Initiative von EU und Land Rettungsplan für den Juchtenkäfer

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Die EU-Kommission und das Agrarministerium des Landes wollen das Überleben des bedrohten Insekts sichern. Zwar nicht unbedingt im Stuttgarter Schlossgarten. Aber anderswo muss das Land mehr für artgerechte Biotope, sprich: große alte Bäume sorgen.

Der Juchtenkäfer lebt in großen alten Bäumen. Durch den Polizeieinsatz im Foto: dpa 4 Bilder
Der Juchtenkäfer lebt in großen alten Bäumen. Durch den Polizeieinsatz imFoto: dpa

Stuttgart - Die EU-Kommission hatte eine gute und eine weniger gute Nachricht für den „Parkschützer“ aus Stuttgart. Seine Beschwerde wegen Artenschutzverstößen beim Juchtenkäfer, so die weniger gute, werde abgewiesen: Die Generaldirektion Umwelt habe beim Projekt Stuttgart 21 keinen Verstoß gegen europarechtliche Vorgaben feststellen können.

Die deutschen Behörden hätten im Zusammenhang mit dem Bahnprojekt alle „erforderlichen Untersuchungen und Maßnahmen“ zum Schutz besonders gefährdeter Arten getroffen, teilte der zuständige Referatsleiter unlängst mit. Dies gehe aus den Informationen der Dienststellen hervor, die man in Sachen Juchtenkäfer um Stellungnahme gebeten habe. Unabhängige Untersuchungen, wunderte sich der Petent, hätten offenbar nicht stattgefunden. Sonst hätte Brüssel die Zerstörung zweier Brutbäume rügen müssen, die ein eklatanter Verstoß gegen Artenschutzregeln gewesen sei.

Der Krabbler braucht Altholz und Totholz zum Brüten

Die frohe Kunde der Kommission: unabhängig von S 21 habe man die deutschen Behörden ersucht, „ein Programm zur Verbesserung des derzeit schlechten Erhaltungszustands des Juchtenkäfers in Baden-Württemberg zu erstellen“. Als Reaktion sei auf das Alt- und Totholzkonzept des Landes verwiesen worden, das einige Maßnahmen enthalte, „die dem Juchtenkäfer zugutekommen“. Zugleich habe der Südweststaat ein Artenhilfskonzept für den Krabbler angekündigt, das 2013 erarbeitet und 2014 umgesetzt werden solle.

Landesweit sollten dazu Bestände erfasst, Konzepte entwickelt und „zu jedem einzelnen Vorkommen“ Maßnahmen geplant werden. So komme ein „kontinuierlicher Prozess“ zum Schutz der seltenen Käferart in Gang. Von einem expliziten Auftrag aus Brüssel ist auf Anfrage beim zuständigen Agrarministerium zwar keine Rede, aber das Ressort von Alexander ­Bonde (Grüne) bestätigt: Im Rahmen der aktuell anstehenden Berichtspflicht habe sich gezeigt, dass es um den Juchtenkäfer in Baden-Württemberg „ungünstig-schlecht“ – so die offizielle Kategorie – bestellt sei. Daher sei er in das Artenhilfskonzept aufgenommen worden, mit dem das Land seine europarechtlichen Schutzpflichten erfülle.

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Heimische Pflanzen bevorzugen: Den Allergikern wird’s freuen, dass einige Platanen im Schlosspark entfernt wurden. Die fremdländischen Gewächse die vor 250 Jahre eingeschleppt wurden können „während der gesamten Vegetationsperiode kann das Einatmen abfallenden oder abgestreiften Haarstaubs bei empfindlichen Menschen eine Reizung der Bronchien, den sogenannten Platanenhusten, auslösen.“ Ohne Abstell.- und Rangierbahnhof in der Stadtmitte (!) wird die Luftqualität, dank 200.000 m2 mehr Park und 5.000 neuen Bäumen erheblich besser, gerade während der Sommerhitze, sollte S 21 sich auf die Lebensqualität im Stuttgarter Kessel spürbar auswirken. Tunnelbahnhöfe benötigen keine Weichenheizungen um im Winter zu funktionieren, ein kostenloser Nebeneffekt. Auch wird im Halb-Tiefbahnhof immer die gleiche Temperatur herrschen, im Sommer kühl und im Winter warm, ganz ohne extra Energie. Dafür sorgen die Züge beim ein.- und ausfahren. Vorbei werden die Zeiten sein, im man im Schneesturm auf seinen verspäteten Zug warten mußte. 0-Energiehäuser werden teil ebenfalls halb tief gebaut, was zu enormen Energieeinsparungen führt.

Zum Wegschmeißen lustig: Jetzt kriegen die Badenser auch den Juchtenkäfer! Das arme Vieh muss jetzt den Nationalpark retten, nein, wie lustig! Tja, so ist das, wenn man GRÜN wählt!

Landesregierung sollte Fehler nicht wiederholen: Schon 2009 beklagte die Behörde, in den vergangenen Jahren seien „an mehreren Standorten besiedelte beziehungsweise zukünftige Brutbäume gefällt“ worden. Wenn der Juchtenkäfer nicht aussterben solle, seien „umfangreiche Schutzmaßnahmen“ nötig. Im Jahr darauf fielen dann die ersten Bäume im Stuttgarter Schlossgarten. So sieht's halt aus, wenn Mappus' CDU-geführte Landesregierung den Halbtiefschräghaltepunkt auf Biegen und Brechen will ... Die jetzige grün-rote Landesregierung sollte diesen Fehler auf keinen Fall wiederholen. Noch stehen die Bäume am Rande des Schloßgartens und am Rosenstein ... noch ...

Straftaten der Landesregierungen und der Bahn: Der Artikel bestätigt, was für ein Verbrechen an wertvollstem Lebensraum im Schloßgarten die grün-rote Landesregierung am 14.02. ff. vor einem Jahr begangen hat, indem sie rechtswidrig und ohne Grundlage den Schloßgarten roden ließ. Nicht weniger schlimm als der Schwarz-Gelbe Filz dasselbe Verbrechen am 30.09.2010 beging, damals sogar entgegen ausdrücklicher Verbote und mit einem bürgerkriegsähnlichen bewaffneten Angriff seiner Polizeisoldateska auf rechtstreue Bürger. An die mitschreibenden, im textverstehenden Lesen leider offenbar nicht geübten Proler: Bei beiden von der Bahn und der jeweiligen Landesregierung gemeinschaftlich begangenen vorsätzlichen Umweltstraftaten - Strafmaß 6 Monate Mindesthaftstrafe bis 5 Jahre - wurde die Vernichtung von Juchtenkäferbrutstätten und Juchtenkäfern amtlich nachgewiesen. Nachzulesen im Schlußbericht des Untersuchungsausschusses des Landtags zum 30.09. und in den Pressemitteilungen u.a. der Bahn selbst vor knapp einem Jahr.

Eklatante Verstöße ?: Ach sehr interessant, hat man geplant, denn ganzen Schlosspark abzuholzen. Dieser Bahn traue ich alles zu. Außer einem gigantischen Schuldenberg und einem Trümmerfeld, wird uns diese Bahn nichts hinterlassen. Was für eine verkommene Gesellschaft.

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