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Wirtschaft & Finanzen
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Im Alter von 88 Jahren Aldi-Mitgründer Theo Albrecht tot

dpa/phs, vom 28.07.2010 16:29 Uhr
Aldi-Mitgründer Theo Albrecht (Foto aus dem Jahr 1971). Foto: dpa
Aldi-Mitgründer Theo Albrecht (Foto aus dem Jahr 1971). Foto: dpa
Essen - Er zählte zu den reichsten Männern der Welt, besaß halb so viel wie Bill Gates. Und doch kannte kaum jemand Aldi-Mitbegründer Theo Albrecht, der in aller Stille lebte und starb. Fast jeder kennt Aldi. Das Urgestein unter den Discountern, Theo Albrecht, dagegen lebte extrem zurückgezogen.

Am Samstag starb der 88-Jährige im Kreis der Familie in seiner Heimatstadt Essen und fand am Mittwoch im noblen Bredeney im Süden der Stadt die letzte Ruhestätte - noch bevor die Öffentlichkeit von seinem Tod erfuhr.

Sein Leben war ein großes Geheimnis


Der Unternehmensgründer und Multimilliardär machte aus seinem Leben ein so großes Geheimnis, dass nicht einmal der genaue Geburtsort und der Tag in der Öffentlichkeit bekannt waren. Aldi lüftete dieses Geheimnis nach dem Tod: Es war Essen. Der genaue Geburtstag ist wahrscheinlich der 13. März, vielleicht aber auch der 28. März. Auch aus seiner riesigen Discounterkette drangen nur selten Nachrichten.

Entscheidend für das zurückgezogene Leben von Theo Albrecht war wohl seine Entführung vor fast 40 Jahren. 1971 ereignete sich der spektakuläre Fall. Erst nach 17 Tagen und nach der Zahlung eines Lösegelds von sieben Millionen Mark wurde der Unternehmer wieder freigelassen. Wenige Jahre später erregte er noch einmal Aufsehen, als er vor dem Düsseldorfer Finanzgericht die volle steuerliche Absetzbarkeit seiner materiellen Entführungsschäden einklagte.

Theo Albrecht hinterlässt ein Milliardenvermögen, das auch nach seinem Tod sicher verwaltet wird. Es ist in nicht auflösbaren Stiftungen gebunden. Theo und sein zwei Jahre älterer Bruder Karl galten jahrelang als die reichsten Deutschen mit zuletzt jeweils über 17 Milliarden Euro Vermögen. Der ältere Bruder hatte die Nase leicht vorn. Auch in der "Forbes"-Liste der reichsten Menschen der Welt landeten sie regelmäßig auf vorderen Plätzen.

Der Aufstieg gelang mit einer schlichten Idee


Aufgewachsen sind die Brüder in bescheidenen Verhältnissen im Essener Bergarbeitervorort Schonnebeck. 1946 übernahmen sie den Lebensmittelladen der Mutter, die sich damit ein kleines Zubrot verdiente. Da der Vater wegen einer Staublunge nicht mehr als Bergmann arbeiten konnte und nur noch schlecht verdiente, war die Familie auf den Laden angewiesen. Aus dem Geschäft wurde im Nachkriegsdeutschland schon bald eine kleine Kette. Den Aufstieg schafften die Brüder jedoch mit einer schlichten Idee, die den Einzelhandel bis heute prägt.

1962 wurde der erste Aldi-Markt – die Abkürzung von Albrecht-Discount – in Dortmund eröffnet, nachdem die Brüder ihr gemeinsam aufgebautes Ladennetz zuvor in zwei Teile getrennt hatten: Aldi Nord und Aldi Süd. Theo zog in Norddeutschland die Fäden, Karl in Süddeutschland. Gerüchteweise soll ein Streit über den Verkauf von Zigaretten die Brüder zu der Trennung bewogen haben. Theo Albrecht wollte Zigaretten verkaufen, sein Bruder Karl sträubte sich hingegen lange dagegen – lässt aber in seinen Filialen inzwischen nun ebenfalls Tabakwaren verkaufen.

Kompromisslos verschrieben sich die beiden Brüder dem von ihnen erfundenen Discountprinzip. Statt aufwendiger Dekorationen und teurer Markenprodukte setzen die "Pfennigfuchser von der Ruhr" auf billige Holzregale und ein eingeschränktes Sortiment mit günstigen Preisen. Knapp zehn Jahre später überzog Aldi bereits rund 300 deutsche Städte mit einem Netz von 600 Filialen, an denen kaum ein bundesdeutscher Verbraucher vorbeikam.

Gleichzeitig verschwanden die Brüder fast völlig von der Bildfläche. Theos Söhne arbeiten seit langem in der Unternehmensführung. Sonst ist so gut wie nichts über die genauen Familienverhältnisse bekannt, nur wenige Fotos existieren. Aldi Nord und Aldi Süd sind heute eine wirtschaftliche Macht. Zusammen setzten sie im vergangenen Jahr bundesweit 24 Milliarden, weltweit 52,8 Milliarden Euro um. Auf Aldi Nord dürfte nach Expertenschätzung etwas weniger als die Hälfte entfallen.

"Wir zollen seiner Lebensleistung tiefen Respekt"


Der Chef der Schwarz-Unternehmensgruppe (Kaufland/Lidl), Klaus Gehrig, hat die Verdienste von Aldi-Gründer Theo Albrecht gewürdigt. Mit Albrecht verliere der deutsche Lebensmitteleinzelhandel "die erfolgreiche Unternehmerpersönlichkeit", heißt es in einer in Neckarsulm veröffentlichten Erklärung. Als Pionier der Branche habe er gemeinsam mit seinem Bruder mit kaufmännischem Geschick, Mut, Engagement und Verlässlichkeit eine Discountvertriebsform entwickelt, die erfolgreicher nicht sein könne. "Wir zollen seiner Lebensleistung tiefen Respekt."

Auch der Vorstandschef der Kölner Rewe-Gruppe, Alain Caparros, hat den Aldi-Mitbegründer gewürdigt. "Er hat mir persönlich sehr imponiert, und ich habe sehr viel von ihm gelernt", erklärte Caparros zum Tod des Unternehmers. Der Rewe-Chef hatte in den neunziger Jahren für Aldi Nord gearbeitet und als Generaldirektor die Firmenaktivitäten in Frankreich aufgebaut. Caparros erklärte, mit Albrecht sei eine der größten Erfolgsgeschichten im deutschen Handel verbunden, "der Aufstieg von Aldi zu einem der erfolgreichsten Discounter weltweit".

Stefan Genth, der Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbands HDE, sagte: "Es gibt nur wenige Menschen, die einen ganzen Wirtschaftszweig geprägt haben. Theo Albrecht ist dies gelungen."
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