Internet-Backstube in Tübingen Per Mausklick in die Backstube

sane, 15.03.2013 09:38 Uhr

Tübingen - Eigentlich verrückt: Kekse übers Internet zu verkaufen, deren Zutaten die Kunden selbst auswählen. Das ganze soll möglichst schmackhaft sein und schnell an die Kunden geliefert werden. „Schwieriger geht’s kaum“, sagt Sebastian Reza über seine Idee. Die verderbliche Ware heil auszuliefern ist seiner Ansicht nach „logistisch das Schlimmste, was man sich aussuchen kann“. Vermutlich hat ihn gerade das gereizt.

Vor gut einem Jahr hat der 29-Jährige offiziell die Tübinger Kekswerkstatt gegründet. Das Prinzip ist einfach: es gibt vier verschiedene Teigsorten und gut 50 verschiedene Zutaten, aus denen sich die Kunden maximal vier pro Kekssorte per Mausklick dazu wählen können. Rein rechnerisch seien etwa 1,2 Millionen verschiedene Kekskombinationen möglich, berichtet Reza. Eine Zutat gibt es aber definitiv nicht: Gummibärchen – „manche Paare sind einfach nicht füreinander gemacht“, heißt es dazu auf der Homepage.

Jede und jeder darf dem Keks einen Namen geben

Die Kunden dürfen ihre Kekse individuell benennen, die Verpackung kann auf Wunsch mit Fotos versehen werden. Außer den Kreationen der Nutzer bieten die Kekswerkstatt-Macher auch selbst entwickelte Sorten an. Rund um den Gründer Reza und einigen Mitarbeitern sind das vor allem der Bäckermeister Jörg Schmid aus Gomaringen und die Konditorin Melanie Ehmann. Die Kekse werden von Jessica Schwarz betextet, die für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist.

„Bolle, der Keks zum Bier“ wird beispielsweise so beschrieben: „Dieser Keks biegt mit Männergrunzen, saftigem Schinken und rauchigen Röstzwiebeln um die Ecke, bevor er mit fein gemahlener Paprika und knackigen Kürbiskernen gerade noch die sanfte Genusskurve kriegt.“ Auch der „Pina Colada“-Keks scheint entrückende Wirkung zu haben, glaubt man seinem Begleittext: „Knackige Kokos, saftige Ananas und zarte Vanille bringen dir karibisches Urlaubsgefühl, bevor dich weiße Schokolade gänzlich um den Alltag bringt.“

Auch Schokolade und Salami wird bestellt

Die originellen Texte kommen offenbar an, denn die Bestellzahlen steigen stetig, wie Reza versichert. Waren sie anfangs eher dreistellig, so mussten voriges Jahr vor Weihnachten einige Tausend Bestellungen pro Woche abgearbeitet werden. Dass die Kunden mitunter so merkwürdige Geschmackskombinationen wie Schokoteig mit Salamistückchen auswählen, stört Reza nicht: „Wer die Grundzutaten mag, muss auch das Endprodukt mögen“, sagt er.

Bei der Suche nach einem geeigneten Mitstreiter stieß er auf Jörg Schmid, Junior der Gomaringer Bäckerei Schmid. Der 28-Jährige gibt Backkurse und machte mit seinen „wild bakers“ von sich reden, als er im Dezember 2011 zur Tübinger Schokoladenmesse „Chocolart“ einen weltrekordverdächtigen viereinhalb mal sechs Meter großen Schokokeks schuf. Außerdem gewann Schmid den Wettbewerb bei der Münchner IBA, der internationalen Backmesse, und trägt seit September 2012 den Titel „Bester Bäcker Deutschlands“.