Homosexualität am Vaihinger Campus in Stuttgart Zwischen Toleranz und Akzeptanz

Von Rebecca Beiter 

In der studentischen Gruppe Rainbow Café sind alle Farben der Sexualität willkommen. Der Gründer Philipp Lang berichtet von seinen Erfahrungen.

In der studentischen Gruppe Rainbow Café sind alle Farben der Sexualität willkommen. Foto: Rebecca Beiter
In der studentischen Gruppe Rainbow Café sind alle Farben der Sexualität willkommen.Foto: Rebecca Beiter

Vaihingen - Hetero? Das ist doch nur ne Phase! Das meinen zumindest einige Studenten der Hochschule der Medien. Mit diesem Spruch werben sie auf Plakaten am schwarzen Brett für die Initiative Rainbow Café. Das ist kein Café mit Tischen und Stühlen, sondern der Name einer Hochschulgruppe für homosexuelle Studenten. Sie treffen sich zweimal im Monat und sind Anlaufstelle für Lesben, Schwule, Bi- und Transsexuelle.

Noch keine Normalität

Philipp Lang ist der Gründer des Rainbow Cafés. Foto: Rebecca Beiter

Philipp Lang gründete die Gruppe im Oktober 2014. Der 26-jährige studiert Audiovisuelle Medien. Er ist schwul und geht damit offen um. Sein Wunsch ist es, in einer Gesellschaft zu leben, in der Homosexualität normal ist. „Am Vaihinger Campus oder in der Stadt ist es noch immer ein besonderes Ereignis, wenn zwei Männer oder zwei Frauen Händchen. Passanten schauen hin, deuten auf einen“, sagt Lang.

Er möchte nicht klagen. Die Toleranz habe sich hier vor Ort und in Deutschland allgemein deutlich verbessert, so Langs Erfahrung. Niemand beschimpfe ihn oder behandle ihn verächtlich. „Aber es gibt einen Unterschied zwischen Toleranz und Akzeptanz. So lange Homosexualität in Vaihingen etwas Ungewohntes oder Seltsames ist, ist es in der Gesellschaft zwar toleriert, aber noch nicht akzeptiert“, sagt Lang.

Zwei Gruppen engagieren sich vor Ort

Am Vaihinger Campus helfen zwei Initiativen, die Akzeptanz aller sexuellen Orientierungen im Universitätsbereich zu fördern. An der Universität Stuttgart gibt es die Gruppe „quer! – SchwuLesBische Studenten“. Dort treffen sich seit 2011 zweimal im Monat junge Menschen und reden, grillen oder machen zusammen Ausflüge.

Lang hat die Gruppe zu Beginn seines Studiums besucht: „Ich dachte mir, das braucht die Hochschule der Medien auch.“

Gemeinsam mit einem Kommilitonen und der Verfassten Studierendenschaft (VS) gründete er im Oktober 2014 das Rainbow Café. Er traf auf breiten Zuspruch, aber auch auf wenige Kritiker: „Einer kritisierte, dann könne ja jede Minderheit eine eigene Gruppe gründen, das brauche niemand. Ich sagte: doch, wir brauchen das Rainbow Café.“ In den anderthalb Jahren seit der Initiativgründung sei jede Kritik verstummt.

Das Rainbow Café – eine Anlaufstelle für Homosexuelle

Der Name Rainbow Café bezieht sich nicht auf einen Ort, sondern auf das Ziel der Gruppe. Sie möchte Schwulen und Lesben einen Ort zum Reden geben, wie in einem Café. Die Gruppe trifft sich zweimal im Monat. Zu den Treffen kommen meist rund zehn Studenten. Lang sagt klar, die Initiative sei kein Gesprächskreis oder gar eine Selbsthilfegruppe: „Wir möchten einfach gemeinsam Spaß haben und gehen auch mal zusammen ins Kino. Homosexualität kann bei unseren Treffen ein Thema sein, muss es aber nicht.“

Die Studentenvertretung der Hochschule der Medien unterstützt das Rainbow Café mit 400 Euro pro Semester. Die Initiative finanziert damit ihre Werbemaßnahmen. Dazu gehören zum Beispiel die Plakate am schwarzen Brett oder Werbeartikel. „Für die Erstsemester-Einführung hat sich das Rainbow Café etwas Lustiges ausgedacht“, sagt Lang und holt aus dem VS-Büro flache, quadratische Päckchen. Es sind Kondome, auf die das Logo des Rainbow Cafés gedruckt ist, zusammen mit dem Spruch „Komm gut ins neue Semester!“. Der Student erklärt: „Auch die Erstsemester sollen wissen: Die eigene Sexualität ist kein Thema , das an der Hochschule verschwiegen werden muss.“

Akzeptanz auf Hochschulebene

Die Akzeptanz für Homosexualität im Hochschulbereich steige, sagt Lang. Ein Beispiel dafür ist die Gleichstellungskommission, die laut der Hochschule der Medien seit November 2015 tagt. Philipp Lang ist Mitglied der Kommission. Er vertritt dadurch die Interessen von Homosexuellen auf Hochschulebene.

Ein weiteres Beispiel sind die Queer Media Days, welche die Studentenvertretung vom 9. bis 13. Mai veranstaltet. Verschiedene Vorträge und Veranstaltungen widmen sich dem Thema, wie Homo-, Trans- oder Bisexuelle in den Medien dargestellt werden. Lang möchte im Namen des Rainbow Cafés einen öffentlichen Vortrag organisieren. „Mein Ziel ist Aufklärung“, so Lang. Die Studentenvertretung finanziert das Vorhaben einmalig mit 2600 Euro. Die Hochschule der Medien stellt für die Queer Media Days Räume bereit. Den konkreten Veranstaltungsplan arbeiten die Studenten aktuell noch aus.

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1 KommentarKommentar schreiben

„Sein ...: Wunsch ist es, in einer Gesellschaft zu leben, in der Homosexualität normal ist.“ 1. Es ist bereits normal. „Mein Ziel ist Aufklärung“ 2. Worüber ? Ich persönlich finde Homosexualität nicht normal und es sollte auch normal sein und ich muss auch nicht jeden meine sexuelle Neigung auf dem Silbertablett servieren. Hallohallo - ich bin anders und will bewundert werden.

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