Immobilienkrise
"Die Banken sind halt Schurken"
Andreas Geldner,
31.08.2010 13:50 Uhr
For Sale - eine derzeit typische amerikanische Straßenszene. Foto: dpa
""Amerika mag die Erfolgreichen. Aber was ist Erfolg? Leute auszubeuten?" "
Carlos Rincon-Mautner, Hausbesitzer
Oum, Rincon-Mautner und Jones haben nicht wie viele andere spekuliert. Sie haben keinen Kredit aufgenommen, der sie überfordert hat - jedenfalls solange sie noch arbeiten konnten. Doch viele, die noch sicher in ihren Häusern sitzen, lehnen Hilfe für ihre Nachbarn ab. Die Not bleibt in Las Vegas unsichtbar. Es gibt keine Ruinen mit vernagelten Fenstern wie in den heruntergekommenen Industriestädten des Ostens. Wer sich nicht um Moral schert, gehört zu den Gewinnern. Laut der "New York Times" überlassen Schuldner mit Hypotheken von mehr als einer Million Dollar ihr überschuldetes Haus häufig einfach ungefragt der Bank. Sie planen danach gleich den nächsten, diesmal hoffentlich profitablen Häuserkauf.
Erste Spekulanten haben Land in Las Vegas zum Spottpreis aufgekauft. Mit vorne dabei ist der Hedgefonds-Manager John Paulson, der mit Wetten auf den Hypothekencrash seit 2007 mehr als fünf Milliarden Dollar verdiente.
Die Überlegenheit der Gewinner
"Anstand zählt nichts mehr", sagt Michael Joe, der Finanzberater war und für einen Anwaltsverein kostenlose Schuldnerberatung anbietet. Nur 15 Prozent der Antragsteller kommen laut einer Statistik der US-Regierung mit der Bitte nach ermäßigten Raten durch. "Die Banken schieben die Schuld den Hausbesitzern zu. Sie reden von Moral, doch ihre PR-Maschinen sind nur gut geölt. Und die Politiker plappern diese Lügen nach", sagt er: "In den USA haben wir es perfektioniert, die dummen 87 Prozent zugunsten der schlauen 13 Prozent von ihrem Geld zu trennen. Das Ganze garnieren wir dann mit der moralischen Überlegenheit der Gewinner gegenüber den Verlierern."
Doch das sei kein rein amerikanisches Problem, glaubt der Schuldnerberater Joe. "Bei vielen Hypotheken steckt in Las Vegas letztlich als Eigentümer die Deutsche Bank dahinter", sagt er. Rick Shelton, der Chef des Maklervereins, sieht hingegen die freie Marktwirtschaft am Werk: "Es ist nicht toll, wenn du zehn Häuser verkaufst und dafür zehn Familien gegen ihren Willen rausgeschmissen werden. Aber das heißt doch auch, dass zehn Leute günstig kaufen konnten." Für den Makler ist der Staat schuld: "Washington hat die Banken mit Steuergeld gerettet. Wenn die pleitegegangen wären, hätten sich auch die Hypotheken in Luft aufgelöst. Aber Banken sind halt Schurken", sagt Shelton - und lacht.
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