Filder-Zeitung
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Es ist Donnerstagnachmittag und für die Bewohner des Generationenzentrums Sonnenberg ist es ein besonderer Moment. Heute sind wieder die Drittklässler der Degerlocher Albschule zu Gast. Sie singen mit den Senioren, unterhalten sich im Ihnen über Alltägliches, bringen den alten Menschen auch mal Kaffee und Kuchen oder gehen mit Ihnen in den Garten. Für die Kinder ist es der monatliche "Besuch im Anderland". So heißt die Initiative, die der Kaltentaler Wolfgang Strobel 2004 entwickelt hat. Mit Anderland ist die Welt gemeint, in der die Pflegebedürftigen leben. Denn sie haben Demenz, die Krankheit des Vergessens.
Die Kooperation zwischen der Albschule und dem Generationenzentrum Sonnenberg gibt es seit guten einem Jahr. Gestartet ist das Projekt 2005 am Gradmann-Haus in Kaltental. Dorthin kommen einmal im Monat die Drittklässler der Kaltentaler Grundschule. Künftig soll es das Projekt auch im Filderhof in Vaihingen geben. Dort gibt es eine Wohngruppe speziell für an Demenzkranke. "Ich verspreche mir sehr viel von diesem Projekt", sagt Silvia Veith, die Leiterin des Filderhofs. "Kinder können mit Alzheimer Patienten oft besser umgehen als Erwachsene. Denn sie akzeptieren die Menschen so wie sie sind und haben keine Scheu." Wenn die Drittklässler zu Besuch ins Anderland kommen, sei das für beide Seiten eine schöne Erfahrung. "Gleichzeitig ist das Projekt für uns eine Möglichkeit, auch junge Besucher ins Pflegeheim zu holen", sagt Veith.
Aber natürlich profitieren auch die Grundschüler. "Es ist wichtig, dass auch schon Kinder an das Thema Demenz herangeführt werden", sagt Strobel. Denn die Gesellschaft werde immer älter und die Krankheit trete damit immer häufiger auf. "Zudem haben die Kinder teils auch innerhalb der Familie Kontakt zu Alzheimer-Patienten. Das Projekt hilft ihnen, ihre Oma oder ihren Opa besser zu verstehen", ergänzt Veith.
Für Strobels Engagement findet sie nur lobende Worte. "Als ehemaliger Lehrer versteht er es gut, die Kinder auf den Besuch bei den Senioren vorzubereiten." Inzwischen ist es Strobel gelungen, bundesweit auf sein Projekt aufmerksam zu machen. So stellte die Redaktion der Zeitschrift "Eltern family" die Initiative in ihrer Juli-Ausgabe vor. Das Team vom Internetfernsehen der Evangelischen Landeskirche in Württemberg hat einen Film über Strobel und sein Anliegen gedreht, ebenso das Klinik TV Stuttgart.
Für Veröffentlichungen der Alzheimer-Gesellschaft Baden-Württemberg und die Deutsche Alzheimer-Gesellschaft in Berlin schreibt der Rentner selbst immer wieder Artikel. "Das Projekt ist ein richtiger Selbstläufer geworden. Die Leute lesen irgendwo etwas über den Verein - meistens im Internet - und kommen dann auf mich zu", sagt Strobel. So ist er vor kurzem von der Robert-Bosch-Stiftung im Rahmen der Jubiläumskampagne für sein "zukunftsweisendes Engagement" ausgezeichnet worden.
Strobel geht es nicht um Ruhm und Ehre. Er möchte noch viel mehr Pflegeheime und Grundschulen für eine Kooperation gewinnen. "Aber ich kann nicht alles allein machen. Ich brauche Helfer, die in die Schulen gehen und das Projekt vorstellen", sagt der Rentner. Darum hat der ehemalige Gymnasial-Lehrer Unterrichtsmaterial ausgearbeitet. Die Deutsche Alzheimer-Gesellschaft hat diese vor kurzem in ihrem "Praxishandbuch für den Unterricht" veröffentlicht. Zudem hat Strobel ein Infoblatt für Schulen erarbeitet. "Auch den Lehrern muss man die Angst nehmen", sagt Strobel. Schließlich hätte jeder heute eine große Fülle von Organisations-, Verwaltungs- und Unterrichtsarbeit zu bewältigen. "Aber der Aufwand für dieses Projekt ist wirklich vertretbar und der Nutzen ungleich größer", versichert Strobel. "Meine Erfahrung ist, dass sich alle Pflegeheime so eine Kooperation wünschen, weil sich die alten Menschen so sehr darüber freuen, wenn Kinder sie besuchen. Alzheimer-Patienten werden häufig immer kindähnlicher, je weiter die Krankheit voranschreitet. Deshalb verstehen sie sich so gut mit den Grundschülern. Es ist für beide Seiten eine Bereicherung", sagt Strobel.
Weitere Infos gibt es unter www.besuchimanderland.de



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