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Immer mehr Sportler zieht es auf die Waldau
"Blick vom Fernsehturm", 04.02.2011 02:45 Uhr
Degerloch. Während das Interesse an klassischen Sportarten stagniert, sind vor allem Klettern und Fitness gefragt. Von Rüdiger Ott

Die Waldau liegt bei den Sportlern im Trend. Immer mehr Menschen zieht es auf die Plätze und in die Hallen auf dem Degerlocher Sportpark. Der baut damit auch seine Position als wichtigster Standort für die Freunde schweißtreibender Aktivitäten in Stuttgart weiter aus. Das geht aus einer Studie des Amts für Statistik hervor. Drei auf der Waldau ansässige Vereine zählen zudem zu den 20 größten in der Landeshauptstadt - der tus Stuttgart, die Stuttgarter Kickers und der hiesige Ableger des Deutschen Alpenvereins (DAV).

Demnach haben die verschiedenen Vereine auf der Waldau derzeit 9500 Mitglieder. Jeder 13. Sportler in Stuttgart geht seinem Hobby unterm Fernsehturm nach. Auf der Sportanlage Am Kräherwald, dem nächstgrößten Zentrum, sporteln 8700 Menschen. Die Vereine im Feuerbacher Wilhelm-Braun-Sportpark haben 8400 Mitglieder. Insgesamt sind nach der Statistik in der Landeshauptstadt 196 000 Sportler in Vereinen organisiert.

Das ist ein Drittel mehr als vor zehn Jahren. Der Grund dafür sind die "VfB-Fanmitgliedschaften", wie sie Thomas Schwarz nennt. Er ist der Leiter des Statistischen Amts. Seit 2003 sind immer mehr Menschen Mitglied bei den Roten vom Wasen geworden, freilich ohne jemals in der Mercedes-Benz-Arena aufzulaufen. Die VfBler herausgerechnet, ist die Zahl der Vereinsmitglieder lediglich um sechs Prozent auf 123 000 gewachsen.

Nicht so auf der Waldau. Dort können die Vereine für das vergangene Jahrzehnt ein sattes Plus von 21 Prozent ausweisen. "Die Zuwächse dürften wohl mit dem Kletterzentrum des DAV und dem Fitnesszentrum des tus zusammenhängen", sagt Günther Kuhnigk, der Leiter des Sportamts. In der Halle des DAV können Sportler 16 Meter hohe Wände empor kraxeln, die Mitgliederzahl stieg in zehn Jahren von 950 auf 1400. Auf drei Stockwerke verteilt können sich die Besucher des tus-fit an Trainingsgeräten abmühen, Gewichte stemmen oder saunieren. Ein Abo verbinden viele mit einer Mitgliedschaft im Verein, deren Anzahl von 2200 auf 4000 wuchs. "Die Entwicklung der übrigen Vereine liegt im Trend der Gesamtstadt", sagt Kuhnigk. Manche wachsen ein wenig, manche schrumpfen. Einen Ausreißer aus der Statistik gibt es nicht.

Die Zahlen in Degerloch spiegeln die im Land wieder. Zum einen stagniert das Interesse an den klassischen Vereinssportarten Turnen, Fußball, Tennis. Zum anderen wachsen die Mitgliederzahlen im Landessportverband Baden-Württemberg jährlich stetig an, aber nur im Null-Komma-Bereich - auf inzwischen rund 3,7 Millionen Menschen. Zurückzuführen ist dies auf das Interesse an eher exotischen Sportarten wie Klettern, Fechten, Aikido und Dart. Wobei sich Trends auch ändern können. Immer weniger Judobegeisterte wollen sich auf die Matte legen lassen.

"Darauf müssen sich die Sportvereine einstellen. Sie müssen mit der Zeit gehen", sagt der Sportamtsleiter Kuhnigk. Zwar könnten durchaus klassische Einspartenvereine überleben und jeder müsse für sich entscheiden, "wohin die Reise geht". Aber "der Trend geht hin zu starken Vereinen, die professionell gemanagt werden, breit aufgestellt sind und mit anderen kooperieren", sagt Kuhnigk. Die magische Grenze liegt bei einer Größe von etwa 3000 Mitgliedern. Dann können professionelle Trainer und hauptamtliche Geschäftsführer eingestellt werden.

Weshalb vier Vereine im Neckartal eine Fusion planen. Der VfL Wangen hat seit 1996 fast ein Viertel seiner Mitglieder verloren, während die Zahl derjenigen, die älter als 60 Jahre sind, um zehn Prozent gestiegen ist. Seine Zukunft sieht er zusammen mit der SKG Hedelfingen, dem TV Hedelfingen und dem SKV Rohracker. Dadurch ließen sich unter anderem Geld sparen und die Hallenkapazitäten besser verteilen.

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