Hundeköder in Baden-Württemberg Giftattacken auf Hunde nehmen zu

Von SIR/dpa 

Immer wieder verenden Hunde elendig an Giftködern, die unbekannte Tierhasser auslegen. Erst Anfang Juni gab es einen Fall im Kreis Ludwigsburg. Und auch landesweit häufen sich derartige Meldungen. Die Polizei ist weitgehend machtlos.

Immer wieder versuchen Hundehasser unseren vierbeinigen Freunden mit Ködern zu schaden. Foto: dpa
Immer wieder versuchen Hundehasser unseren vierbeinigen Freunden mit Ködern zu schaden.Foto: dpa

Stuttgart - Es ist ein Alptraum für jeden Hundehalter: Köder am Spazierweg, die mit Gift oder spitzen Gegenständen versehen sind. In Baden-Württemberg mehren sich die Meldungen über verletzte oder getötete Tiere beziehungsweise über Köderfunde.

Giftköder-Fälle in Baden-Württemberg

„Wir haben ganz klar den Eindruck, dass die Zahl der Fälle zunimmt“, sagt die Landestierschutzbeauftragte Cornelie Jäger. „Man kann durchaus von einer Art Eskalation sprechen - und von einer ganz neuen Qualität, Tieren absichtlich schweren Schaden zuzufügen.“ Frisst ein Hund Gift, kann es unter anderem zu inneren Blutungen oder Organschäden kommen. In den schlimmsten Fällen stirbt das Tier elendig.

Zahlen deutlich höher

Die Zahl der Anzeigen wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz mittels Vergiftung war in den ersten Monaten 2015 deutlich höher als im Vorjahreszeitraum (2014: sechs Fälle). Zahlen für 2015 nennt der zuständige LKA-Sprecher aber noch nicht. In den vergangenen fünf Jahren registrierte die baden-württembergische Polizei zwischen 26 und 32 Fälle jährlich.

Dass das ungute Gefühl vieler Hundehalter nicht von ungefähr kommt, bestätigen auch Herbert Lawo, der Vorsitzende des Landestierschutzverbandes, und Ingrid Gruihn vom Landesverband für Hundewesen. Über die Motive können alle nur spekulieren: Hundehass, Angst vor den Tieren, Ärger über deren Hinterlassenschaften, Lust am Quälen, psychische Störungen.

"Eine riesige Schweinerei"

„Wir wissen ja, dass es nicht nur Hundefreunde gibt. Und ich verstehe auch, dass es zu Unmut führt, wenn Hundehalter die Hinterlassenschaften ihrer Tiere nicht wegmachen. Aber präparierte Köder sind eine riesige Schweinerei“, empört sich Gruihn. „Und die Polizei ist dabei genauso machtlos wie wir.“

Für Straftaten, bei denen Täter gegen das Tierschutzgesetz verstoßen, sieht das Gesetz zwar eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe vor. Die Aufklärungsquote bei den Vergiftungsfällen lag laut LKA aber regelmäßig unter zehn Prozent. „Frisst ein Hund den Köder, ist das Beweismittel natürlich weg“, bedauert der Sprecher. Auf einsamen Strecken gebe es kaum Zeugen, die Beobachtungen meldeten. Cornelie Jäger weiß: „Die Materialien für solche Köder gibt es überall. Und die typischen Spazierstrecken sind viel belaufen - dort nachher noch Spuren zu sichern, ist wohl nahezu unmöglich.“

Peta fordert Melderegister

So bleibt ihnen allen nur der Appell an Hundehalter, umsichtig zu sein, ohne in Panik zu verfallen: die Tiere so zu erziehen, dass sie möglichst nichts fressen, das herumliegt. „Das lernen Halter zum Beispiel in guten Hundeschulen“, sagt Herbert Lawo vom Tierschutzverband. Er findet es wichtig, die Öffentlichkeit zu informieren und Anzeige zu erstatten. Da die Fälle sich zuletzt auch bundesweit häuften, forderte die Tierrechtsorganisation Peta ein zentrales Melderegister für „Anschläge auf Hunde“.

Ein Ziel der Täter könnte es sein, dass Besitzer ihre Hunde anleinen, mutmaßt Cornelie Jäger. „Für die Tiere ist es allerdings nicht schön, wenn sie aus Angst des Halters nur noch angeleint laufen dürfen.“ Auch Maulkörbe schränkten Hunde sehr ein, gibt Herbert Lawo zu bedenken. Ingrid Gruihn appelliert auch an das Verantwortungsbewusstsein der Hundebesitzer: „Denn Hass wird sicherlich auch geschürt, wenn Halter die Hinterlassenschaften ihrer Tiere nicht wegräumen.“ Sie glaubt zwar nicht, dass die Tierfreunde solche Vorfälle damit verhindern können. Aber sie hofft zumindest auf mehr Verständnis für Hunde.