Innovationspreis des Landes verliehen Kreative Mittelständler ausgezeichnet
Ulrich Schreyer, 24.11.2011 17:00 Uhr
Wirtschaftsminister Schmid hat die Preise vergeben. Foto: dpa
Wirtschaftsminister Schmid hat die Preise vergeben. Foto: dpa
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Stuttgart - Der Preis gilt als Beweis – so jedenfalls sieht es der den baden-württembergische Wirtschaftsminister Nils Schmid. Bei der Verleihung des Dr.-Rudolf-Eberle-Preises sagte Schmid, diese Auszeichnung beweise „immer wieder aufs Neue“ dass es im Südwesten eine Vielzahl von engagierten und innovativen Unternehmen“ gebe. Der Wille, „sich nur mit dem Besten zufrieden zu geben“ sei für zahlreiche Unternehmen ein Ansporn, sich um den Preis zu bewerben. Insgesamt sandten in diesem Jahr 105 Unternehmen ihre Unterlagen ein, 33 mehr als 2010. Die Tüftler im Lande zeichneten sich aus durch Kreativität, Wissen und Neugier, aber auch durch ein unermüdliches Streben nach Verbesserungen, sagte Schmid. Ziel seiner Wirtschaftspolitik sei es, mittelständische Unternehmen zu Innovationen zu ermuntern. Vergeben wurden fünf Preise des Landesregierung und ein Sonderpreis der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft.

Die Licos Trucktec GmbH aus Markdorf am Bodensee wurde mit dem ersten Preis ausgezeichnet. Das Unternehmen hat als weltweit erstes eine Kupplung für Wasserpumpen für Nutzfahrzeuge entwickelt, mit er sich die Arbeit der Pumpe je nach Bedarf regeln lässt. So braucht etwa ein Lastwagen an einer Steigerung mehr Kühlwasser als auf langen ebenen Strecken. Nach Angaben des Unternehmens lassen sich damit im Jahr durchschnittlich 500 Liter Kraftstoff sparen. „Das sind etwa die Kosten, die für die Maut aufgebracht werden müssen,“ meint Geschäftsführer Rainer Kraft. „Ein Lastwagen braucht damit ein halbes bis ein Prozent weniger Benzin als ohne eine solche Pumpenkupplung“. Diese sei ein Schritt zu dem Ziel, den Kraftstoffverbrauch um zehn bis 20 Prozent zu senken. Natürlich kostet eine Pumpe mit Kupplung etwas mehr. „In einem halben Jahr oder in einem Jahr amortisiert sich dies allerdings.“ Für das Unternehmen, das 60 Mitarbeiter beschäftigt und seinen Umsatz in diesem Jahr von zwölf auf 15 Millionen Euro steigern will, ist nicht nur das Preisgeld von 20 000 Euro interessant. „Der Preis ist für uns auch ein Ansporn. Er zeigt, dass wir nach vielen Mühen auf dem richtigen Weg sind“, sagt der Geschäftsführer.

Die Carl Meiser GmbH & Co. KG aus Albstadt hat ein Verfahren entwickelt, mit dem Kaschiermaterialien wie Kunstleder in Fahrzeugen besser als bisher verklebt werden können. Dabei wird das Material nichtmehr komplett mit Klebstoff bestrichen, sondern nur an bestimmten Teilen. Dadurch wird der Verbrauch von Klebstoff reduziert, zudem kann das Material problemlos gelagert und geschnitten werden. Der Klebstoff wird mit dem neuen Verfahren nicht erst wie üblich, beim Kunden, etwa einem Autohersteller, auf die Kaschiermaterialien gebracht. Dies geschieht bereits in Albstadt. Beim Kunden muss das Material dann nur noch erwärmt werden, um zu kleben. Der Klebstoff ist außerem frei von Lösungsmitteln, seine Verarbeitung also umweltfreundlicher und besser für die Beschäftigten. Das Unternehmen aus Albstadt beschäftigt 35 Mitarbeiter, macht aber keine Angaben zum Umsatz. Dieser dürfte aber das Preisgeld von 10 000 Euro bei weitem übertreffen

Tragbares Gerät zur Tiefenhirnstimulation entwickelt

Die Inomed Medizintechnik GmbH aus Emmendingen präsentierte der Jury ein tragbares Gerät zur Tiefenhirnstimulation. Mit diesem Gerät, das äußerlich einem Laptop ähnelt, kann herausgefunden werden, an welchen Stellen im Gehirn sich Stimulatoren am besten einsetzen lassen. Behandelt werden mit solchen Stimulatoren etwa psychische Erkrankungen wie Depressionen, aber auch chronische Schmerzen. Das Unternehmen mit rund 100 Mitarbeitern macht einen Umsatz von etwas mehr als zehn Millionen Euro. Die Neuentwicklung war der Jury ein Preisgeld von 10.000 Euro wert.

Die MTS Gesellschaft für Maschinen und Sonderbauten mbH aus Hayingen auf der Schwäbischen Alb wurde für Gerätschaften ausgezeichnet, die sich an Baggern anbringen lassen. Rüttler, die etwa bei Straßenbauarbeiten das Erdreich verfestigen, werden schon traditionell und von Hand verwendet. MTS will diesen Prozess automatisieren. Die „Anbauverdichter“, wie es im Fachjargon heißt, gibt es in unterschiedlichen Ausführungen. Der Baggerführer kann diese „in Sekundenschnelle“, wie das Unternehmen erklärt, von seinem Fahrersitz aus austauschen, da beispielsweise nichts verschraubt werden muss. Mit 50 Mitarbeitern erzielt MTS einen Umsatz von elf Millionen Euro. Das Unternehmen aus dem Ort mit dem bekannten Naturtheater hat den Preisrichtern kein Theater vorgespielt, sondern eine Innovation präsentiert, für die es 5000 Euro erhielt.

Die Meißner GmbH Toranlagen aus Kehl hat ein Antriebssystem für Rolltore von Tiefgaragen entwickelt, das erkennt, ob es an den Rolltoren eine Gewichtsveränderung gibt – etwa weil Kinder sich einen Spaß daraus machen, sich an die Tore zu hängen und mit diesen hochzufahren. Das kann üble Verletzungen zur Folge haben. Das System aber erkennt jede Gewichtsveränderung am Tor, die größer ist als fünf Kilogramm – und es kann auch feststellen, ob etwa ein Kind mit seinem Dreirad unter dem Tor ist, wenn dieses schließen will. Auch dann wird sofort abgeschaltet. Lichtschranken, die üblicherweise bei Rolltoren verwendet werden, sind bei dem Antriebssystem des Unternehmens mit 48 Beschäftigten und einem Umsatz von sechs Million Euro nicht nötig. Wohl aber hat die Erfindung den Badenern ebenfalls ein Preisgeld von 5000 Euro gebracht.

Die Confira Werkstoff GmbH aus dem hohenlohischen Neuenstein hat einen Dämmstoff entwickelt, dem Wasser nichts ausmacht. Herkömmliche Dämmstoffe verlieren ihre Dämmfähigkeit, wenn sie feucht oder gar nass werden. Auch an feuchten Stellen saugt sich das Produkt aus Neuenstein nicht voll, sondern dämmt weiter. Der Dämmstoff kann zu Platten geschnitten werden und in Gebäuden, Gießereien oder im Anlagen- und Behälterbau verwendet werden. Wie der Dämmstoff zu seiner speziellen Art kommt, verrät das Unternehmen nicht. Nur soviel: Es gibt vier Gesellschafter, davon arbeiten zwei in der erst Anfang 2009 gegründeten Firma. Der Umsatz liegt unter einer Million Euro. Einer der Gesellschafter ist offenbar ein Meister der „Hydrophobierung“ – mit seiner Arbeit verpasst er dem Dämmstoff seine speziellen Qualitäten. Doch der Schleier des Geheimnisses über diesem Vorgang wird von den Hohenlohern nicht gelüftet. Angedeutet wird immerhin, dass man sich darunter eine Art Hexenküche vorstellen könne. Die Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Baden-Württemberg (MBG) ließ sich von der Hexerei nicht abschrecken und belohnte das Unternehmen mit einem Sonderpreis in Höhe von 7500 Euro.

Kommentare (1)
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NOV
25
heba, 08:43 Uhr

Jubelmeldungen...

Immer diese (Selbst)Beweihräucherungen....kostet nur Steuergeld...!!!

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