Initiative von EU und Land Rettungsplan für den Juchtenkäfer

Andreas Müller, 15.02.2013 11:30 Uhr

Stuttgart - Die EU-Kommission hatte eine gute und eine weniger gute Nachricht für den „Parkschützer“ aus Stuttgart. Seine Beschwerde wegen Artenschutzverstößen beim Juchtenkäfer, so die weniger gute, werde abgewiesen: Die Generaldirektion Umwelt habe beim Projekt Stuttgart 21 keinen Verstoß gegen europarechtliche Vorgaben feststellen können.

Die deutschen Behörden hätten im Zusammenhang mit dem Bahnprojekt alle „erforderlichen Untersuchungen und Maßnahmen“ zum Schutz besonders gefährdeter Arten getroffen, teilte der zuständige Referatsleiter unlängst mit. Dies gehe aus den Informationen der Dienststellen hervor, die man in Sachen Juchtenkäfer um Stellungnahme gebeten habe. Unabhängige Untersuchungen, wunderte sich der Petent, hätten offenbar nicht stattgefunden. Sonst hätte Brüssel die Zerstörung zweier Brutbäume rügen müssen, die ein eklatanter Verstoß gegen Artenschutzregeln gewesen sei.

Der Krabbler braucht Altholz und Totholz zum Brüten

Die frohe Kunde der Kommission: unabhängig von S 21 habe man die deutschen Behörden ersucht, „ein Programm zur Verbesserung des derzeit schlechten Erhaltungszustands des Juchtenkäfers in Baden-Württemberg zu erstellen“. Als Reaktion sei auf das Alt- und Totholzkonzept des Landes verwiesen worden, das einige Maßnahmen enthalte, „die dem Juchtenkäfer zugutekommen“. Zugleich habe der Südweststaat ein Artenhilfskonzept für den Krabbler angekündigt, das 2013 erarbeitet und 2014 umgesetzt werden solle.

Landesweit sollten dazu Bestände erfasst, Konzepte entwickelt und „zu jedem einzelnen Vorkommen“ Maßnahmen geplant werden. So komme ein „kontinuierlicher Prozess“ zum Schutz der seltenen Käferart in Gang. Von einem expliziten Auftrag aus Brüssel ist auf Anfrage beim zuständigen Agrarministerium zwar keine Rede, aber das Ressort von Alexander ­Bonde (Grüne) bestätigt: Im Rahmen der aktuell anstehenden Berichtspflicht habe sich gezeigt, dass es um den Juchtenkäfer in Baden-Württemberg „ungünstig-schlecht“ – so die offizielle Kategorie – bestellt sei. Daher sei er in das Artenhilfskonzept aufgenommen worden, mit dem das Land seine europarechtlichen Schutzpflichten erfülle.