| Zeitungsgruppe Stuttgart |Sonntag, 12. Februar 2012
Stuttgart
Artikel weiterempfehlen

Hundesteuer in Stuttgart Rathaus plant Kontrollaktion

Thomas Borgmann, vom 25.02.2010 11:51 Uhr
Widerstand ist zwecklos: Auch dieser niedliche Labrador ist hundesteuerpflichtig. Foto: dpa
Widerstand ist zwecklos: Auch dieser niedliche Labrador ist hundesteuerpflichtig. Foto: dpa
Stuttgart - Wer in Stuttgart einen Hund besitzt, der muss im Laufe dieses Jahres mit einem neugierigen Besucher an der Wohnungstür rechnen. Die Stadtverwaltung plant eine aufwendige Kontrollaktion, wie es sie in der Landeshauptstadt noch nie gegeben hat. Nach dem Vorbild anderer Städte soll eine private Firma gefunden werden, die sämtliche Haushalte aufsucht und nachfragt, wo Hunde gehalten werden. Für die Aktion liegen bis zu 300.000 Euro bereit. Ihr Ziel ist, die Einnahmen aus der Hundesteuer pro Jahr um 300.000 Euro zu erhöhen.

"Tagesordnungspunkt: Hundebestandsaufnahme"


Als im Finanzausschuss des Gemeinderats am Mittwoch der Tagesordnungspunkt "Hundebestandsaufnahme im Stadtgebiet" aufgerufen wurde, begann Stadtkämmerer Michael Föll die Debatte mit einem launigen Satz: "Ich fühle mich nicht für jeden Dackel in dieser Stadt verantwortlich." Dann aber kamen die nüchternen Fakten der geplanten Aktion auf den Tisch: 11.550 Hunde sind in Stuttgart amtlich registriert, ihre Halter zahlten im vergangenen Jahr 1,3 Millionen Euro an Steuern in die Stadtkasse. Mit einer Jahresabgabe von 108 Euro für jeden Hund sowie 612 Euro für einen sogenannten Kampfhund und 216 Euro für jeden Zwinger liegt Stuttgart, bundesweit betrachtet, im Mittelfeld.

Allerdings, seit 1997 hat der Gemeinderat die Hundesteuer nicht mehr erhöht - bei den Etatberatungen zum Doppelhaushalt 2010/11 fand sich im Stadtparlament keine Mehrheit dafür, diese Steuer angesichts der schwierigen Finanzlage zu erhöhen. Vielmehr wurde der allgemeine Wunsch geäußert, die Steuerehrlichkeit der Hundehalter zu erhöhen.

Bisherige Aktionen waren kaum erfolgreich


Die jüngste Kontrollaktion in dieser Richtung habe keinen durchschlagenden Erfolg erbracht: 2007 wurden mit einer Postwurfsendung rund 48.000 Haushalte in Bad Cannstatt, Mühlhausen und Münster an die Melde- und die Steuerpflicht für die Vierbeiner erinnert - 75 Hunde wurden neu gemeldet. Eine ähnliche Aktion 2009 bei 54.000 Haushalten in Degerloch, Möhringen und Vaihingen erbrachte lediglich 90 Neuanmeldungen.

Für den Stadtkämmerer Michael Föll bietet die nun geplante, "flächendeckende Hundebestandsaufnahme" immerhin die Chance, "die Einwohner bezüglich der Hundesteuer besser zu informieren, was die Meldemoral sicherlich verbessert", wie es in seiner Beschlussvorlage an den Finanzausschuss heißt. Er schätze die Erfolgsquote der Aktion auf 20 bis 25 Prozent. Das private Unternehmen, das alsbald über eine öffentliche Ausschreibung gefunden werden soll, werde auf Erfolgsbasis bezahlt; es habe allerdings nicht das Recht, bei seinen Rundgängen durch die Stadt die Wohnungen der Bürger zu betreten. Auch erhalte die Firma keinerlei Unterlagen über bereits gemeldete Hunde. Alle acht bis zehn Jahre, so die Idee des Finanzbürgermeisters, könne man eine solche Aktion künftig wiederholen.

Der SPD-Stadtrat Hans Pfeifer meldete am Mittwoch Zweifel an dem Vorhaben der Stadt an: "300.000 Euro sind viel Geld für Leute, die von Tür zu Tür gehen und fragen, ,Haben Sie einen Pinscher?'." Ob das nicht mit städtischem Personal viel billiger zu machen sei? Michael Föll konterte prompt: "Im Zuge der Sparpolitik wurden alle diese Stellen gestrichen."
Weitere Artikel
Kommentare (29)
Kommentarregeln
  • Kommentare anzeigen
Anzeigen
FEB
26
23:54 Uhr, geschrieben von Angelika
Steuer
Die ganze Aufregung um die Maßnahmen zum Eintreiben der Hundesteuer kann ich nicht nachvollziehen. Solange es eine Hundesteuer in der betreffenden Stadt gibt, muss diese auch entrichtet werden. So ähnlich empfinde ich auch beim leidigen Thema der Steuerhinterziehung von Kapitalerträgen. Wie sollen sich Bund, Länder und Gemeinden verhalten, wenn die Bürger ihrer Steuerpflicht nicht nachkommen? Bei jedem Einkauf bezahle ich die entsprechende Steuer und niemand ging aus diesem Grund bislang auf die Barikaden. Wenn man sich über die Hundesteuer auseinandersetzen will, dann eigentlich in ihrer Entstehung. Aus meiner Sicht ist dies eine Luxussteuer. Doch dürfte ihr Aufkommen für die mittlerweile schwer gebeutelten Kommunen im entsprechenden Haushaltsplan eine feste Größe beinhalten. Und letztendlich, seien wir mal ehrlich, kommt auch diese Steuer unseren bedürftigen Hartzlern zugute. Wozu die ganze Aufregung?
FEB
26
13:54 Uhr, geschrieben von Kand.in.Sky
Westerwelle jetzt
Der Staat ist in höchster Not! Mio. illelager Hundehalter leben dekadent auf Kosten anderer in Saus und Braus! Das kann so nicht angehen! Man darf ja noch die Wahrheit sagen! HERR WESTERWELLE, wir brauchen sie! Guido, lass uns nicht allein! #k.
FEB
25
21:50 Uhr, geschrieben von Firstwolf
Hundesteuer
Ich selber bin auch Hundebesitzer und bin es auch Leid beim Entfernen der Hinterlassenschaften meines Hundes in die Tretminen der anderen Hunde rein zu treten. Ach ja, ne nicht entfernte Tretmine kostet in Stuttgart auch schon 240 € wenn man erwischt wird. Viel besser als die Steuer einzutreiben für so viel Geld wäre vielleicht mal sich Gedanken machen über den ganzen Müll und die zerschlagenen Flaschen, die das Gassie gehen mittlerweile zum Spießruten lauf macht, ich selber hatte im letzten Jahr einige Tier ärztliche Behandelung wegen Scherben, in die mein Hund rein getreten ist. Heftig ist das zerschlagene Flaschen und weggeworfener Müll nur 10 € kostet wenn man erwischt wird, mal gut, Scherben sind auch nicht so schlimm wenn ein Kind da rein fasst als Hundekot. *lach* Also, erst mal die Gegebenheiten für Hundebesitzer schaffen bevor man sinnlos Geld für so-was raus wirft.
Kommentar-Seite
vorherige
1  von  10
nächste
 
Anzeige
 

Sie suchen ein neues Zuhause?

Wir haben Sie alle! Mieten oder kaufen, Wohnung oder Haus. In Baden-Württembergs bedeutendstem Immobilienmarkt finden Sie Angebote aus Stuttgart, der Region und dem Rest der Republik.
zur Immobiliensuche
 
StZ digital
Stuttgarter Zeitung digital
Die gedruckten Ausgaben im Originallayout.

 
 
ePress App
Genießen Sie Ihre Stuttgarter Zeitung auch auf dem iPad.
 
 
Abonnement-Prämien
Werben Sie einen Freund als Abonnent der Stuttgarter Zeitung. Für jede Empfehlung erhalten Sie eine Prämie aus unserem Shop.
Abonnement
 
Lieferservice für Stuttgart