Impfkongress in Stuttgart Impfquote soll erreicht werden
Alexander Mäder, 10.02.2011 15:59 Uhr
Wenn der Impfschutz nicht ausreicht, kann er bei der Vorsorgeuntersuchung U9 im Alter von fünf Jahren aufgefrischt werden. Foto: dapd
Wenn der Impfschutz nicht ausreicht, kann er bei der Vorsorgeuntersuchung U9 im Alter von fünf Jahren aufgefrischt werden. Foto: dapd
Stuttgart - Selbst skeptische Eltern lassen ihre Kinder in aller Regel impfen. Ob Kinderlähmung (Polio), Wundstarrkrampf (Tetanus) oder Diphtherie – die Kinder sind meist davor geschützt, auch wenn die Eltern gegen Impfungen Vorbehalte haben. Das hat die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ermittelt, als sie im November 3000 Eltern befragte. Dennoch war auf dem Nationalen Impfkongress, der am Mittwoch in Stuttgart zu Ende ging, die Stimmung alles andere als entspannt.

Es gebe unübersehbare Defizite, sagte die baden-württembergische Sozialministerin Monika Stolz (CDU) in ihrer Einführung. Vor allem die Masern bereiten ihr Sorgen: zwar haben 89 Prozent der deutschen Kinder bei der Einschulung die zweite empfohlene Impfdosis erhalten, doch das liege unter der Zielmarke der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von 95 Prozent.

Diese sechs Prozentpunkte Unterschied haben es in sich. So kommt es in Deutschland immer wieder zu Masernepidemien, und die Viren werden auch ins Ausland exportiert. Vor gut einem Jahr steckte sich ein Lkw-Fahrer in Hamburg an und brachte den Erreger nach Bulgarien. Dort erkrankten in der Folge 22.000 Menschen, 24 von ihnen starben.

Arzt als wichtigste Informationsquelle für Eltern


Auf der Nationalen Impfkonferenz haben sich Ärzte, Politiker, Pharma- und Behördenvertreter über mögliche Maßnahmen ausgetauscht. Sie sollen in einen nationalen Impfplan einfließen, der derzeit als Entwurf vorliegt und zwischen Bund und Ländern abgestimmt werden muss.

Bis jetzt gibt es nur ein bundesweit verbindliches Impfziel: die Masern auszurotten. Auch die WHO hat sich diesem Ziel verschrieben. Bis 2010 sollte es so weit sein, nun hat man sich fünf Jahre mehr Zeit gegeben. Wenn man bedenke, wie viel Vorlauf ein Impfprogramm habe, sei 2015 ziemlich bald, sagte ein Konferenzteilnehmer.

In den Vorträgen des Kongresses wurden neue Wege in der Aufklärung beschrieben. Man müsse die Bedenken vieler Eltern ernst nehmen, hieß es. "Wir leben schließlich in einer Gesellschaft, in der wir unterschiedliches Gesundheitsverhalten tolerieren sollten", sagte etwa der Medizinethiker Urban Wiesing von der Universität Tübingen. Wichtiger noch ist nach Ansicht der Referenten, die Ärzte stärker einzubeziehen. Denn auch das hat die Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ergeben: für fast 90 Prozent aller Eltern ist das Gespräch mit dem Arzt die wichtigste Informationsquelle.

Ein Drittel aller Eltern haben Vorbehalte gegen Impfungen


An diesem Punkt setzte auch Reinhard Burger an, der Präsident des Robert-Koch-Instituts, der für Infektionskrankheiten zuständigen Bundesbehörde. Eine Untersuchung seines Hauses unter niedergelassenen Ärzten im Herbst 2010 ergab, dass sich rund 20 Prozent noch nie gegen Influenzaviren haben impfen lassen. Sicherheitsbedenken waren dabei nur für 13 Prozent ein Grund, die überwiegende Mehrheit (78 Prozent) hält die Impfung für unnötig. "Ich würde mich nicht impfen lassen – das ist nicht die beste Beratung", sagte Burger.

Es scheint einen Zusammenhang mit den Ergebnissen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zu geben: von den Eltern, die Vorbehalte gegen Impfungen haben (das sind etwa ein Drittel aller Eltern), sagte die Hälfte, Impfungen seien unnötig. Und 41 Prozent gaben an, dass ihnen der Arzt davon abgeraten habe.
Kommentare (3)
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FEB
11
Satire, 12:58 Uhr

Impfquote

Vielleicht entwickelt die Pharmaindustrie mal einen Impfstoff gegen Lobbyismus - für alle Politiker. Impfung als Pflicht bei Parteieintritt.

FEB
11
Impf-Skeptiker, 08:49 Uhr

Pharmagewinne sicherstellen?

Die Experten wundern sich? Nach dem unnötigen Hype wegen der Schweinegrippe und den jetzt bekannt gewordenen Nebenwirkungen (Vervielfachung der Fälle von Narkolepsie) des so vehement empfohlenen Impfstoffs kann sich jeder Skeptiker nur bestätigt fühlen. Die Impfquote erfüllen, das klingt nach "der Pharmaindstrie die erwarteten Umsätze sichern". Nein, danke.

FEB
10
Stuttgarter, 21:23 Uhr

und warum?

weil in Stuttgart und Umgebung die Anthroposophen eine Menge Geld und Einfluss haben. Wer diese Sekte näher kennenlernt, wird entsetzt sein. Das Impfen ist noch das kleinste Problem.