Internet Betrüger fischt nach Daten
Rüdiger Bäßler, 06.08.2010 16:53 Uhr
Der Betrüger fand über Google Tausende Namen und Kontoverbindungen. Foto: dpa
Der Betrüger fand über Google Tausende Namen und Kontoverbindungen. Foto: dpa
""Das Internet ist der Mülleimer der Nation." "
Der Angeklagte über die Datenflut im weltweiten Netz

Ulm - Die Ulmer Richter haben nicht schlecht gestaunt, als ihnen das Betrugsmodell erklärt wurde, mit dem ein 45-Jähriger über Monate hinweg 350.000 Euro ergaunert haben soll. Laut der Anklage hatte der Mann von März bis Dezember 2009 bei der Postbank über das Internet unter diversen Namen mindestens 85 Konten eröffnet. Die dafür notwendigen Namen und Kontendaten, die der Mann aus dem Zollernalbkreis bei der Postbank angab, entdeckte er im Internet. "Ich habe einfach Bankleitzahlen bei Google eingegeben. Schon hatte ich Tausende Namen und Kontoverbindungen", sagte der Angeklagte vor Gericht. "Das Internet ist der Mülleimer der Nation."

Die Namen auf den Kontoanträgen ergänzte der Automechaniker mit den Adressen leer stehender Wohnungen im Raum Göppingen, in Pforzheim, Kassel oder Leipzig. Auch bei der Suche nach solchen Anschriften erwies sich das Internet als hilfreich. Später brauchte der Mann nur noch zu den Wohnungen zu fahren und die Geldkarten sowie die Pin-Nummern aus den Briefkästen zu fischen.

Ebenfalls im weltweiten Netz stieß er auf die Bankverbindungen von Firmen und Vereinen, denen er Geld abluchsen wollte. Diese Daten trug er in Überweisungsträger ein, die er verschickte und mit gefälschten Unterschriften versah. Die Postbank nahm die Aufträge entgegen und überwies wie gefordert Geld von den Firmen- oder Vereinskonten auf die fingierten Konten des 45-Jährigen-insgesamt 350.000 Euro. Etwa 200.000 Euro davon hob der 45-Jährige später an Geldautomaten vorzugsweise im Raum Göppingen ab. Den Großteil dieser Summe hat der Angeklagte anscheinend zwar bereits ausgegeben. Aber die Bank ersetzte den Geschädigten nach Bekanntwerden des Betrugs ihr Geld.

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