KommentarIntegrative Onkologie Impuls fürden Standort

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Das neue Angebot des Robert-Bosch-Krankenhauses, das nun auch Naturheilkunde und andere Methoden der integrativen Onkologie anbieten wird, könnte einen Impuls zur Weiterentwicklung der Krebsheilkunde am Standort bieten.

Am Robert-Bosch-Krankenhaus werden neue Wege beschritten. Foto: factum/Granville
Am Robert-Bosch-Krankenhaus werden neue Wege beschritten.Foto: factum/Granville

Stuttgart - Nach den Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist Krebs die zweithäufigste Todesursache in Deutschland. Entsprechend groß sind die Anstrengungen der Medizin, in der Behandlung dieser Erkrankung Fortschritte zu erzielen. Vieles ist hier in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten geschehen.

Das lässt sich am Beispiel Stuttgarts zeigen. Die vier großen Häuser verfügen über sehr leistungsfähige Krebszentren, die sie in den vergangnen Jahren nochmals deutlich ausgebaut haben. So haben alle zum Beispiel Millionenbeträge in die Verbesserung ihrer Strahlentherapien gesteckt.

Onkologischer Schwerpunkt seit den 80er Jahren

Schon in den 80er Jahren haben sich die großen Krankenhäuser in der Landeshauptstadt zum OSP, dem Onkologischen Schwerpunkt Stuttgart, zusammengetan. Die Experten tauschen sich aus, man entwickelt gemeinsam Behandlungsleitlinien. Im Lauf der Jahre hat der Verbund ein lokales Krebsregister aufgebaut, das anders als manch andere Einrichtung dieser Art über eine brauchbare Datengrundlage verfügt.

Dieses Miteinander kann aber nicht ­darüber hinwegtäuschen: der Wettbewerb unter den Stuttgarter Häusern steigt. Das hat nicht zuletzt damit zu tun, dass auch in der Region leistungsfähige Krebszentren bestehen. So ergab eine Auswertung vor Jahren, dass fast zwei Drittel der Krebspatienten im OSP-Verbund aus umliegenden Landkreisen oder von weiter her kamen. Dieser Anteil hat etwas abgenommen.

International ist die Entwicklung schon weiter

Vor diesem Hintergrund ist das neue Angebot des Robert-Bosch-Krankenhauses bemerkenswert, wo man künftig neben der Schulmedizin auch naturheilkundliche Behandlungsverfahren praktizieren will. Gewiss, man steckt noch in den Anfängen. Und Wunder wirken kann auch die integrative Onkologie nicht. Die Nachfrage nach alternativen Heilmethoden ist unter Patienten und vor allem bei Patientinnen, die an Krebs leiden, jedenfalls sehr groß.

Welchen Scharlatanen diese in ihrer Not oft in die Fänge geraten, hat erst kürzlich eine große Reportage in dieser Zeitung gezeigt. Schon deshalb ist es wichtig, Naturheilverfahren bei Krebs stärker im klinischen Bereich zum Thema zu machen. Man schließt damit im Übrigen zu einem Prozess auf, der international, etwa in den Vereinigten Staaten, schon deutlich weiter ist. Für den hiesigen Standort könnte die Initiative vom Burgholzhof deshalb einen Impuls der Weiterentwicklung setzen.