Il Quinto Quarto Deftige mittelitalienische Küche im Jugendstilambiente

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 Im früheren Gui hat sich der Feinkosthändler Atilla Caprano seinen Lebenstraum verwirklicht. Sein Essen schmeckt wie ein Tag am Meer.

Der Chef Attila Caprano (rechts) und sein Sohn Toni erwarten die Gäste. Foto: Honzera
Der Chef Attila Caprano (rechts) und sein Sohn Toni erwarten die Gäste. Foto: Honzera

Stuttgart - Die Speisekarte hat auf einer Schiefertafel Platz. Die wandert durchs Lokal und wird bei Bedarf zur Lektüre auf einen freien Stuhl gestellt. Zwei Vorspeisen, zwei Nudelgerichte, Hauptgänge mit Fleisch, Leber oder Fisch. Alles auf italienisch und ohne Preise. Ins edle Jugendstilambiente in der Olgastraße ist ein lockerer italienischer Stil eingezogen. Im Quinto Quarto deklamiert der Serviceleiter die Gerichte, erzählt, welche Zubereitungsart noch möglich ist, wählt dazwischen für den Nachbartisch einen Wein aus und bringt sein Personal auf Trab.

Wir beginnen mit einem Martini-Cocktail, der James Bond vor Ehrfurcht erblassen lassen würde (7 Euro). Dazu kommt bestes Brot auf den Tisch und Schälchen mit Salz, rosenrot und lavendelblau. Der Tintenfischsalat besteht aus zarten Scheibchen der Tentakeln, dazu Öl, Zitrone, Salz, Pfeffer und glatte Petersilie (12,50 Euro). Die Fettuccine Mare sind dünne Bandnudeln mit Tomatensugo und vielerlei Meeresgetier, ganz fein geschnitten (13 Euro). Beides schmeckt wie ein Tag am Meer.

Attila Caprano ist als Wirt und Koch ein Glücksfall

Der Rombo, Steinbutt im Ofen gegart, glänzt beim Hauptgang auf dem Teller, ihn begleitet knackiger weißer Spargel und eine wunderbare, leicht säuerliche Soße aus Butter und Weißwein (28 Euro). Die Tagliata ist eine der besten, die wir außerhalb Italiens gegessen haben (26,50 Euro). Das ordentliche Stück Rinderfilet, das gerade so durchgeschnitten auf dem Rukkolabett lagert, stammt von der schwäbischen Alb, es ist gut abgehangen und perfekt rosa gegart. Die Bratkartoffeln kommen auf einem Extratellerchen. Zum Finale teilen wir ein Schokotörtchen, das auf dem Soßenspiegel niedlich ausschaut, sich aber als mächtig entpuppt - vom angekündigten Pepperoncino merken wir wenig (7 Euro).

Die Weinkarte ist ausbaufähig und die offene Auswahl hat uns bei den Weißen auch nicht recht überzeugt. Dafür ist Attila Caprano als Wirt und Koch ein Glücksfall. Er wählt seine Produkte sorgfältig aus, den Fisch bezieht er direkt vom Großhändler, das Fleisch bei sich selbst: Caprano hat einen Metzgerstand in der Markthalle. "Ein Restaurant war mein Traum, mein Lebensziel", erzählt er. Seine Küche sei deftig-mittelitalienisch, so wie in Umbrien, den Marken, der Emilia Romagna und der Toskana. Bis zwölf Uhr steht Caprano in der Markthalle, danach im Quinto Quarto, wo ihm sein Sohn in der Küche hilft.

Das Lokal, das der Vorgänger Jure Rübel (Gui) aufwendig renoviert hat, wurde mit den Bodenfliesen und Wandvertäfelungen, den schweren Lederstühlen und den ultramodernen Kronleuchtern kaum verändert. Es wirkt, positiv gemeint, wie aus der Zeit gefallen, elegant mit den cremefarben eingedeckten Tischen und den edlen Gläsern, aber gemütlich. Zum Ende müssen wir uns doch mit den Preisen befassen. Sie sind wie bei vielen Italienern in der Stadt, gehoben. Hier sind es auch die Genüsse.

Die Bewertung

Küche: ****

Service: ****

Ambiente: ****

***** = herausragend, **** = überdurchschnittlich, *** = gut, ** = Luft nach oben, *= viel zu verbessern

Die Beurteilung berücksichtigt auch das Preis-Leistungs-Verhältnis. Das günstige Lokal um die Ecke wird nach anderen Kriterien bewertet als ein Sternerestaurant. Der Test gibt Aufschluss über die Tagesform der Küche.

Il Quinto Quarto Olgastraße 133b, 70180 Stuttgart, Telefon 0711 / 66486602. Montag Ruhetag. Geöffnet von 11.30 bis 14.30 Uhr und von 17.30 bis 23.30 Uhr.