""Das Areal verfügt über in der Region einmalige Standortgunst.""
Ein Ergebnis der Machbarkeitsstudie
Stuttgart - Zwischen Stuttgart und der Nachbarkommune Leinfelden-Echterdingen hat es - etwa beim Bau der Landesmesse - schon manchen Zwist gegeben. Bei der Planung des interkommunalen Gewerbegebiets am Flughafen aber ziehen beide Städte an einem Strang. Am Mittwoch Abend sollen auch Vertreter der beiden Gemeinderäte bei einer gemeinsamen Sitzung in der Echterdinger Zehntscheuer auf das Vorhaben eingeschworen werden.
Dass ein Gewerbegebiet zwischen dem Flughafen und der Bundesstraße 27 möglich und sinnvoll ist, hat die von beiden Städten gemeinsam in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie ergeben, die der Stuttgarter Zeitung vorliegt. Die Beratungsbüros Hyder Consulting und Deloitte und Touche kommen in ihrer Expertise zu dem Ergebnis, dass das insgesamt 35 Hektar große Areal nahe Messe und Flughafen über eine "in der Region einmalige Standortgunst verfügt". Den Plänen zufolge könnten dort in einem Zeitraum von acht bis zehn Jahren bis zu 12.000 neue hochwertige Arbeitsplätze entstehen.
Als wesentlicher Standortvorteil wird in dem 115.000 Euro teuren Gutachten, dessen Kosten sich beide Kommunen teilen, der im Zuge von Stuttgart 21 geplante Bau des Filderbahnhofs genannt. Eine Verzögerung dieses Projekts könne sich jedoch "auch negativ auf die Standortgunst auswirken", heißt es in dem Papier. Der ebenfalls vorgesehenen Ausbau der B27 auf sechs Spuren werde die Erschließung des Gebiets zusätzlich verbessern. Dem Verkehrslärm will man mit geeigneten Lärmschutzmaßnahmen begegnen. Allerdings: dem von Leinfelden-Echterdingen seit Jahren verfolgten Plan, im Rahmen des Bauvorhabens die B27 im Abschnitt Echterdingen-Ost zu überdeckeln, erteilen die Gutachter aus Kostengründen eine Absage.
Zunächst nur Erschließung des nördlichen Teils
Dass die Kommunalpolitiker einen langen Atem für die Realisierung des Gewerbegebiets brauchen werden, liegt laut Expertise an der kleinteiligen Eigentumsstruktur: Mit rund 250 Grundstücksbesitzern, darunter vielen Landwirten, müssen Verkaufsverhandlungen geführt werden. Eine der größten zusammenhängenden Flächen befindet sich im Besitz der Flughafengesellschaft Stuttgart. Die Verfasser der Machbarkeitsstudie gehen beim Ankauf von Grundstücken von einem Quadratmeterpreis von rund 30 Euro aus. Der Bodenpreis hängt freilich davon ab, wie groß das Gewerbegebiet letztlich ausfällt.
Der südlich gelegene Teil des Areals liegt nämlich in einem regionalen Grünzug und ist derzeit nach dem geltenden Regionalplan nicht genehmigungsfähig. Deshalb soll zunächst nur der nördliche, rund 20 Hektar umfassende Teil erschlossen und vermarktet werden. Dort sollen sich vor allem flughafenaffine Dienstleister ansiedeln, der Südteil könne später erschlossen werden. Zur Entwicklung und Vermarktung des Geländes empfehlen die Gutachter die zügige Gründung eines Zweckverbandes und einer Vermarktungsgesellschaft, in die auch die Flughafengesellschaft eingebunden werden soll.
Sowohl Stuttgarts Finanzbürgermeister Michael Föll als auch der OB von Leinfelden-Echterdingen, Roland Klenk, bewerten das Vorhaben als positiv und zukunftsweisend. In Echterdingen argumentiert man zudem, das Gewerbegebiet werde weiteren Expansionsbestrebungen des Flughafens über die geplante Westerweiterung hinaus einen Riegel vorschieben. Die Grünen in beiden Städten haben dagegen Widerstand angekündigt: Die erneute Versiegelung wertvoller Ackerböden nach dem Bau der Fildermesse sei nicht hinnehmbar, die Grünzäsur zwischen Flughafen und B27 müsse erhalten bleiben. Die Stadtkämmerer bekommen hingegen bei der Aussicht auf Mehreinnahmen glänzende Augen: Auch die Gewerbe- und Grundsteuer wollen sich beide Städte brüderlich teilen.