Immobilien in Stuttgart Bauarbeiter-WGs im Wohngebiet

Von Thomas Braun 

Trotz Wohnungsnot in Stuttgart werden ganze Häuser komplett an Bautrupps vermietet. Die Stadtverwaltung hat dagegen meist keine rechtliche Handhabe. Nur: Ist, was legal ist, auch legitim?

Immer mehr Bauarbeiter aus Osteuropa werden in normalen Mietwohnungen untergebracht. Den Vermietern verspricht das eine lukrative Rendite. Foto: dpa
Immer mehr Bauarbeiter aus Osteuropa werden in normalen Mietwohnungen untergebracht. Den Vermietern verspricht das eine lukrative Rendite.Foto: dpa

Stuttgart - Dass in der Landeshauptstadt ein Mangel an bezahlbarem Wohnraum herrscht, ist mittlerweile eine Binsenweisheit. Während die Notfallkartei beim Liegenschaftsamt wächst und sich Dutzende von Wohnungssuchenden bei Wohnungsbesichtigungen die Klinke in die Hand geben, haben findigen Vermieter eine neue Geschäftsidee entdeckt: Sie vermieten ihre Immobilien komplett an Bautrupps oder Handwerker, die auf den zahlreichen Baustellen in und um Stuttgart ihre Brötchen verdienen.

In dem beschaulichen Möhringer Wohngebiet östlich der Hechinger Straße sind vor einigen Monaten neue Mieter eingezogen. Das Neun-Partien-Haus an der Unteraicher Straße wird mittlerweile von Dutzenden von Bauarbeitern bewohnt. Die Nummernschilder auf den parkenden Autos vor dem in die Jahre gekommenen Haus weisen darauf hin, dass es sich um Männer aus Rumänien handelt. Jeden Morgen um sieben Uhr kommt der Bus, der die Arbeiter auf die Baustelle bringt. Das Haus erscheint überbelegt, selbst in den kleinen Zimmern im Untergeschoss sind Arbeiter einquartiert worden. Wenn die Monteure mit zuhause telefonieren wollen, gehen sie lieber auf die Straße – schließlich müssen die vielen Kollegen auf den Zimmern ja nicht unbedingt mithören.

Firma und Vermieter geben sich zugeknöpft

Erste Klagen über die Zustände sind auch dem Möhringer Bezirksvorsteher Jürgen Lohmann zu Ohren gekommen. Bis vor einigen Monaten waren die Wohnungen in dem Doppelhaus noch an Alleinstehende und Familien vermietet. Mittlerweile ist die Unterkunft komplett von den Bauarbeitern in Beschlag genommen worden. Angemietet wurden die Wohnungen nach Recherchen der Stuttgarter Zeitung von der Firma elco construct, einem Bukarester Unternehmen mit Niederlassung in Frankfurt am Main. Dort gibt man sich auf Anfrage zugeknöpft. Ein Firmenvertreter wollte weder die Anzahl der Arbeiter, die in dem Haus untergebracht sind, nennen noch die Baustelle, auf der die Männer im Einsatz sind. Auch die Eigentümerin des Hauses, die in Stuttgart eine Immobilienverwaltung betreibt, ließ eine Anfrage der StZ unbeantwortet. Sie sei im Urlaub, teilte ihr Büro mit.

In Möhringen scheint das Beispiel Schule zu machen: Nach Informationen der Stuttgarter Zeitung ist ein weiteres „Männerwohnheim“ ebenfalls an der Unteraicher Straße in Planung, in unmittelbarer Nachbarschaft an der Oberen Brandstraße wurden schon vor geraumer Zeit ebenfalls Monteure in Mietwohnungen untergebracht. Auch an der Schottstraße auf dem Killesberg wird seit längerem ein Wohnhaus als Unterkunft für Arbeiter aus Osteuropa genutzt. Offiziell firmieren die Bewohner als „Wohngemeinschaft“, was rechtlich zulässig und nicht zu beanstanden ist, wie der stellvertretende Leiter des Baurechtsamts, Rainer Grund, bestätigt: „Die Tatsache, dass mehrere Personen eine vorher vielleicht von einer Einzelperson oder einem Paar genutzte Wohnung bewohnen, ist baurechtlich nicht relevant.“ Das Baurechtsamt habe lediglich darauf zu achten, dass Sicherheitsbestimmungen wie etwa ausreichende Fluchtwege oder Brandschutzvorkehrungen eingehalten werden.