IAA Studienstadt Frankfurt
P.-J. Ersing und B.-W. Kiessler, 09.09.2011 11:08 Uhr
Smart-Designer Klaus Frenzel erklärt die gemeinsam mit BASF realisierten Lösungen an der Studie Smart Forvision. Foto: Hersteller
Smart-Designer Klaus Frenzel erklärt die gemeinsam mit BASF realisierten Lösungen an der Studie Smart Forvision. Foto: Hersteller
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Klaus Frenzel, der Leiter des Advanced Design Studios in Sindelfingen, weist auf die wohl gerundete Bugpartie der Smart-Studie Forvision und zeigt gezielt auf die wabenförmigen Öffnungen: „Die haben wir natürlich der Natur abgeschaut, genauer: den Bienen. Die Waben sind ein Muster an Stabilität und dienen außerdem der Gewichtsverminderung.“ Leichtbau ist in der Tat das Gebot der Stunde, zur Kraftstoffeinsparung bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren ebenso wie zur Reichweitenverlängerung beim Elektroauto, um das Manko begrenzter Speicherkapazität der Batterie abzumildern. Bei Daimler haben sie sich zu diesem Zweck den Chemiekonzern BASF ins Boot geholt, der zur Smart-Studie allerlei Kunststoffteile beigesteuert hat, an der Spitze eine serienreife Weltneuheit: Kunststofffelgen, die pro Stück drei Kilogramm leichter als solche aus Aluminium sind. Im Inneren der Studie stehen zwei einschalige selbsttragende Sitze, die von dünnen leitfähigen BASF-Textilien körpernah beheizt werden. Bekanntlich geben Elektroantriebe im Gegensatz zu Verbrennungsmotoren kaum Abwärme zur Heizung des Innenraums ab, so dass elektrische Zuheizer eingebaut werden müssen, die durch Energieverbrauch die Reichweite vermindern.

In den Türen und an der Heckpartie haben die Designer flache Knickmuster eingeprägt. Was zunächst wie eine Spielerei aussieht, erfüllt durchaus eine Funktion: Die eigenwilligen eckigen Sicken erhöhen die Stabilität der Flächen, weshalb der Kunststoff der Türen dünner sein darf. Innen fällt vor allem die Lichtgestaltung ins Auge: Für Stimmung sorgen organische Leuchtdioden, die großflächig der Innenraumbeleuchtung dienen und dabei 50 Prozent sparsamer sind als Energiesparlampen.

In der Summe wird die Gewichtseinsparung des Forvision, der als Elektroauto ausgelegt ist, gegenüber dem aktuellen E-Smart auf rund 150 Kilogramm beziffert. Auf den ersten Blick wirkt die Studie ein wenig breiter und niedriger, und ein Blick durchs Heckfenster zeigt, dass hier ein dritter Sitz hinter dem Beifahrer zumindest angedacht wurde. In gut zwei Jahren wird man sehen, was von diesem Entwurf in die Serienfertigung der dritten Smart-Generation eingeflossen ist.

Serienfähige Zukunftsvisionen auch bei BMW: Mit einem zeitlichen Vorsprung von sechs Wochen enthüllten die Münchner die beiden ersten Fahrzeuge der neuen Submarke BMW-i. In der bereits für den IAA-Messeauftritt ausgeschmückten Halle bewiesen die Bayern in Form der komplett versammelten BMW-Vorstandsriege eindrucksvoll, nun vollends von der Elektromobilität verzückt zu sein: Obwohl es bis zur Markteinführung noch zweieinhalb Jahre sind, wurden die Vorzüge des Stadtautos i3 Concept sowie des Supersportwagens i8 Concept derart selbstbewusst angepriesen, als stünden sie schon kurz nach der Messe im Autohaus.

Etwas radikaler, dafür aber noch sehr viel weiter von der Serienreife entfernt, präsentiert sich eine Studie aus Ingolstadt. Mit zwei hintereinander angebrachten Sitzen ist das Audi Urban Concept ganz sicher eine der spektakulärsten Interpretationen individueller Mobilität. Das besonders leichte Fahrzeug wird mit seiner schlanken Karosserie vor allem Stadtmenschen ansprechen. Die Technikstudie, die von zwei Elektromotoren angetrieben wird, ist sowohl als Limousine mit nach hinten verschiebbarer Dachkuppel als auch als offener Roadster mit schräg nach oben öffnenden Türen denkbar.
Nach Dezir in Paris sowie Capture und R-Space in Genf schickt Renault mit dem elektrisch angetriebenen Frendzy in Frankfurt eine vierte Studie ins Rennen. Allen vier Konzeptautos gemein ist die neue, von Designchef Laurens van der Acker entwickelte Formensprache. Der Niederländer war vor zwei Jahren von Mazda zu Renault gekommen. Seine pfiffige Kombivan-Studie Frendzy soll auf einer Länge von 4,10 Metern gleich zwei unterschiedliche Fahrzeugkonzepte in sich vereinen: vollwertiges Familienauto und praktischer Stadtlieferwagen. In diesen beiden Disziplinen versuchte sich in der Vergangenheit der etwas kastenartige Renault Kangoo.

Die koreanische Automarke Kia bringt eine mutige viertürige Sportwagen-Studie mit nach Frankfurt. Den unter Leitung des deutschen Chefdesigners Peter Schreyer kraftvoll gezeichneten Wagen soll eines Tages ein Heckantrieb in Bewegung setzen. Bereits im Stillstand wirkt der Viersitzer pfeilschnell. Um technische Daten und den passenden Namen macht Kia noch ein Geheimnis. Ein Messebesuch in Frankfurt zu dessen Lüften und zur Ansicht vieler anderer Neuheiten lohnt sich also auch in diesem Jahr.

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