Internat von Salem
Vorstand unter Druck
Wolfgang Messner,
15.03.2010 19:57 Uhr
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Die Idylle trügt – im Eliteinternat Salem brodelt ein Streit um die neue Leiterin. Foto: AP
Stuttgart/Salem - Die Auseinandersetzung um die Berufung der umstrittenen Rektorin des Alexander-von-Humboldt-Gymnasiums im bayerischen Schweinfurt, Monika Zeyer-Müller, zur neuen Schulleiterin des Internats in Salem wird heftiger. Im Vorfeld einer Versammlung von Lehrern, Schülern und Eltern zu dem Thema am heutigen Dienstag gerät der Vorstand wegen seines Votums für die in der Kommunalpolitik aktive CSU-Politikerin stark unter Druck.
Wie bekannt geworden war, hatte der fünfköpfige Vorstand der Schule Schloss Salem Anfang März entschieden, die 53-jährige Lehrerin für Deutsch und Englisch zum neuen Schuljahr mit der Leitung des bekanntesten deutschen Internats zu betreuen.
Die Berufung ist bereits jetzt stark umstritten, weil der Pädagogin an ihrer bisherigen Schule, mit 1700 Schülern immerhin das größte Gymnasium Bayerns, von einem Großteil der Lehrer, Schüler und Eltern die Führungskompetenz abgesprochen wird. Zeyer-Müller mangle es an Souveränität, Kommunikationsfähigkeit und Einfühlungsvermögen. In Teilen wird ihr ein autoritärer Führungsstil bis hin zur Herrschsucht vorgeworfen. Unter anderem protestierten im Spätherbst 2009 mehr als 400 Schüler mit einem Sitzstreik gegen Missstände an der Schule wie bauliche Mängel, fehlende Seifen und Klopapier, aber auch ein "Klima der Angst". Für Letzteres wird die Rektorin verantwortlich gemacht. Diese sprach von "Missverständnissen", gelobte Besserung.
Am Dienstag will Monika Zeyer-Müller sich in Salem in einer Mitarbeiterversammlung den Vorwürfen stellen. Im Vorfeld der Veranstaltung kommt massive Kritik an dem Vorgehen des fünfköpfigen Vorstandes um den Hamburger Unternehmer Jochen Spethmann auf.
Der Präsident der Altsalemer Vereinigung, Robert Schöttle, hat in einem Brief an Spethmann einen umfangreichen Fragebogen formuliert. Darin wird Unverständnis über das Vorgehen des Vorstands und Kritik über mangelhafte Kommunikation deutlich. Nach StZ-Informationen war der Prozess weitgehend intransparent. Lediglich der Elternbeiratsvorsitzende war mit einbezogen worden. Unter anderem will Schöttle wissen, ob es zutrifft, dass der Vorstand bereits eine Woche vor der entscheidenden Sitzung des Internatsvereins mit Monika Zeyer-Müller einen Fünfjahresvertrag ohne Probezeit abgeschlossen hat. Schöttle fragt weiter, ob es zutrifft, dass die vom Vorstand eingeschaltete internationale Personalagentur Spencer Stuart 50.000 Euro für ihre Dienste erhalten hat. Das Vorstandmitglied Günter Reinhardt, ein früherer Ministerialdirigent im baden-württembergischen Kultusministerium, sagte, er wisse nicht, was die Agentur erhalten habe. Die Aufregung um Zeyer-Müllers werde sich bald legen. "Ich habe angesichts ihrer hohen Fachkompetenz nicht den geringsten Zweifel, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben", so Reinhardt.
Das sehen Eltern, Schüler und ehemalige Schüler des Eliteinternats anders. In einem offenen Brief an den Vorstand sprechen sie der neuen Leiterin die Qualifikation zur Leitung Salems völlig ab. So fehle Zeyer-Müller unter anderem die "unerlässlichen Erfahrungen in der Internatsarbeit". Auch ihre "pädagogisch-kommunikative Qualifikation" sei fraglich. Die Widerstände beunruhigen die Unterzeichner und erinnern an den "demokratischen Anspruch", der mit Salem seit der Gründung durch Kurt Hahn verbunden sei. Als problematisch wird auch die parteipolitische Ausrichtung der Tochter des früheren saarländischen Ministerpräsidenten Werner Zeyer gesehen. Diese stelle die Unabhängigkeit Salems infrage.
Wie bekannt geworden war, hatte der fünfköpfige Vorstand der Schule Schloss Salem Anfang März entschieden, die 53-jährige Lehrerin für Deutsch und Englisch zum neuen Schuljahr mit der Leitung des bekanntesten deutschen Internats zu betreuen.
Die Berufung ist bereits jetzt stark umstritten, weil der Pädagogin an ihrer bisherigen Schule, mit 1700 Schülern immerhin das größte Gymnasium Bayerns, von einem Großteil der Lehrer, Schüler und Eltern die Führungskompetenz abgesprochen wird. Zeyer-Müller mangle es an Souveränität, Kommunikationsfähigkeit und Einfühlungsvermögen. In Teilen wird ihr ein autoritärer Führungsstil bis hin zur Herrschsucht vorgeworfen. Unter anderem protestierten im Spätherbst 2009 mehr als 400 Schüler mit einem Sitzstreik gegen Missstände an der Schule wie bauliche Mängel, fehlende Seifen und Klopapier, aber auch ein "Klima der Angst". Für Letzteres wird die Rektorin verantwortlich gemacht. Diese sprach von "Missverständnissen", gelobte Besserung.
Schulvorstand wegen Auswahlverfahren in der Kritik
Am Dienstag will Monika Zeyer-Müller sich in Salem in einer Mitarbeiterversammlung den Vorwürfen stellen. Im Vorfeld der Veranstaltung kommt massive Kritik an dem Vorgehen des fünfköpfigen Vorstandes um den Hamburger Unternehmer Jochen Spethmann auf.
Der Präsident der Altsalemer Vereinigung, Robert Schöttle, hat in einem Brief an Spethmann einen umfangreichen Fragebogen formuliert. Darin wird Unverständnis über das Vorgehen des Vorstands und Kritik über mangelhafte Kommunikation deutlich. Nach StZ-Informationen war der Prozess weitgehend intransparent. Lediglich der Elternbeiratsvorsitzende war mit einbezogen worden. Unter anderem will Schöttle wissen, ob es zutrifft, dass der Vorstand bereits eine Woche vor der entscheidenden Sitzung des Internatsvereins mit Monika Zeyer-Müller einen Fünfjahresvertrag ohne Probezeit abgeschlossen hat. Schöttle fragt weiter, ob es zutrifft, dass die vom Vorstand eingeschaltete internationale Personalagentur Spencer Stuart 50.000 Euro für ihre Dienste erhalten hat. Das Vorstandmitglied Günter Reinhardt, ein früherer Ministerialdirigent im baden-württembergischen Kultusministerium, sagte, er wisse nicht, was die Agentur erhalten habe. Die Aufregung um Zeyer-Müllers werde sich bald legen. "Ich habe angesichts ihrer hohen Fachkompetenz nicht den geringsten Zweifel, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben", so Reinhardt.
Erhebliche Zweifel an Zeyer-Müllers Kompetenzen
Das sehen Eltern, Schüler und ehemalige Schüler des Eliteinternats anders. In einem offenen Brief an den Vorstand sprechen sie der neuen Leiterin die Qualifikation zur Leitung Salems völlig ab. So fehle Zeyer-Müller unter anderem die "unerlässlichen Erfahrungen in der Internatsarbeit". Auch ihre "pädagogisch-kommunikative Qualifikation" sei fraglich. Die Widerstände beunruhigen die Unterzeichner und erinnern an den "demokratischen Anspruch", der mit Salem seit der Gründung durch Kurt Hahn verbunden sei. Als problematisch wird auch die parteipolitische Ausrichtung der Tochter des früheren saarländischen Ministerpräsidenten Werner Zeyer gesehen. Diese stelle die Unabhängigkeit Salems infrage.
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Nur 400?
"Nur 400 Schüler" klingt so wenig beim Protest. Man muss sich das aber mal vor Augen führen: 400 Schüler haben den Unterricht bestreikt und sich, trotz der Furcht auf Folgen, ihrem Unmut über den Zustand am Gymnasium lautstark Luft gemacht. Wenn es nur die "übliche Schar Verdächtige"gewesen wäre, die sowieso ständig unzufrieden ist, dann könnte man darüber einfach hinwegsehen. Aber wenn sich 400 Schüler hinsetzen und streiken, dann war das eben nicht nur die "Zeit der Schülerproteste", sondern an der Schule läuft etwas grundlegend schief und schon alleine deswegen hätte man in Salem sich genauer anschauen müssen, ja hellhörig werden müssen, wie es denn im Frau Zeyer-Müller so bestellt ist.
Wechsel der Schulleiterin
Der Artikel lässt die Vermutung aufkommen, dass es einen Streit um die Führungskompetenz und die Art der Schulleitung in Schweinfurt gibt. Dies ist nach meinen Erkenntnissen keinesfalls so. Alle - wirklich durchgehend alle - beteiligten Schüler, Lehrer, Eltern, Elternbeiräte und Freunde der Schweinfurter Schule leiden erheblich an der fehlenden Offenheit und Gutsherrenart, mit der die Schulleiterin das Gymnasium führt. Die Mitteilung des Weggangs wird als Erlösung von einem untragbaren Zustand angesehen.
Danke Schule Schloss Salem
400 Schüler streikten gegen Frau Zeyer-Müllers Schulpolitik, nur 400. Im gesamten Gymnasium war eine wesentlich größere Zustimmung zu der Aktion zu vernehmen, allerdings war es leider für einen Großteil der Schüler verboten der Veranstaltung beizuwohnen. Auch diejenigen die da waren lebten nicht ohne die Gefahr persönlicher Konsequenzen. Lediglich die Anwesenheit der Lokalpresse (Schweinfurter Tagblatt) schützte uns vor Repressionen. Frau Zeyer-Müller persönlich hat auch heute noch das Wissen sie habe alles richtig gemacht. Schuld an den Mißverständnissen sind natürlich nur die Schüler, Lehrer und Eltern. Wer denn auch sonst? Als Schweinfurter und Schüler das Alexander-von-Humboldt-Gymnasiums möchte ich mich ganzz herzlich bei der Schule Schloss Salem bedanken. Immerhin verlässt dank dieser Schule eine unbeliebte Lehrerin und Direktorin unsere Schule.