Hurrikan Irma wütet in Kuba Opfer zweiter Klasse?

Von Tobias Käufer 

Im Netz ist die Erregung groß: Zu viel Florida, zu wenig Kuba, meinen viele Menschen und werfen den Medien eine Vernachlässigung der sozialistischen Insel vor. Doch die Probleme sind hausgemacht.

Auf der Karibikinsel Kuba sind mindestens zehn Menschen durch Hurrikan „Irma“ ums Leben gekommen – die meisten sind  in der Haupstadt Havanna gestorben, wo manche dicht bewohnte Stadtteile von brusthohem Wasser überflutet wurden. Foto: AFP 44 Bilder
Auf der Karibikinsel Kuba sind mindestens zehn Menschen durch Hurrikan „Irma“ ums Leben gekommen – die meisten sind in der Haupstadt Havanna gestorben, wo manche dicht bewohnte Stadtteile von brusthohem Wasser überflutet wurden. Foto: AFP

Havanna - Die Bilder aus der historischen Altstadt Havannas lassen nichts Gutes erahnen. Fast einen Meter hoch steht das Wasser in den Straßen im Vorzeigestadtteil der aufwendig renovierten kubanischen Metropole. Dazu meterhohe Wellen, die über die berühmte Uferpromenade Malécon schwappten, Wasser weit in die Stadt hinein schwemmten und etliche Straßen in Kanäle verwandelten. Mindestens zehn Menschen hat Hurrikan Irma in Kuba in den Tod gerissen. Allein sieben Menschen seien in der Provinz Havanna ums Leben gekommen, so der Zivilschutz am Montag. In anderen Teilen der Karibik kamen mindestens 24 Menschen ums Leben, als der Hurrikan durchfegte.

Erste Berichte aus dem Norden Kubas sorgen ebenfalls für Erschütterung: Es ist die Rede von großen Zerstörungen, abgedeckten oder gar eingestürzten Häusern. Nach Angaben der Behörden wurde der Flughafen Jardines del Rey zerstört. Außerdem trugen zahlreiche Hotels in den Küstengebieten schwere Schäden davon. Es könnte Monate dauern, bis sich die für die Wirtschaft des Landes so wichtige Tourismusindustrie wieder erholt. Die Deutschlandtochter des weltgrößten Reisekonzerns Tui fliegt rund 600 ihrer Kunden „so schnell wie möglich“ von dort aus. Vor allem rund um Varadero, das wichtigste Touristenzentrum der Insel, habe es teilweise schwere Schäden gegeben, teilte das Krisenzentrum des Konzerns am Montag in Hannover mit. Reisen nach Varadero mit Anreisedatum bis 18. September wurden abgesagt.

Viele Menschen im Netz sorgen sich um Kuba und die Kubaner, doch es gibt auch scharfe Kritik an deutschen und US-Medien. Während Irma die Karibikinsel mit voller Wucht traf und sich über Kuba stundenlang entlud, berichteten viele TV-Sender und Portale vor allem über die Vorbereitungen auf das Eintreffen des „Monstersturms“ im US-Bundesstaat Florida.

Kubas Vorwarnsystem gilt als vorbildlich

„Interessant wie wenig Bilder es aus #Kuba gibt. #Irma wütete dort über einen Tag lang“, kommentierte beispielsweise User „Philipp Kurowski“ auf Twitter, wo auch „Rollo“ klagt: „Einige Sekunden über das arme sozialistische #Kuba, das seine Bevölkerung effektiv schützt. Aber mega Florida. #Irma #heutejournal.“ Der Ärger über die unterschiedliche Wertung ist groß, aber für die zurückhaltende Berichterstattung aus Kuba gibt es auch Gründe. Sie ist auch einer repressiven Politik gegenüber unabhängigen ausländischen Medien geschuldet, die sich trotz Tauwetterpolitik und Abbaus der Handelsbeschränkungen zwischen den USA und Kuba nach wie vor schwertut, eine freie unzensierte Berichterstattung zuzulassen.

Zunächst einmal gilt: Kubas Vorwarn- und Evakuierungssystem gilt in der Region als vorbildlich. Die Menschen werden in der Regel umfassend und seriös informiert, im Gegensatz zu anderen Ländern kommt es auf Kuba kaum zu Todesopfern, auch wenn der Sturm noch so heftig tobt. Kubas Regierung ist nicht ganz zu Unrecht sehr stolz auf seine funktionierende Notfallpolitik. Kritik daran ist auf Kuba ein Tabubruch. Dass das unabhängige Portal „14ymedio“ vor Irma über die leeren Supermärkte berichtete, in denen sich die Kubaner vergeblich auf den Sturm vorbereiten und eine Notfallration anlegen wollen, ist die Ausnahme. Das Portal ist auf Kuba nur mit technischen Tricks zu erreichen. Blogger, die wie in den USA spektakuläre Videos ins Netz stellen, gibt es in Kuba kaum. Der Internetzugang ist nach wie vor unerschwinglich, die öffentlich freien Internetzugänge werden überwacht.

Wütende Kubaner, die ihre Regierung kritisieren

Kubas repressive Medienpolitik hat ihre Gründe. Die sozialistische Regierung überwacht genau, welche Sequenzen die Insel verlassen. Ein freies, unabhängiges Drehen oder Fotografieren ist nicht möglich, damit soll verhindert werden, dass der Unmut der Bevölkerung über den schleppenden Wiederaufbau wie nach den jüngsten Naturkatastrophen ins Ausland dringt. Wütende Kubaner, die ihre Regierung kritisieren, weil es nicht vorwärtsgeht, das sind Bilder, die nur schwer oder gar nicht nach außen zu transportieren sind. Zumal zu solchen öffentlichen Äußerungen auch großer Mut gehört.

Korrespondenten, die nach Kuba einreisen, kennen das oft übliche Prozedere: Fast immer werden Journalisten vorab befragt, welche Themen und Gespräche sie planen. Auch Nichtregierungsorganisationen, in der Regel zuverlässige Informanten in Krisensituationen, unterliegen einer strengen Kontrolle. Das Fazit bleibt: Was es aus Florida zu viel gibt, gibt es aus Kuba zu wenig.

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Titel vielversprechend, Bericht leider typisch deutsche Mainstreampresse: Die Überschrift hat mich dazu bewegt den Artikel zu lesen. Leider wurde in der westlichen Presse hauptsächlich über die Vorbereitungen in Florida auf den wahrscheinlich kommenden Hurrikan Irma berichtet. Die Schäden in der Karibik wurden in Nebensätzen erwähnt. Warum ? Weil es immer so ist... "America first" gibt es nicht erst seit Trump und nicht nur in den Vereinigten Staaten! Jeder Schaden und jedes verlorene Menschenleben, das der Hurrikan Irma verursacht hat, sind erschütternd, egal, ob in der Karibik oder in den Vereinigten Staaten. Leider sind aber die wirtschaftlichen Folgen für Kuba ungleich größer als für die Vereinigten Staaten. Trauriger Weise tragen hierfür die Vereinigten Staaten eine große Mitschuld durch ihre illegale Blockade Kubas. Gleichzeitig tragen alle Länder eine Mitverantwortung, die zwar bei der UN gegen die Blockade stimmen, was bei der letzten Abstimmung alle Länder mit Ausnahme von Israel und den Vereinigten Staaten taten, die sich beide enthielten, aber sich nicht für die Beendigung dieser unfairen und längsten Blockade einsetzen, also explizit auch Deutschland. In Ihrem Artikel werden leider typische Klischees verwendet: "repressive Politik gegenüber unabhängigen ausländischen Medien" ist doch ein tolles Beispiel. Wollen Sie ernsthaft die US-amerikanische oder deutsche Presse als unabhängig bezeichnen? Hoffe und denke ich doch nicht. Abhängiger geht es doch kaum! "Abbau der Handelsbeschränkungen" ist auch ein sehr netter Ausdruck. Die amerikanische Blockade gegen Kuba existiert weiterhin! Sie ist weder unter Obama noch unter Trump abgeschafft worden. Ihr Artikel lässt bei jemandem, der sich mit Kuba nicht intensiv befasst hat, einen völlig falschen Eindruck entstehen. Wütende Kubaner wird es nach der Katastrophe ebenso geben wie es diese auf der ganzen Welt gegeben hätte. Der Hurrikan wird definitiv ein großes Thema bei den kubanischen Wahlen im kommenden Jahr sein. Da können Sie sich sicher sein. Schön wäre gewesen, dass Sie Ihren Lesern die Möglichkeit von Spenden für Kuba ans Herz gelegt hätten. Diese sind mehr als nötig bei dem Ausmaß der Zerstörung. Beispielsweise hat das Netzwerk Cuba hat einen großen Spendenaufruf gestartet.

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