Intendantengehälter Rufe nach Transparenz
Andreas Müller, 22.01.2012 08:47 Uhr
Das Stuttgarter Staatstheater ist Stadt und Land lieb und teuer – alleine die vier Intendanten samt Generalmusikdirektor erhielten 2008 zusammen fast eine Million Euro. Foto: dpa
Das Stuttgarter Staatstheater ist Stadt und Land lieb und teuer – alleine die vier Intendanten samt Generalmusikdirektor erhielten 2008 zusammen fast eine Million Euro. Foto: dpa
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Stuttgart - In der Diskussion über die Vergütung der Theaterintendanten bekommt der Landesrechnungshof Rückendeckung aus der Politik und vom Steuerzahlerbund. Unterstützung gibt es sowohl für seine Forderung, die Bezüge künftig offenzulegen, als auch für seinen Ruf nach klareren Kriterien für die Bezahlung. Seine Kritik, die Gehälter des Spitzenpersonals seien durchweg "deutlich überhöht", stößt aber auch auf Widerspruch - unter anderem beim Deutschen Bühnenverein.

Die Debatte war durch einen StZ-Bericht über einen internen Prüfbericht der Kontrollbehörde ausgelöst worden. Danach verdienten die vier Intendanten und der Generalmusikdirektor der Stuttgarter Staatstheater im Jahr 2008 zwischen 173.000 und 240.000 Euro - addiert fast eine Million Euro.

Gehälter sprengen übliche Vergütung

Der Bund der Steuerzahler verwies auf den "enormen Zuschussbedarf" der Theater im Land. In der Spielzeit 2008/2009 hätten sie nur knapp 18 Prozent ihrer Ausgaben durch eigene Einnahmen decken können. Angesichts der hohen Staatsverschuldung fordere man schon länger, die Mittel für die Theater - zuletzt 266 Millionen Euro - zu begrenzen.

Vor diesem Hintergrund nannte es der Landesvorsitzende Wilfried Krahwinkel "sehr verwunderlich, in welcher Höhe sich die Bezahlung der Intendanten bewegt". Es sei offensichtlich, dass die vom Rechnungshof ermittelten Gehälter "das Gefüge der sonst üblichen steuerfinanzierten Vergütungen im öffentlichen Bereich sprengen". Zudem sei nicht nachvollziehbar, wie die Gehälter zustande kämen; man müsse darüber nachdenken, einen Teil der Bezahlung an leistungsabhängigen Kriterien zu orientieren.

Laut Krahwinkel wäre es für den Steuerzahlerbund "wünschenswert", dass die einzelnen Gehälter offengelegt werden. Wenn es nicht dazu komme, sollten zumindest die Gesamtzahlungen an die jeweilige Theaterspitze veröffentlicht werden. Auch die Stuttgarter Kulturbürgermeisterin Susanne Eisenmann (CDU) plädierte für eine Offenlegung. "Geheimdiplomatie" sei nicht angebracht, auch in diesem Bereich hätten die Steuerzahler ein Anrecht auf Transparenz. 

Kommentare (4)
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JAN
22
Bediensteter, 22:16 Uhr

Groteske Überversorgung!

Ich arbeite im Öffentlichen Dienst, bekomme ein Gehalt nach den üblichen Maßstäben des Tarifvertrages (also deutlich weniger als jemand in der Industrie) und meine Dienststelle muss seit Jahren an allen Ecken und Enden sparen, weil der Gemeinderat nicht mehr bewilligt hat. Jahr für Jahr wurden die Zusatzleistungen wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld gekürzt bzw. abgeschafft. Wenn ich auch nur eine Stunde nebenher arbeiten wollte, müsste ich mir das als Nebentätigkeit genehmigen lassen. Vor diesem Hintergrund wird mir regelrecht schlecht, wenn ich lese, wie man hier die Leitungsebenen von hoch subventionierten Kulturstätten mit Geld und großzügigen arbeitsvertraglichen Regelungen bezüglich Freistellungen für Gastspiele etc. überschüttet. Das ist zutiefst ungerecht!

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JAN
22
Kretin, 21:21 Uhr

Warum negativ?

Wer vergibt meinem Vorredner ernsthaft negative Bewertungen?

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JAN
22
Karl Heinz Siber, 18:01 Uhr

Windiges Argument

Ein guter und begeisterungsfähiger Theatermann (bzw. Theaterfrau) wird eine Stelle, an der er (sie) hervorragende Arbeitsmöglichkeiten hat, niemals nur deswegen verschmähen, weil es dort üblich ist, dass die Gehälter der Spitzenleute veröffentlicht werden. Wer will schon als Rumpelstilzchen dastehen ("Ach wie gut dass niemand weiß... ")? Dazu kommt ein weiteres: Wenn Baden-Württemberg hier mal mutig vorpreschen würde, statt immer nur ängstlich zu gucken, wie das wohl in der großen Welt ankommt, würden andere Bundesländer und Kulturträger früher oder später nachziehen und ebenfalls die Spitzengehälter veröffentlichen. Dann könnten die Rumpelstilzchen gar nirgends mehr hingehen, und sieh an, es würde ruckzuck gar keine Rumpelstilzchen mehr geben.

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