tausendmal aufgeschrieben und von Generation zu Generation weitergegeben worden. So lange, bis viele Bewohner der Alb selbst wie auch viele Besucher diese Klischees geglaubt haben. Solche negativen Beschreibungen haben sich festgefressen, obwohl sie mit der Wirklichkeit kaum etwas zu tun haben.

Denn jeder, der sich wie ich auf den Weg über die Alb aufmacht, erlebt wunderschöne Landschaften und Menschen, die sich im Herzen einprägen. Die Alb öffnet sich dem Fremden so selbstverständlich, dass er immer wieder hierherkommt und sein Blick immer weiter wird.