Humanistische Kita an der Karlshöhe Die Kinder lieben den Kastanienhügel

Von Petra Mostbacher-Dix 

Die humanistische Kindertagesstätte an der Mörikestraße hat ihren Außenbereich neu gestalten können.

Die Kinder haben sich bei der Realisierung des Projekts „Kastanienhügel“ alle mit eingebracht. Foto: Petra Mostbacher-Dix
Die Kinder haben sich bei der Realisierung des Projekts „Kastanienhügel“ alle mit eingebracht.Foto: Petra Mostbacher-Dix

S-Süd - Hallo, bleib mal stehen!“ Frech linsen Kinderaugen durch grün bemalte und naturbelassene Holzlatten. Die Kleinen winken, bevor sie über die Planken rennen, die schiffsähnlich auf verschiedene Ebenen führen. In einer Holzhütte warten Sitze und Tische auf sie – und Fenster mit bestem Blick auf den Garten der Humanistische Kindertagesstätte „Huki“ an der Mörikestraße. „Die Kinder haben den neu gestalteten Außenbereich voll in Besitz genommen“, sagt Susanne Winkler, die Leiterin der Huki. Mitte November ist diese eingeweiht worden. Finanzielle Unterstützung hat die Kita von einigen Unternehmen aus der Region erhalten, zum Beispiel von der BW Bank. Im Januar sind die Humanisten in den Bezirksbeirat eingeladen, um ihr Gartenprojekt vorzustellen. „Solche Bewegungsinseln sind wichtig für Kinder“, sagt Winkler.

Davor war der Garten lange Zeit nur ein Erdhügel

Die Ganztageseinrichtung für 25 Kinder von 0 bis 6 Jahren hat neben Musikpädagogik sowie kreativer und ästhetischer Erziehung auch einen Schwerpunkt in Bewegungserziehung. „Kinder brauchen Raum, drinnen wie draußen, daher geben wir Rhybe-Stunden“, beschreibt Winkler. „Das heißt Rhythmus und Bewegung. Unsere Kinder gehen das ganze Jahr über jeden Tag raus.“ Doch dort stets neue Herausforderungen zu schaffen, sei zunehmend schwieriger geworden. So habe sich der Garten der Kita, die im September 2013 in einer denkmalgeschützten Villa eröffnet wurde, von einem zunächst „immer grünen Kastanienhügel“ zu einem Erdhügel verwandelt. „Unser Landschaftsarchitekt Thies Boje erklärte, dass nichts auf Dauer so heftig alles flach trampele wie kleine Kinderfüße“, sagt die Betriebswirtin im Fachbereich Sozialwesen schmunzelnd.

Also habe der Vorstand Anfang 2016 beschlossen, den Außenbereich neu zu gestalten – nachhaltig und ökologisch. Die Kosten, ein fünfstelliger Betrag, stellten ein „strammes Projekt“ dar, das die Humanisten Baden-Württemberg schultern mussten. „Also suchten wir Unterstützer“, sagt Winkler. „Mit der Geschäftsführung und den Elternbeiräten haben wir Spendenanträge organisiert.“ Gemeinsam mit den Kindern seien sie dann zur Post gezogen, jedes Kind habe einen Brief frankiert und abgegeben. „Sie waren Feuer und Flamme, das hat die Identifikation mit dem Gartenprojekt ‚Kastanienhügel’ gestärkt.“

Wie sehr, das zeigt eine Präsentation in der Kita, die den Vorher-Nachher-Zustand des Gartens dokumentiert. Die Fotos zeigen: Wo kein Gräslein mehr wuchs, toben nun Kinder über Rampen, sitzen auf Treppenstufen oder spielen begeistert in der Holzhütte. „Ein sehr schönes, außergewöhnliches Projekt“, lobt Arik Platzek vom Bundesverband der Humanisten und Chefredakteur deren Magazins Diesseits. „Es regt die Fantasie der Kinder an, bietet ihnen geistige Freiräume. Selbstbestimmung ist uns wichtig.“ In Kitas müsse es auch darum gehen, menschliche Werte wie Selbstständigkeit, Toleranz und soziales Handeln unabhängig von der sozialen, ethischen und religiösen Herkunft zu vermitteln. Es gehe eben nicht allein um die Betreuung der Kinder, sondern auch um deren Bildung im humanistischen Sinne.

Die Stuttgarter Kita ist die erste humanistisch geprägte in Baden-Württemberg

Im Norden Deutschlands gibt es schon einige humanistische Kitas; die in Stuttgart die erste in Baden-Württemberg. Bis sie genehmigt wurde, mussten sich die Humanisten fast sieben Jahre mit Baurechts- und Denkmalamt auseinandersetzen. „Ein Leuchtturmprojekt“, nennt Platzek die Stuttgarter Einrichtung. Der Bedarf ist groß: Die Warteliste der Huki ist voll. „Jeden Tag kommen zwei Anmeldungen“, sagt der Geschäftsführer Henschel und betont, dass die Humanisten im Land als Träger gerne Verantwortung für weitere Kitas übernehmen würden. Das Problem sei, geeignete Immobilien zu finden und zeitnah die amtliche Genehmigung zu bekommen. „Das geht oft auseinander.“

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