Filder-Zeitung
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Wenige Wochen ist es her, dass Sylvia und Hans-Jürgen Bauer ihr Reisebüro an der Backhausgasse eröffnet haben. Mehr als 26 Jahre lang haben sie an der Echterdinger Hauptstraße ihre Kunden bedient.
"Wir hatten dort einen tollen Vermieter", sagt Sylvia Bauer. Dennoch haben sich die Bauers immer wieder nach neuen Räumlichkeiten umgesehen. "Wir wollten weg, weil das Umfeld an Niveau verloren hat", erklärt Hans-Jürgen Bauer. Am Rand der Bernhäuser Straße seien sie nun mehr im Zentrum. "Zweimal in der Woche ist hier auch Markt", so Sylvia Bauer.
Mit dem Wegzug des Reisebüros stehen somit derzeit bereits drei Geschäfte an der Hauptstraße im Bereich zwischen der Bernhäuser Straße und der Lamm-Kreuzung leer. An den verstaubten Fensterscheiben des ehemaligen Haushaltswarengeschäfts Haug an der Ecke Obergasse kleben Din-A4-große Zettel mit der Aufschrift "Wir sind umgezogen". Tatsächlich hat das Unternehmen Cali & Russo, das mehrere Sanitätsgeschäfte betreibt, seinen Standort an die Bernhäuser Straße verlegt. In den ehemaligen Verkaufsräumen der Metzgerei unterhalb des Gasthauses Lamm war kurzzeitig ein Bekleidungsgeschäft mit dem verheißungsvollen Namen "Nightwear" untergebracht. Die Kundinnen blieben wohl aus - nur wenige Monate nach der Eröffnung, wurde der Laden wieder geschlossen. Mit der Schreinerei Kiess kündigt sich ein weiterer Rückzug an. Ab Oktober haben die Kunden an der Keplerstraße eine neue Anlaufstelle. Warum der Betrieb seine Zelte abbricht, war bis Redaktionsschluss allerdings nicht in Erfahrung zu bringen.
Auf Anfrage der Filder-Zeitung versucht der Vorsitzende der Werbegemeinschaft Echterdinger Fachgeschäfte (WG), Wolfgang Treiber, die Situation an der nördlichen Hauptstraße in Worte zu fassen: "Vor vielen Jahren war man der Meinung, dass sich das Zentrum in Richtung S-Bahnhof verlagern würde." Stattdessen habe es sich mit dem Bau des Echterdinger Carrés nach Süden verschoben. Ausschlaggebend für den jetzigen Zustand "war vor allem auch, dass Herr Haug aufgehört hat", so Treiber. "Darunter leidet die Nachbarschaft." Die Laufkundschaft fehle. Von einem Ladensterben will er dennoch nicht sprechen.
Das sieht auch Leinfelden-Echterdingens Erster Bürgermeister Frank Otte so. "Natürlich sind Leerstände ein Problem für die Nachbarschaft", erklärt Otte, der im Bereich zwischen der Bernhäuser Straße und der Lamm-Kreuzung sehr unterschiedliche Interessenlagen sieht. Er betont aber auch, dass die Möglichkeiten der Stadt begrenzt seien. "Was wir zum Beispiel machen, ist, dass wir mit der Wirtschaftsförderung auf die Eigentümer zugehen, wenn wir wissen, dass jemand Räumlichkeiten sucht", sagt Otte. Indes würde im südlichen Teil der Hauptstraße das Echterdinger Carré gut angenommen. "Es ist das eingetreten, was wir erwartet haben", so Otte.
Ein Lichtblick, der den nördlichen Teil der Hauptverkehrsader aufwerten könnte, wäre die Umgestaltung der Lamm-Kreuzung. Pläne dafür gibt es bereits. Wann das Projekt umgesetzt werden kann, ist aber nicht absehbar. Langfristig soll dort statt der vielen Ampeln ein Kreisverkehr entstehen. "Der einfachste Fall ist das Gebäude, in dem sich das Bestattungshaus Haller befindet", sagt Otte. Das nämlich gehört der Stadt. Im nordöstlichen Teil wurde der Bebauungsplan auf den saudi-arabischen Investor zugeschnitten, realisiert wurde dort aber bisher nichts. Auf der westlichen Seite werde, so Otte, so lange nicht gerüttelt, so lange die Eigentümer nicht agieren.
Neuigkeiten, ob am Haug-Areal etwas passiert, hat Otte keine. "Es wäre in jedem Fall in unserem Sinne, wenn dort etwas passiert", sagt er. Er sieht den Komplex als wichtigen Baustein an. Dem Vernehmen nach soll wieder Bewegung in die Sache gekommen sein. Der neue Eigentümer will sich dazu allerdings nicht äußern.



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