Integrationspolitik im Wandel
Erkenntnis durch Pisa-Schock
Sibylle Thelen,
09.09.2010 06:41 Uhr
Aygül Ozkan ist Deutschlands erste türkischstämmige Ministerin. Foto: dpa
Den Initialschock löste die Pisa-Studie 2000 aus. Sie ergab: Schüler mit Migrationshintergrund sind (wie auch Kinder aus sozial schwachen Familien generell) im deutschen Bildungssystem deutlich benachteiligt. Ausländische Jugendliche machen seltener Abitur als ihre deutschen Altersgenossen. Überdurchschnittlich viele verlassen die Schule ohne Abschluss.
Und auch das ist bekannt: seit zwanzig Jahren wird es für Jugendliche mit Migrationshintergrund immer schwieriger, einen Ausbildungsplatz zu finden. Diese strukturelle Benachteiligung gilt auch dann, wenn Bewerber die gleichen Abschlussnoten wie ihre deutschen Konkurrenten vorweisen können. Besonders markant ist die Ungleichbehandlung im Fall von Zuwanderern türkischer Herkunft. Positiv: haben die Jugendlichen eine Lehrstelle, stehen ihnen weitere Türen offen. Die nüchterne Wahrnehmung der Lage schärft sich seit Pisa. Viele haben dazu beigetragen. Forscher, Stiftungen und Migranten, die sich auch mit heiklen Themen wie Männlichkeitswahn und Ehrenmord befassen. Der Erziehungswissenschaflter Ahmet Toprak schreibt in seiner Studie "Das schlechte Geschlecht - die türkischen Männer" (2005): "Obwohl es sich um in Deutschland sozialisierte junge Männer handelt, ist ihnen die Denk- und Funktionsweise der Mehrheitsgesellschaft nicht wirklich vertraut."
Keine Integration ohne die Eltern
Wer sich mit Integrationspraktikern unterhält, hört öfter Kommentare wie diesen: "Ich habe mir abgewöhnt, nach hinten zu schauen und die Versäumnisse zu beklagen. Wichtig ist, dass es vorangeht." Bewegung ist an vielen Stellen: Die Bedeutung der frühkindlichen Pädagogik wächst in der allgemeinen Wahrnehmung, ebenso jene von Ganztagsschulen samt Betreuungsangeboten für benachteiligte Heranwachsende. Von beidem profitieren gerade auch Kinder und Jugendliche aus Zuwandererfamilien. Diese Erkenntnis war nicht leicht zu erzielen, denn sie kollidiert mit dem Ideal der heilen Familie.
Der Konsens, dass die Fremdbetreuung trotzdem vorangetrieben werden muss, wurde mühsam erarbeitet. Erste Schritte zur Umsetzung sind getan. Ein weiterer Konsens bahnt sich an: dass es ohne die Eltern nicht geht. In Pilotprojekten wie in Baden-Württemberg soll die gezielte Zusammenarbeit mit Migranteneltern auf Touren gebracht werden. Und auch das wird Konsens: Vorbilder helfen mit, noch aber sind Migranten an vielen Stellen, besonders beim Staat, unterrepräsentiert. Ansätze zu einem Konsens zeigen sich auch in der Wirtschaft: Immerhin 600 Unternehmen haben die "Charta der Vielfalt" unterzeichnet.
Augenmerk liegt auf Bildung, Ausbildung und Beruf
"Das Thema Integration ist eines der wichtigsten unserer Zeit", hat Bundeskanzlerin Merkel nun festgestellt. Der Superlativ ist angemessen. Die zu bewältigenden Aufgaben sind groß. Zwei Expertenstimmen skizzieren das Feld.
Zum einen der Sachverständigenrat für Integration und Migration, der in seinem Jahresgutachten 2010 rät, "das Augenmerk stärker auf Chancengleichheit in den Bereichen Bildung, Ausbildung und Arbeit zu richten und sich weniger auf die Problematisierung kultureller und religiöser Unterschiede zu konzentrieren".
Zum anderen das Berlin-Institut, das 2009 mit seiner Studie "Ungenutzte Potenziale" Aufsehen erregte: "Dem Bewusstsein der gesellschaftlichen Schlüsselrolle von Bildung sind bisher kaum Maßnahmen gefolgt, die das Problem an den Wurzeln packen. (...) Das gesamte Schulsystem müsste umgedacht und umgestaltet werden - hin zu einem Zentrum, das sich zugleich um die Bildung, die soziale Kompetenz und die Integration verdient macht - bei allen Kindern."
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An CDU-Wähler/Mitglieder
Wenn in ihrer Partei das "C" für das Christentum steht, was macht dann Aygül Ozkan in ihrer Partei???!!! Mal darüber nachdenken und dann einen CDU-Abgeordneten ihres Vertrauens dazu befragen!!!!! PS Nicht zu vergessen das diese Frage auch noch auf weitere CDU-Mitglieder (z.B. ein verurteilter Drogenkonsument) zutrifft.
Millionster GA
Als millionster Gastarbeiter wurde bereits 1964 ein Portugiese namens Rodrigues auserkoren, welcher zur Begrüßung in Köln ein Moped erhielt!? Einen Sprachkurs bekam dieser jedenfalls sicherlich auch nicht.