Indische Mönche zu Gast in Göppingen Mandala statt Muskelkater

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Meditativer Gesang statt Muskelkater: In der Turnhalle des Göppinger Klinikums Christophsbad verblüffen buddhistische Mönche die Besucher mit einer Konzentrationsübung.

Fingerfertig und konzentriert widmen  sich die Inder im Göppinger Christophsbad ihrer diffizilen Aufgabe. Foto: Ines Rudel
Fingerfertig und konzentriert widmen sich die Inder im Göppinger Christophsbad ihrer diffizilen Aufgabe. Foto: Ines Rudel

Göppingen - Normalerweise toben Heranwachsende in der neuen Turnhalle der Kinder- und Jugendpsychiatrie des Christophsbads herum oder erproben ihre Geschicklichkeit an der Kletterwand. Nun wendet sich eine Woche lang das Geschehen eher nach innen und konzentriert sich auf eine gerade mal einen Quadratmeter große Fläche im Zentrum der Halle: Vier buddhistische Mönche aus dem indischen Ladakh lassen dort ein Mandala aus farbigem Sand entstehen. Wer eine Kostprobe dieser meditativen Übung erleben möchte, ist noch bis zum 19. September bei den Andachtsübungen und dem Beobachten der Mandalaentstehung willkommen.

Meditativer Gesang erfüllt die Turnhalle

Tiefes Brummen erklingt. Darüber legt sich ein mehrstimmiger Gesang, dessen träges Tempo den Raum erfüllt. Während sich der Klangteppich bis in die hintersten Winkel ausbreitet, scheint die beruhigende Wirkung des Mönchgesanges ganz unterschiedliche Wirkungen auf die Gäste der Eröffnungsfeier im Christophsbad auszuüben. Manche Besucher sitzen mit einem versunkenen Gesichtsausdruck da, andere verfolgen jede Bewegung der vier indischen Akteure höchst interessiert.

Puja nennt sich diese 30-minütige öffentliche­ Andachtsübung, mit der die Mönche jeden Tag ihres Aufenthalts in Göppingen beginnen und enden lassen. So eine Puja kann auch der Auftakt für die daran­ anschließende Streuung des Sandmandalas sein. Eine weitere Konzentrationsübung, die jeweils mehrere Stunden andauert. Boris Schößler, Leitender Oberarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie, bezeichnet dieses konzentrative Element als eine gute Idee an einer Stelle, wo sonst das aktionistische und sportliche Geschehen im Vordergrund stünde. Zumal es die schönen neuen Räume verdient hätten, wenn man sie mit anderen teile.

Der Raum ist mit Tempelvorhängen und Gebetsfahnen geschmückt

Bei der Eröffnungszeremonie teilen sich neben den weitgereisten Mönchen zahlreiche Besucher, Mitarbeiter und Patienten­ das Erlebnis. Außer dem exotischen Musikgenuss, bei dem auch Schlaginstrumente und Glocken zum Einsatz kommen, bietet die Zeremonie auch viel fürs Auge: Der ganze Raum ist mit prächtigen buddhistischen Tempelvorhängen und Bildern geschmückt. Und auch die Mönche ergänzen während der Zeremonie ihre zunächst eher schlichte Kleidung mit imposantem Kopfputz und üppig bestickten Krägen aus Brokatstoffen, die sie nach Gebrauch wieder sorgfältig zusammenfalten und verschnüren.

Nicht fehlen dürfen hier außerdem die typischen tibetischen Gebetsfahnen, mit deren Hilfe die Fürbitten in den Himmel getragen werden sollen.

Übrigens ist das aus buntem Sand entstehende Mandala, das den buddhistischen Kosmos und seine reiche Symbolik abbilden soll, nur ein Kunstwerk auf Zeit. Am Ende des Aufenthalts werden die Mönche den Sand zusammenfegen und im Rahmen einer Zeremonie in die Fils streuen.

Reisenotizen aus Klein-Tibet

Die buddhistischen Mönche sind noch bis zum 19. September auf Vermittlung der Volkshochschule Bad Boll im Christiophsbad zu Gast. Besucher können täglich bei der Andachtsübung von 9 bis 9.30 Uhr und der Sandmandalastreuung von 9.30 bis 12 Uhr sowie von 14 bis 17.30 Uhr im Haus 25 zuschauen.

Am Donnerstag, 14. September, lädt die Klinik um 18.30 Uhr zum Reisebericht über die Heimat der Mönche ein: Ladakh, das auch Klein-Tibet genannt wird. Die Bedeutung der Mandalas wird am Montag, 18. September, um 18.30 Uhr erklärt. Am Dienstag, 19. September, wird der Sand um 17.30 Uhr im Rahmen einer Feier in die Fils gestreut.