Hotel Silber
Stuttgarts braunes Erbe
Thomas Borgmann,
10.04.2010 10:36 Uhr
Das ehemalige Hotel Silber an der Stuttgarter Dorotheenstraße, während der Nazizeit war hier die berüchtigte Gestapo-Zentrale. Heute wird das Gebäude vom Inenministerium genutzt. Foto: Zweygarth
Stuttgart - Der Nobelpreisträger Günter Grass hat den Aufruf gerne unterzeichnet, auch der populäre Schauspieler Walter Sittler, Andreas Nachama von der Topografie des Terrors in Berlin, dazu Edzard Reuter, der ehemalige Daimler-Benz-Chef, und die Sozialdemokratin Herta Däubler-Gmelin, die als Justizministerin zurücktreten musste, nachdem sie George W. Bush mit Adolf Hitler verglichen hatte. Dreitausend politisch denkende, geschichtsbewusste Leute aus der ganzen Republik sind sich einig: Das ehemalige Hotel Silber an der Stuttgarter Dorotheenstraße, während der Nazizeit die berüchtigte Gestapo-Zentrale, darf nicht abgerissen werden, vielmehr sollen Stadt und Land darin ein NS-Dokumentationszentrum einrichten. Damit würde Versäumtes endlich nachgeholt werden: die gründliche Erforschung und Vermittlung der Unsäglichkeiten, die sich während des Dritten Reiches in Stuttgart und Württemberg ereignet haben.
Doch der Abriss des Gebäudes, in dem die Nazis ihre politischen Gegner, Juden, Christen, Sinti und Roma drangsaliert und gedemütigt, gefoltert und ermordet haben - er ist so gut wie beschlossen. Seit Monaten tobt der Streit, das Hotel Silber ist zum Synonym geworden für die deutsche Gewissensfrage schlechthin: Wie hältst Du es mit dem Dritten Reich? Wer den Abbruch befürwortet, um einer vernünftigen städtebaulichen Neuordnung eine Chance zu bieten, der gerät in den Verdacht, letztlich unter das "Tausendjährige Reich" einen Schlussstrich ziehen zu wollen. Wer für den Erhalt des vom Innenministerium genutzten Bürohauses plädiere, stelle sich, so heißt es umgekehrt, der Verantwortung für die braune Vergangenheit. Für Zwischentöne, für Nachdenklichkeit und Kompromisse ist in dieser Debatte kein Platz.
Seit 1945, seit dem Wiederaufbau des teilweise zerstörten Hotels Silber, hat es nur wenige Stimmen gegeben, die daraus ein Erinnerungszentrum machen wollten. Jetzt, da der Abriss droht, werden Stadt und Land kritisiert, weil sie nur den einstigen Gestapo-Keller als Gedenkstätte erhalten und darüber einen Raum zur Information der Besucher einrichten wollen. Das Land sagt, Stuttgart müsse sich um seine NS-Geschichte selbst kümmern; die Stadt verweist darauf, das Gebäude gehöre der Landesstiftung. Politisch erinnern alle diese Argumente auffällig an den Streit über Stuttgart 21: Diejenigen, die das Projekt als vernünftig erachten, überlassen ihren Gegnern die öffentliche Meinungsführerschaft.
Der Zusammenhang erscheint auf den ersten Blick als abwegig - er ist es aber nicht. In der Initiative Gedenkort Hotel Silber, hinter der 16 Gruppen und Vereine stehen, geben die Gegner von Stuttgart 21 den Ton an. Der große Streit über das Bahn-Projekt hat den Disput über das Hotel Silber befeuert. In beiden Fällen geht es um Stadtpolitik. Im Stuttgarter Gemeinderat hat jetzt eine linke Mehrheit das Sagen, und die nächste Landtagswahl ist nicht mehr weit. Mit Schwarz-Weiß-Denken lassen sich die Emotionen der Wähler wecken. Doch der Versuch, das braune Erbe in der Tagespolitik zu instrumentalisieren, ist bedenklich.
Die Vorhaltung, in Stuttgart werde das Dritte Reich verdrängt, ist ungerecht - als gäbe es kein Haus der Geschichte, keine Pläne für ein Stadtmuseum im Wilhelmspalais, keine Mahnmale, die an vielen historischen Orten auf die Gräueltaten und ihre Opfer aufmerksam machen. Darauf verweisen jetzt die Grünen im Gemeinderat mit Bedacht. Sie werden, wenn es demnächst um das Baurecht am Karlsplatz geht, mit dem konservativen Flügel dafür stimmen, dass das Hotel Silber abgerissen und der preisgekrönte Entwurf des international renommierten Stuttgarter Architekten Stefan Behnisch verwirklicht wird. Das Dritte Reich aber, die Schandtaten der Nazis, bleiben auf der Tagesordnung. Einen Schlussstrich darunter wird es nicht geben, auch nicht am Stuttgarter Karlsplatz.
Doch der Abriss des Gebäudes, in dem die Nazis ihre politischen Gegner, Juden, Christen, Sinti und Roma drangsaliert und gedemütigt, gefoltert und ermordet haben - er ist so gut wie beschlossen. Seit Monaten tobt der Streit, das Hotel Silber ist zum Synonym geworden für die deutsche Gewissensfrage schlechthin: Wie hältst Du es mit dem Dritten Reich? Wer den Abbruch befürwortet, um einer vernünftigen städtebaulichen Neuordnung eine Chance zu bieten, der gerät in den Verdacht, letztlich unter das "Tausendjährige Reich" einen Schlussstrich ziehen zu wollen. Wer für den Erhalt des vom Innenministerium genutzten Bürohauses plädiere, stelle sich, so heißt es umgekehrt, der Verantwortung für die braune Vergangenheit. Für Zwischentöne, für Nachdenklichkeit und Kompromisse ist in dieser Debatte kein Platz.
Schwarz-Weiß-Denken weckt Emotionen der Wähler
Seit 1945, seit dem Wiederaufbau des teilweise zerstörten Hotels Silber, hat es nur wenige Stimmen gegeben, die daraus ein Erinnerungszentrum machen wollten. Jetzt, da der Abriss droht, werden Stadt und Land kritisiert, weil sie nur den einstigen Gestapo-Keller als Gedenkstätte erhalten und darüber einen Raum zur Information der Besucher einrichten wollen. Das Land sagt, Stuttgart müsse sich um seine NS-Geschichte selbst kümmern; die Stadt verweist darauf, das Gebäude gehöre der Landesstiftung. Politisch erinnern alle diese Argumente auffällig an den Streit über Stuttgart 21: Diejenigen, die das Projekt als vernünftig erachten, überlassen ihren Gegnern die öffentliche Meinungsführerschaft.
Der Zusammenhang erscheint auf den ersten Blick als abwegig - er ist es aber nicht. In der Initiative Gedenkort Hotel Silber, hinter der 16 Gruppen und Vereine stehen, geben die Gegner von Stuttgart 21 den Ton an. Der große Streit über das Bahn-Projekt hat den Disput über das Hotel Silber befeuert. In beiden Fällen geht es um Stadtpolitik. Im Stuttgarter Gemeinderat hat jetzt eine linke Mehrheit das Sagen, und die nächste Landtagswahl ist nicht mehr weit. Mit Schwarz-Weiß-Denken lassen sich die Emotionen der Wähler wecken. Doch der Versuch, das braune Erbe in der Tagespolitik zu instrumentalisieren, ist bedenklich.
Die Vorhaltung, in Stuttgart werde das Dritte Reich verdrängt, ist ungerecht - als gäbe es kein Haus der Geschichte, keine Pläne für ein Stadtmuseum im Wilhelmspalais, keine Mahnmale, die an vielen historischen Orten auf die Gräueltaten und ihre Opfer aufmerksam machen. Darauf verweisen jetzt die Grünen im Gemeinderat mit Bedacht. Sie werden, wenn es demnächst um das Baurecht am Karlsplatz geht, mit dem konservativen Flügel dafür stimmen, dass das Hotel Silber abgerissen und der preisgekrönte Entwurf des international renommierten Stuttgarter Architekten Stefan Behnisch verwirklicht wird. Das Dritte Reich aber, die Schandtaten der Nazis, bleiben auf der Tagesordnung. Einen Schlussstrich darunter wird es nicht geben, auch nicht am Stuttgarter Karlsplatz.
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Am Ende wird abgerechnet und die Kirtche ist nicht aus s0lange die Orgel noch spielt
@Eingebürgerter Schwabe. Sie werden sich vergucken. am Ende des Wahltags wird abgerechnet. Und eines kann ich ihnen heute schon garantieren. Wir werden der CDU/FDP hier in Stuttgart einen Wahlkampf liefern, der sich gewaschen hat. Am Wahlsonntagabend hat die CDU alle 4 Stuttgarter Wahlkreisee verloren. Das verspreche ich ihnen heute schon. Ich gehöre keiner Partei an, aber diese Lügenbolde dürfen diese Stadt nicht mehr im Landtag vertreten. Wir sind jetzt schon mitten in den Vorbereitungen. Und auch ein Herr Mappus und ein Herr Goll müssen um Posten fürchten. Wir haben jede Menge Leichen in Ihren Kellern gefunden. Die werden wir aufbewahren und zum passenden Zeitpunkt veröffentlichen. Warten Sie es ab. Viel Spass im Wahlkampf. Und noch was. Die CDU braucht keinen Kandidaten für den nächsten OB Wahlkampf stellen. Er oder Sie würde mit Sicherheit nicht gewählt. Weil die Menschen in dieser Stadt, haben von dem Lügenpack das nicht nur lügt, sondern auch hochgradig korrupt ist, die Schnauze voll Oben bleiben Adebar
Geschichtsentsorgung
@ Philipp 1967 beschloss der Gemeinderat der Stadt Stuttgart als Platz für das 1970 aufgestellte Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus den Platz an der Planie gerade wegen der Nähe zum Hotel Silber. Bereits 1979 gab es von Jusos in der SPD einen offenen Brief an den Gemeinderat und die Stadtverwaltung von Stuttgart. Schon damals sollte das Gebäude abgerissen werden um einem Neubau für die Polizei Platz zu machen. Es wurde deshalb auf die historische Bedeutung des Gebäudes hingewiesen und sein Erhalt und Nutzung als Gedenkstätte gefordert. Auch in den Folgejahren war dieses Gebäude immer wieder immer wieder im Gespräch, Ziel von Führungen oder gar Lesungen, so 1991 die "Todesfuge". Es gibt eine Gedenktafel, jedoch ist sie versteckt im Foyer des Gebäudes angebracht. Das Hotel Silber war z.B. für Eugen Bolz, Kurt Schumacher, Lina Haag und Lilo Hermann der Beginn ihres Leidensweges. Ganz zu schweigen von ungezählten Menschen aus den verschiedensten Opfergruppen deren Schicksal bis heute noch nicht erforscht und aufgearbeitet ist. @maschmi Es geht nicht darum nur eine weitere Gedenkstätte an eine dunkle Zeit zu etablieren. Es geht hier um ein Gebäude das noch im Stadtbild existiert, eine sehr wechselvolle Geschichte hat (Hotel, ADAC-Gründungsort, Generaldirektion der Reichspost, Sitz der Kriminalpolizei und später Gestapo, nach dem Krieg wieder Polizeidirektion und später Sitz von Ministerien) und daher eine lange Geschichte der Stadt Stuttgart zu erzählen hat. Die demokratische Welt von heute ist nicht selbstverständlich. Deshalb ist angedacht neben dem Gedenk- auch einen Lernort einzurichten. Und dies ist der Brückenschlag vom Gestern zum Morgen. Heute gilt es die vielen noch nicht erforschten Kapitel der NS-Geschichte aufzuarbeiten und aufzuzeigen wie eine Demokratie ausgehöhlt und zerstört wurde. Und dies begann schon lange vor 1933. Gerade die junge Generation interessiert sich für dieses in vielen Familien immer noch mit einem Tabu versehenen Thema. Zentren wie in Köln oder künftig in München zeigen, dass die Politik dort dem Thema aufgeschlossen gegenübersteht und die Zeichen der Zeit erkannt hat.
Vernichtungslager SILBER ????
Manchmal könnte man, wenn man die "Gegner" so hört, fast auf den Gedanken kommen, dass das nicht die Zentrale der Geheimen Staatspolizei war, sondern ein Vernichtungslager oder ähnliches. Nörgler, lasst einfach mal die Kirche im Dorf! Wenn Ihr umbedingt nörgeln wollt, dann macht das zuhause - oder haben Eure Frauen/Männer genug davon, und sind froh, dass ihr was anderes gefunden habt? Aber eines ist eh klar, Leuten wie Herrn Ostertag, seiner Ex-Sekretärin, dem SÖS, und anderen hört inzwischen eh keiner mehr wirklich zu - weil man weis von Anfang an, wenn die "s'maul aufmachet", kommt nur ... raus. Prognose nächste Landtagswahl: In Stuttgart werden die "Gegner-Parteien" abstürzen, auch wenn die Grünen und Linken Landesweit garnicht so schlecht abschneiden werden - Weil: Das Volk hat die ewige Nörglerei Satt!