Industrie 4.0 Keine Angst vor dem Roboter

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Wirtschaft und Politik kennen ein neues Modewort: Industrie 4.0. Die digitale Vernetzung von Mensch und Maschine mit einer neuen Stufe der Automatisierung wird massive Veränderungen der Arbeitswelt mit sich bringen. Die IG Metall will vorne mitmischen.

Der Roboter hat in der Autoproduktion – wie hier im Leipziger Porsche-Werk  – längst Einzug gehalten. Ganz überflüssig wird der Mensch aber wohl nicht werden. Foto: dpa-Zentralbild
Der Roboter hat in der Autoproduktion – wie hier im Leipziger Porsche-Werk – längst Einzug gehalten. Ganz überflüssig wird der Mensch aber wohl nicht werden.Foto: dpa-Zentralbild

Die Zukunft hat längst begonnen – die Automatisierung und Digitalisierung ist in Vorzeigeunternehmen der Metall- und Elektroindustrie in vollem Gang. Dennoch bringt der Modebegriff Industrie 4.0 viel Schwung in die Diskussion über die Arbeitswelt von morgen. Wissenschaftler treiben den Prozess genauso voran wie vorausschauende Akteure von Wirtschaft und Gewerkschaft. Die Bundesregierung und die Landesregierung in Baden-Württemberg forcieren ihn mit einer großzügigen Förderpolitik. Nun gilt es, die Unternehmen und ihre Belegschaften in der Breite einzubinden, um für die Zukunft zu sein. Aus Sicht der Beschäftigten stellen sich elementare Fragen:

Wann kommt Industrie 4.0?

Industrie 4.0 ist zunächst nur ein Marketingbegriff und seit gut drei Jahren in der Welt. „Industrie 4.0 ist ein Kunstwort, in das viel hineininterpretiert wird“, sagt Wilhelm Bauer, der Leiter des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) in Stuttgart, das den Prozess von Anfang an begleitet. Die Erwartungen seien teilweise überzogen. „Technische Systeme müssen entwickelt, realisiert und finanziert werden – deswegen kommt 4.0 nicht über Nacht.“ Vielmehr handele es sich um eine Weiterentwicklung der Produktionssystematik und -logik – um eine Evolution statt Revolution. „Bis alle Fabriken durchgängig digital vernetzt und alle Prozesse und Wertschöpfungsketten durchgängig vollautomatisiert sind, wird noch Zeit vergehen“, sagt der Professor. „Es kann zehn bis 15 Jahre dauern, bis wir zu einem Reifegrad gekommen sind, bei dem wir sagen können: Das ist die Industrie 4.0.“ Dann werden viele Vorstellungen umgesetzt sein, andere nicht.

Sind menschenleere Fabriken das Modell für die Zukunft?

Eine menschenleere Fabrik hält wohl niemand für realistisch oder gar wünschenswert. Die Masse der Beschäftigten werde auf Dauer direkt im Betrieb tätig sein, sagt IG-Metall-Vize Jörg Hofmann voraus. Die Entwicklung könne aber in zwei Richtungen weisen: Möglich sei, dass der Mensch noch mehr zurückgedrängt werde und verbliebene Lücken im Automatisierungsprozess durch einfache Tätigkeiten schließe. „Dann hätten wir eine noch stärkere Spreizung zwischen den hochqualifizierten Tätigkeiten und dem Bereich der Einfachstarbeit – zu Lasten von qualifizierter Fach- und Ingenieurarbeit.“ Die IG Metall favorisiert daher einen anderen Weg: Mit Hilfe von Industrie 4.0 sollen belastende, sehr einfache Tätigkeiten automatisiert und stattdessen die Tätigkeit von Facharbeitern aufgewertet werden, indem die Arbeitssysteme mit mehr Handlungsspielraum und Verantwortung verbunden werden.