Humor in der Wissenschaft Für besseren Sex und weniger Kaffeeflecken

Von Eva Wolfangel 

Auf einer Konferenz im englischen Manchester fragen sich Forscher, ob sie mit Humor mehr Aufmerksamkeit bekommen. Die Antwort fällt überraschend eindeutig aus.

Humor ist, wenn man trotzdem lacht – auch wenn man mal angepinkelt wird. Foto:  
Humor ist, wenn man trotzdem lacht – auch wenn man mal angepinkelt wird.Foto:  

Manchester - Andre Geim hat einen Frosch in einem sehr starken Magnetfeld fliegen lassen. Und er wurde mit dem Physiknobelpreis ausgezeichnet. Allerdings für eine andere Geschichte: seine Forschungen über Graphen – ein hochfestes Hightech-Material, das nur aus einer Lage von Kohlenstoffatomen besteht. Preisfrage: Wofür hat der Forscher der Universität Manchester mehr öffentliche Aufmerksamkeit bekommen?

Genau: für den Frosch. Für diese Forschung erhielt er den Ig-Nobelpreis, wobei „ig“ für Ignoble (englisch unwürdig) steht, ein Wortspiel, das nicht ganz so gemeint ist, wie es klingt: „Wir zeichnen Forschungen aus, die Menschen erst zum Lachen bringen und dann zum Nachdenken“, sagt Marc Abrahams von der Harvard-University in Cambridge (USA), der Gründer jenes „Anti-Nobelpreises“, wie ihn viele aus seiner Sicht zu Unrecht bezeichnen. Schließlich ist dieses Nachdenken ein wesentlicher Bestandteil seiner Bestrebungen, wie Abrahams auf dem Euro Science Open Forum in Manchester erklärt. Auf der Wissenschaftskonferenz hat er Mitstreiter um sich gesammelt – Forscher, die hoffen, die Öffentlichkeit möge ihnen Aufmerksamkeit schenken, wenn sie die Sache mit Humor angingen.

Die Geschichte vom Frosch läuft überragend

Beispielsweise Nobelpreisträger Andre Geim, der Glück hat, weil er mit Humor gesegnet ist. Denn auch da ist man sich einig: Humor kann keiner vom Zaun brechen. „Ich sage meinen Studenten immer: Wenn du dazu verdammt bist, langweilig zu sein, dann mach es kurz“, sagt er grinsend. Inwiefern das Frosch-Experiment die Menschheit vorantreibt, ist fraglich. Dennoch, so hofft er, beginnen die Menschen über Physik nachzudenken – und interessieren sich vielleicht auch ein klein wenig für seine Graphen-Forschung. „Auf den großen Konferenzen werde ich seither immer wieder von Fremden begrüßt mit Worten wie „Hi, ich kenn dich, du bist der mit dem Frosch.“ Er zitiert aus Briefen von Einrichtungen, die wissen wollten, ob man das Magnetfeld unter dem Boden verstecken und auch Menschen fliegen lassen könne – und was das koste. „Jahrelang hat das Thema die Schlagzeilen beherrscht“, sagt er.

Physiker-Kollegen von Geim haben erforscht, wieso Kaffee beim Gehen aus der Tasse schwappt und österreichische Biologen wollten wissen, ob es möglich ist, in 30 Jahren 888 Kinder zu zeugen – wie es Sultan Moulay Ismael getan haben soll: die Beispiele ausgezeichneter Projekte, die Abrahams in Manchester vorstellt, ziehen viele Lacher nach sich. 1995 habe er gar die britische Regierung gegen sich aufgebracht, sie verbat sich, Forscher aus dem Vereinigten Königreich auszuzeichnen.

Die Briten sind ein lustiges Völkchen

Natürlich hat er sich nicht daran gehalten, schließlich seien die Briten ein ganz besonderes Völkchen: In den 26 Jahren des Bestehens des Ig-Nobelpreises bekam er von dort die meisten lustigen Vorschläge. Der einzige Konkurrent: Japan. Welche Länder am wenigsten lustige Forschung machen, möchte Abrahams nicht verraten. „Das ist doch eine traurige Sache.“

Im Zwiegespräch verrät die österreichische Biologin Elisabeth Oberzaucher, dass sie keine Ahnung gehabt habe, dass ihre Forschung lustig sein könne – bis jener Anruf des Ig-Nobelpreis-Komitees kam. „Seither gebe ich Interviews nahezu ohne Unterbrechung.“ Bis dahin hatten sich nur wenige für ihre Forschung interessiert. Dabei ist sie relevant, nicht nur für Moulay Ismael, seine 888 Kinder und deren Nachfahren, die sich jetzt fragen, ob ihr Urururahne tatsächlich 32 Jahre lang jeden Tag Sex hatte. „Sogar in unseren Lehrbüchern steht: Frauen haben eine begrenzte Reproduktionsfähigkeit, Männer eine unbegrenzte“, sagt sie, „ dabei stimmt das nicht.“

Für andere wissenschaftliche Probleme gibt es wesentlich weniger aufwendige Lösungen. Schwappende Kaffeebecher beispielsweise könne man eventuell mit Rillen an ihrem Inneren am Schwappen hindern, mutmaßte der Kaffeestudienleiter. Probiert hat er es nicht. Ihm ist noch eine einfachere Lösung eingefallen: Deckel drauf.