Ikea-Gründer Kamprad Geheime Stiftung verdient an Ikea
Hannes Gamillscheg, 27.01.2011 17:29 Uhr
Ikea-Gründer Ingvar Kamprad kontrolliert eine Stiftung mit Sitz in Vaduz. Foto: dpa
Ikea-Gründer Ingvar Kamprad kontrolliert eine Stiftung mit Sitz in Vaduz. Foto: dpa
""Steuern zahlen ist eine Todsünde""
Motto von Ikea

Vaduz - Die Möbelkette Ikea gibt sich gerne als das schwedischste aller schwedischen Konzerne aus: Die Möbelhäuser sind blau-gelb gestrichen, Sofas und Regale heißen "Ektorp" oder "Hemnes", im Restaurant gibt es "Köttbullar" und der deutsche Sprecher in der Fernsehwerbung hat einen schwedischen Akzent. Auch der Gründer der Kette, Ingvar Kamprad, dient als Aushängeschild: knorrig und erdverbunden, störrisch und bauernschlau, sparsam bis geizig, wenn er im Uraltauto bei seinen Läden vorfährt und sich vergewissert, dass keine Lampe zu viel brennt.

Die Wirklichkeit ist nuancierter. Schwedisch ist bei Ikea nur der Anstrich: das Warensortiment stammt aus der Billigproduktion in Fernost und der Besitzer von Ikea ist offiziell die in den Niederlanden registrierte Stiftung Ingka Foundation. 1982 hat Kamprad ihr sein Lebenswerk überschrieben. Nicht mehr er kontrolliere den Möbelgiganten, hat Kamprad seither stets beteuert. Auch das Vermögen sei in den Händen der Stiftung, deren Aufgabe es sei, Ikeas "ewiges Leben" zu sichern.

Vermögen von 11 Milliarden Euro


Dass auch dies nur die halbe Wahrheit ist, deckte nun eine TV-Dokumentation des schwedischen Senders SVT auf. An der Spitze des Firmennetzes von Kamprad - so dröselte die Dokumentation auf - steht die bisher unbekannte Gesellschaft Interogo Foundation mit Sitz in Vaduz. Sie sichert der Gründerfamilie die Kontrolle über das Unternehmen und ein nur ihr zugängliches Vermögen von 100 Milliarden Kronen (11,3 Milliarden Euro). Kamprad habe alles getan, um die Verbindung zwischen Interogo und Ikea geheim zu halten. Jetzt erst bestätigte er die Existenz der Stiftung, die in die "Expansion des Unternehmens investieren" solle. Interogo werde von "meiner Familie" kontrolliert, schreibt Kamprad, was im Klartext heißt: von ihm selbst.

Interogo ist laut SVT Eigentümer der Firma Inter Ikea, des wahren Machtzentrums des Möbelreichs. Inter Ikea besitzt mit dem Markenzeichen Ikea das gesamte Warensortiment und kassiert von jedem verkauften Artikel drei Prozent des Preises. Steuerfrei: für die Warenhäuser ist die Abgabe ein abzugsfähiger Ausgabenposten.

Die Milliarden fließen nach Liechtenstein, getreu dem Ikea-Motto, nachdem es "Todsünde" sei, mehr als unbedingt nötig an Steuern zu zahlen. Illegal ist das nicht, ebenso wenig wie die Tatsache, dass Kamprad sein Imperium und sein Vermögen weiterhin strikt selbst verwaltet. Bleibt die Frage, warum er daraus bisher ein Geheimnis machte? Aus Imagegründen, vermutet SVT-Reporter Magnus Svennungsson. Die Milliarden in Liechtenstein passen schlecht zum netten Selbstbild des schrulligen Sonderlings, das so viel zu Ikeas Popularität beigetragen hat, meint der Reporter.
Kommentare (2)
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JAN
28
Alter Schwede, 10:25 Uhr

Steuerbetrüger Kamprad

Ich glaube nicht an den schönen Schein von diesem Herrn aus Schweden. Nicht umsonst gelten Länder wie Liechtenstein, die Schweiz und eine Reihe andere als Steueroasen. Die Steuersparen wollenden Betrüger haben dort ihre Konten eingerichtet, Firmen gegründet, Stiftungen hochgezogen. Wer in dem Land, in dem er kleine und große Geschäfte durchzieht, keine Steuern zahlt, betrügt die jeweilige Bevölkerung. Denn er nutzt die von den Ehrlichen bezahlte Infrastruktur. Solche Trittbrettfahrer brauchen wir nicht. Auch Schweden sollte solche Typen ausbürgern.Lasst sie auch bei uns keine Geschäfte mehr machen. Die Selig- und Heiligsprechung von Kamprad verhöhnt alle anständigen Steuerzahler.

JAN
27
Kai Tonath, 19:17 Uhr

Ach wie schlimm!

Also als aller erstes ist IKEA in Deutschland die IKEA Deutschland GmbH & Co. KG in München - dort bezahlt sie auch ihre Steuern! Dass der Gründer von IKEA sehr reich ist - das wundert wohl niemanden, o.k. es ist inzwischen Usus, dass man es ihm neidet - von seinem Vermögen könnten ja X-Wieviele ALGII-Haushalte ihre Sozialhilfe verdoppelt bekommen. Das Vermögen der Firma IKEA liegt in Händen von Stiftungen - ob sie jetzt in den Niederlanden sitzen oder wo sonst - spielt keine Rolle. Dass das Vermögen der Firma IKEA nicht mit dem Vermögen des Gründers gleichzusetzen ist - das ist dann schwon schwieriger zu verstehen - und es macht immer ein schönes Skandälchen, wenn man aufdeckt, dass jemand, der eine Stiftung gegründet danach nicht am Betteltuch hängt. Ganz schlimm ist es aber für die Skandälchenmedien, wenn ein Gründer eines Unternehmens auch noch irgendwie etwas zu sagen hat in seinem Unternehmen - das geht ja garnicht - und ist fast so schlimm, wie wenn Herr Schwarz aus Neckarsulm noch etwas in den Stiftungen der LiDL-Gruppe zu sagen hat - oder die Familien Porsche/Piech über den VW-Konzern bestimmen!