Washington - Das Kerngeschäft der frei empfangbaren TV-Netzwerke in den USA sind traditionell die Serien. Mit aufwendig produzierten Mehrteilern von „30 Rock“ bis „Mad Men“ haben sie es bisher noch immer geschafft, die Konkurrenz der Kabelsender und zunehmend auch des Internets auf Armlänge zu halten. Als sich die Verantwortlichen der Senderketten wie immer zum Jahresbeginn zu einem Brainstorming mit der Medienpresse trafen, hörten viele Journalisten jedoch einen eindeutig nervösen Tonfall bei den Managern von ABC, NBC und CBS.
Eines der großen Themen der Runde war, wie man die neuen Serien aggressiver vermarkten kann. Das Ergebnis: die Sender wollen von der kommenden Saison an neue Serien wie „Smash“ oder „The River“ bewerben, indem sie Pilotfolgen kostenlos ins Internet stellen, bevor sie im Fernsehen anlaufen. „Wenn jemand die Folgen mag und auf Facebook davon schwärmt, dann bringt uns das deutlich mehr, als dass es uns Publikum wegnimmt“, sagte der Programmdirektor von ABC, Paul Lee.
Die Strategie ist ein Zugeständnis an eine sich dramatisch verändernde Landschaft. Die Elektronikgeschäfte des Landes sind voller internettauglicher Plasmafernseher, und der Krieg um den Platz auf diesen Bildschirmen ist in vollem Gang. Internetanbieter wie Netflix, Hulu, Amazon, Google und Apple drängen immer mehr in das Geschäft, das einst den Fernsehanstalten vorbehalten war.
Auch im Nachrichtenbereich gibt es Konkurrenz aus dem Netz
So machte der einstige Internet-DVD-Verleih Netflix im vergangenen Jahr Schlagzeilen damit, dass er eine eigene Fernsehserie in Produktion gab. Der Regisseur ist David Fincher, der Macher des Facebook-Films „The Social Network“, die Hauptrolle spielt der Hollywoodstar Kevin Spacey. Die 26 Episoden von „House of Cards“ kosten Netflix geschätzte hundert Millionen Dollar, ein Budget, dass den Kosten für TV-Erfolgsserien sehr nahekommt. Netflix hat in den vergangenen Jahren zusätzlich zu seinem klassischen DVD-Versand immer mehr Filme und Fernsehserien direkt gestreamt. Jetzt will man sich offenkundig immer weniger davon abhängig machen, fremde Inhalte zu kaufen.
Aber „House of Cards“ ist nicht die einzige Produktion dieser Art. Die Internetplattform Hulu, die bisher ebenfalls Serien und TV-Sendungen nach ihrer Erstausstrahlung streamte, hat bei dem Regisseur Richard Linklater eine Dokumentarserie in Auftrag gegeben. Und zuletzt hat Tom Hanks angekündigt, mit der von ihm produzierten Webserie „Electric City“ bei Yahoo in das Geschäft einzusteigen.
„Die Grenzen werden verschwinden“
Auch im Nachrichtenbereich bekommen die klassischen Fernsehstationen in den USA zunehmend Konkurrenz aus dem Internet. So hat Ex-Vizepräsident Al Gore mit seiner Plattform Current TV den Fernsehkanälen den Kampf angesagt. Als Sprecher für die Hauptsendezeit engagierte er den beliebten MSNBC-Moderator Keith Olberman. Die ambitioniertesten Pläne hat allerdings der Internetanbieter Youtube. Der Marktführer unter den Videoportalen startet in naher Zukunft YouTV mit rund hundert neuen Kanälen – und strebt damit wie ein klassischer Senderverbund ein Vollangebot an.
Der Vermarktungsschachzug der TV-Netzwerke steigert den Druck, in allen Verbreitungskanälen präsent zu sein. So vertreibt etwa Sony seine Internet-TV-Serie „The Bannen Way“ zunächst auf der hauseigenen Website Crackle, bevor die Folgen auf iTunes, und DVDs sowie schließlich im Fernsehen landen. Das Geschäftsmodell funktioniert: „Das hat uns sehr erfolgreich gemacht“, sagt der Abteilungsleiter für digitale Netzwerke bei Sony, Eric Berger.
Die schöne neue Medienwelt, das ist jetzt schon klar, wird immer unabhängiger von einzelnen Verbreitungswegen werden: „Die Grenzen zwischen Fernsehen, Radio, Internet und auch Print werden immer mehr verschwinden“, kommentierte der Medienkritiker der „New Yorker Times“ diese Entwicklungen.


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früher gab es die einschlägige, teilweise unabhängige presse und 3 fernsehsender. da wußte man, was man zu denken hatte. und was man dachte, war privatsphäre. heute kann jeder x-beliebige informationen verbreiten, die kunst besteht heute darin, die richtigen und wichtigen informationen herauszufiltern. und dabei nicht alles von sich preisgeben. alles, was sie aussagen, kann gegen sie verwendet werden.