WhatsApp Das Monopol fest im Visier

Von Christiane Schulzki-Haddouti 

Noch verdient Facebook mit seinem Nachrichtendienst WhatsApp kein Geld. Doch das soll sich bald ändern. Wichtiger ist zunächst offenbar, eine Monopolstellung zu erreichen.

Der Nachrichtendienst WhatsApp wird zwar in Sachen Datenschutz als äußerst kritisch eingestuft. Trotzdem ist er auf dem besten Wege zur Monopolstellung. Foto: dpa
Der Nachrichtendienst WhatsApp wird zwar in Sachen Datenschutz als äußerst kritisch eingestuft. Trotzdem ist er auf dem besten Wege zur Monopolstellung.Foto: dpa

Stuttgart - Gerade eben hat WhatsApp die magische Nutzerzahl von einer Milliarde erreicht. Als Facebook den Messenger-Dienst vor zwei Jahren für 19 Milliarden Dollar übernommen hatte, waren es nur halb so viele Nutzer. Zwischenzeitlich sind Telefonate über die App möglich geworden. Nachdem Whatsapp keine Werbung schaltet und auch noch auf Abogebühren verzichtete, stellt sich für viele die Frage, wie Facebook mit WhatsApp künftig überhaupt Geld verdienen will.

Werbeanzeigen sind aktuell nicht geplant. Wohl weil mobile Werbung bislang zu niedrige Erträge liefert und von Anwendern schnell als Spam erkannt wird. Dafür überlegt man bei WhatsApp, die Kommunikation zwischen den Nutzern und Unternehmen zu Geld zu machen. WhatsApp-Gründer Jan Koum verspricht, dass „die Kommunikation mit Unternehmen viel einfacher und effizienter werden soll“. Dabei könnte Koum an die Telefonie-Funktion von WhatsApp andocken: „Ein Anruf beim Kundenservice dauert heute zu lang und ist oft frustrierend. Wir kennen viele Wege, diese Kommunikation deutlich besser zu machen,“ sagte Koum dem Nachrichtenmagazin Focus. So denkt er daran, neue technische Schnittstellen für das Kundenmanagement der Unternehmen bereitzustellen.

Facebook stellt die Weichen

Restaurantbesucher könnten über den Messenger Plätze reservieren. Fluggesellschaften könnten ihren Kunden Nachrichten über WhatsApp über Flugplanänderungen schicken und dafür bezahlen. Auch Dienste rund um Online-Shops könnten über WhatsApp laufen. So könnten etwa Versandbestätigungen und Tracking-Nummern über den Messagingdienst zugestellt werden. Auch Call-Center-Funktionen könnten künftig über WhatsApp laufen. Attraktiv wäre das vor allem für jüngere Nutzergruppen, die kaum noch E-Mail-Dienste nutzen.

Facebook stellt dafür bereits die Weichen: Seit vergangenem Jahr können Unternehmen über den Facebook Messenger Support anbieten. Ab Frühjahr sollen sie auch werben können, berichtete der Newsdienst TechCrunch. Die Werbeanzeigen sollen nach dem Empfehlungsprinzip funktionieren: „Kunden, die dieses Produkt kauften, kauften auch …“. Voraussetzung ist, dass der Nutzer mit dem Unternehmen Kontakt aufgenommen hat. Eine Support-Anfrage könnte also den Werbeversand auslösen.

Werden bald Nutzerdaten verkauft?

Eine weitere Strategie, seinen Umsatz zu steigern, könnte für WhatsApp darin bestehen, Nutzerdaten anonymisiert an Marketingunternehmen zu verkaufen. Dies ist im Messenger-Bereich bislang unüblich. Dabei muss es sich bei den Nutzerdaten gar nicht um Inhaltsdaten handeln. Allein der Online-Status könnte schon genügend wertvolle Daten liefern, wie Informatiker der Hochschule Ulm und der Universität Ulm bereits vor zwei Jahren zeigten.

Aus den Statusdaten konnten die Forscher den kompletten Tagesablauf eines Anwenders rekonstruieren. Anhand des Zeitstempels einer Person konnten sie sehen, wann sie aufsteht oder ob der Kommunikationsdienst zu unangemessenen Zeiten, etwa im Büro, genutzt wird. So genügte es bereits zu wissen, ob jemand studiert oder einer geregelten Arbeit nachgeht, um aus den anonymen Daten kleiner Gruppen Schlussfolgerungen ziehen zu können. Allein aus dem Online-Status konnte ermittelt werden, wer mit wem Kontakt hat. Bastian Könings, der an der Studie mitarbeitete, erklärt das so: „Es gibt Zeiten, zu denen verschiedene Probanden sehr ähnliche Status-Muster hatten. Die von uns entwickelte Metrik untersuchte Probanden in bestimmten Zeitfenstern und berechnete die Wahrscheinlichkeit, ob sie gleichzeitig online waren und ob sie miteinander kommuniziert haben.“

Datenschutz als „sehr kritisch“ bewertet

WhatsApp übermittelt standardmäßig alle Namen und Nummern aus den Telefon-Adressbücher seiner Anwender an die WhatsApp-Server in den USA. Die Stiftung Warentest beurteilte deshalb die App als „sehr kritisch“ in Sachen Datenschutz.

Noch lassen sich Facebook und Whats­App unabhängig voneinander nutzen, doch mit der neuesten Softwareversion können iPhone-Nutzer ihr Profilbild, ihre Nutzernamen und ihre Kontakte in Facebook bereits in WhatsApp importieren. Für die WhatsApp-Nutzer hat das den Vorteil, dass die Kontaktdaten im Adressbuch des Smartphones mit den Facebookdaten synchronisiert werden. Umgekehrt erscheinen WhatsApp-Anwender im Menü des Facebook Messenger. Für Facebook hat das den Vorteil, dass damit mit Einwilligung des Nutzers dessen Daten aus zwei Diensten in einem einzigen Profil zusammengeführt werden. Die Daten, die Facebook über eine Person hat, werden damit wesentlich detaillierter und noch wertvoller für Werbekunden.

Das Ziel: die Monopolstellung schnell erreichen

Im Moment setzt Facebook-Chef Mark Zuckerberg ausschließlich auf Wachstum. „Wir haben unmittelbar keinen Druck, Umsätze zu generieren“, bestätigt Koum. Offenbar plant Zuckerberg, so schnell wie möglich die Monopolstellung zu erreichen, um dann neue Geschäftsmodelle zu erschließen. Eines hat er schon erreicht: Das SMS-Geschäft der Mobilfunkanbieter wurde von WhatsApp weitgehend abgelöst. „Noch immer nutzt nicht jeder Mensch WhatsApp, und das wollen wir ändern. Die Monetarisierung wird dann auf diesem Weg kommen“, sagt Koum.

Ganz reibungslos wird der Kurs zum Monopol nicht verlaufen: Das jetzt eingeleitete Verfahren des Bundeskartellamts gegen Facebook dreht sich darum, dass das Monopol es Facebook erlaubt, mit datenschutzfeindlichen Nutzungsbedingungen seine marktbeherrschende Stellung zu missbrauchen. Dieser Ansicht scheinen jedenfalls auch die Datenschutzbeauftragten, Verbraucherschutzverbände, die Europäischen Kommission und die Wettbewerbsbehörden der anderen EU-Mitgliedstaaten zu sein, mit denen das Bundeskartellamt das Verfahren „in engem Kontakt“ führt. Kartellamtschef Andreas Mundt erklärte, dass Nutzerdaten gerade bei werbefinanzierten Internetdienste eine „herausragende Bedeutung“ hätten.

WhatsApp & Co im Visier der Behörden

Weltweit haben Regulierungsbehörden WhatsApp und Internetdienste wie Twitter und Skype ins Visier genommen, die Telekommunikationsdienstleistungen anbieten, aber nicht in den Aufbau der Netze investieren. In Indien, Südafrika und Nigeria wollen die Behörden diese Software-Dienste derselben Regulierung unterwerfen wie die Telekommunikationsanbieter. Auch die deutsche Bundesnetzagentur steuert auf diesem Kurs: Sie geht durch gerichtliche Instanzen, um Googles GMail als E-Mail-Dienst mit allen damit verbundenen Rechten und Pflichten behandeln zu dürfen.