Inklusion Freizeitbörse für behinderte Menschen

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Spaziergänge, Federball spielen oder auch der Besuch einer Ausstellung: Für Menschen mit einer Behinderung sind viele Freizeitaktivitäten nur eingeschränkt möglich. Eine neue Internetseite soll helfen, Unterstützer zu finden.

Menschen, die etwa nur eingeschränkt mobil sind, freuen sich über eine Begleitung, mit der sie zum Beispiel Ausstellungen besuchen können. Foto: Fnoxx/Arnulf Hettriche
Menschen, die etwa nur eingeschränkt mobil sind, freuen sich über eine Begleitung, mit der sie zum Beispiel Ausstellungen besuchen können.Foto: Fnoxx/Arnulf Hettriche

Stuttgart - Dorothee K. sucht jemanden, der mit ihr Federball oder Tischkicker spielt. Stefanie M. würde gerne mit jemandem spazieren oder ins Kino gehen. Michael M. möchte mit einem Mann zusammen Fußball gucken. Die drei eint, dass sie eine Behinderung haben. Über die neue Assistenzbörse www.machen-wir-was.de des Vereins „Kultur für alle Stuttgart“ suchen sie nach Menschen, die Lust haben, mit ihnen etwas zu unternehmen.

Die Stadt Stuttgart hat den Verein mit der Assistenzbörse beauftragt. „Es ist ein innovatives und einzigartiges Projekt, wo etwas ganz Neues ausprobiert wird“, sagt die zuständige Abteilungsleiterin im Sozialamt, Gabriele Reichhardt. Von Menschen mit Behinderung sei immer wieder an die Stadt herangetragen worden, dass es ihnen an Assistenz fehle für Unternehmungen. „Auch im Inklusionsbeirat kam der Wunsch nach einer nicht professionellen Begleitung auf Augenhöhe auf“, berichtet Reichhardt. Sie ist begeistert von der Internetseite, die seit kurzem online ist und hofft, dass sich möglichst viele registrieren. Die Projektmittel, 60 000 Euro verteilt auf die Jahre 2014 und 2015, stammen vom Kommunalverband für Jugend und Soziales (KVJS).

Wer teilnehmen will, muss sich registrieren

„Wir wollen versuchen, Teilhabe zu ermöglichen“, sagt die Geschäftsführerin von „Kultur für alle Stuttgart“, Eva Ringer. Das gelte zum einen für arme Menschen, aber auch für Menschen mit Behinderung. Das Internetportal vernetzt in einem ersten Schritt Menschen wie ein eigenes soziales Netzwerk. Nur wer sich registriert, kann auf die Profile zugreifen und mit anderen in Kontakt treten. Voraussetzung für die Registrierung ist für alle ein polizeiliches Führungszeugnis, das man im Bürgerbüro bekommt. Dieses sei aber kostenlos, man bekomme eine entsprechende Bescheinigung von „Kultur für alle“, berichtet der Projektmitarbeiter Jochen Gabriel.

Nicht nur Assistenzsuchende, sondern auch erste ehrenamtliche Freizeitpartner hätten sich schon registriert, berichtet Gabriel. „Es macht Spaß, es erweitert den Horizont“, sagt er über die Seite. Bei der Ideenfindung zu Beginn der Projektphase seien auch Menschen mit Behinderung eingebunden gewesen. Einige der Ideen, die auf dem Papier stehen, sind noch nicht umgesetzt. Das soll sich aber nach und nach ändern. Der nächste Schritt sei ein Forum, in das man auch spontane Angebote einstellen könne, nach dem Motto: Habe eine Karte für das VfB-Spiel am Wochenende übrig, wer begleitet mich?

Neue Assitenten werden geschult

Ende Februar und Anfang März präsentiert „Kultur für alle“ die Seite in verschiedenen Einrichtungen, zum Beispiel im Körperbehindertenverein. Für potenzielle Assistenzgeber bieten die Macher eine Schulung an, zum Beispiel zur Frage, was man als Assistent leisten muss. „Da gibt es Unsicherheiten“, erklärt Katharina Kulakow, die ebenfalls beim Projekt mitarbeitet. Und was ist, wenn sich herausstellt, dass man das Gegenüber nicht mag? „Persönlichkeit geht über Behinderung“, betont Kulakow. Auch das sei eine Art Gleichberechtigung, das klar äußern zu können. Schwierig sei die Nutzung der Seite natürlich für Leute ohne regelmäßigen Internetzugang, sagt Jochen Gabriel. Eine Frau habe ihnen berichtet, dass sie immer nur alle paar Wochen ins Netz kommt. Hier seien auch die Träger der Wohngruppen gefragt, das zu verbessern.

„Kultur für alle Stuttgart“ hat in einem weiteren Projekt in einer Broschüre zusammengefasst, wie barrierefrei welches Kulturangebot in Stuttgart ist. Eine Arbeitsgruppe hat für das Projekt die Kultureinrichtungen vor Ort besucht, um vorhandene Barrieren zu analysieren. Außerdem gab es einen Fragebogen zur Selbsteinschätzung, den die Einrichtungen ausgefüllt haben. Ziel des Projekts sei, die Situation zu verbessern, so Eva Ringer.