Internet-Konferenz kritisiert Google "Das ist das Gegenteil von Freiheit"

Von SIR/dpa 

Die Republica thematisiert die zentralen Sorgen der Internet-Nutzer - die Überwachung, den Datenschutz. Bei einer Satire-Aktion kritisiert Schauspieler Jan Josef Liefers das Geschäftsmodell von Google: "Das ist das Gegenteil von Freiheit".

Auf der Internetkonferenz Republica in Berlin werden vom 6. bis 8. Mai Vorträge über Themen rund um das Internet gehalten. Foto: dpa
Auf der Internetkonferenz Republica in Berlin werden vom 6. bis 8. Mai Vorträge über Themen rund um das Internet gehalten.Foto: dpa

Die Republica thematisiert die zentralen Sorgen der Internet-Nutzer - die Überwachung, den Datenschutz. Bei einer Satire-Aktion kritisiert Schauspieler Jan Josef Liefers das Geschäftsmodell von Google: "Das ist das Gegenteil von Freiheit".

Berlin - Die Sorge vor einem Verlust der Privatsphäre hat am Mittwoch den zweiten Tag der Internet-Konferenz Republica in Berlin bestimmt. Mehrere Redner äußerten sich kritisch über Geschäftsmodelle, die unter dem Schlagwort „Big Data“ persönliche Daten aus unterschiedlichen Zusammenhängen miteinander verknüpfen. Eine satirische Aktion wandte sich insbesondere gegen die Erhebung und Auswertung von Nutzerdaten durch Google.

„Wir sind gefangen in einem Profil, einem Datensatz zur eigenen Person“, sagte der als „Tatort“-Ermittler Karl-Friedrich Boerne bekannte Schauspieler Jan Josef Liefers, der an einer satirischen Aktion der Gruppe Peng Collective teilnahm. „Wir halten uns für Kunden eines Internet-Dienstes und sind schon längst dessen Produkt“, fügte Liefers im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa hinzu. „Das ist das Gegenteil von Freiheit.“

Der Tübinger Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen warnte vor den Folgen der Auswahl von Informationen durch Dienste wie Google. „Wer den Algorithmus programmiert, der bestimmt, welchen Realitätsausschnitt wir zu sehen bekommen“, sagte Pörksen am Mittwoch. In der Welt solcher unbekannter Auswahlentscheidungen habe die Gesellschaft ein Oligopol, also eine Gruppe von einigen wenigen großen Unternehmen, zugelassen. „Hier müssen wir uns auf dem Weg zu echter Informationssouveränität die Basis erstreiten, um die Macht der Oligopole zu begrenzen.“

Die Arbeitswelt der Zukunft wird nach Einschätzung von Experten virtuelle Orte mit realen Räumen verknüpfen - so das Fazit einer Diskussionsrunde zur Rolle der Arbeit in der digitalen Gesellschaft. „Home-Office ist wie Cabrio-Fahren“, sagte der Blogger („HermsFarm“) und Buchautor Markus Herrmann. „Ich muss nicht immer mit offenem Dach fahren, aber es ist schön, wenn man es hat.“

Künftig werde sich das Arbeiten mehr als bisher nach der Art der jeweiligen Aufgabe richten, sagte Jennifer Beecher vom Internet-Musikdienst Soundcloud. Es werde immer Situationen geben, bei denen das Arbeiten „face to face“ sinnvoll sei. Auch das Arbeiten im Netz verändere sich, sagte Microsoft-Manager Thorsten Hübschen. Vor fünf Jahren sei es vor allem darum gegangen, auch zu Hause für den Chef immer erreichbar zu sein. „Jetzt haben wir den nächsten Schritt, dass wir flexibler internationale Teams bilden, die themenzentriert zusammenarbeiten.“

Republica wird genutzt, um Trends der Netzszene aufzuspüren

Große Unternehmen nutzen die Republica, um Trends der Netzszene aufzuspüren und sich mit ihren Themen einzubringen. Microsoft wolle sich auch auf diesem Forum der Diskussion stellen, sagte Firmensprecher Thomas Mickeleit. Die Unternehmen zahlen hohe Beträge, um sich auf der Konferenz zu präsentieren.

Ein großer Teil der 6000 Teilnehmer sieht dieses Engagement aber auch kritisch. In einer Gesprächsrunde über das Interesse der Werbebranche an den sozialen Medien sagte der Journalist und Blogger Martin Giesler, sich im Netz als Markenbotschafter zu präsentieren, sei nicht ohne Risiko. Es gebe die Gefahr, dass das öffentliche Leben dann mit den Interessen eines Produktherstellers verschmelze: „Das ist für die Werbeindustrie ein gefundenes Fressen.“

Vor allem Frauen beteiligten sich an einer Runde über Lifestyle-Blogs - Internet-Auftritte, die das private Leben darstellen. Das könne bis zum „Lifestyle Porn“ reichen, sagte die Münchener Bloggerin Stephanie Wißmann, denn der Einblick in Küche und Wohnzimmer bewege sich immer „im Spannungsfeld zwischen Narzissmus, Voyeurismus und Exhibitionismus“.

Die Runde lotete die Grenzen aus, etwa beim Zeigen der eigenen Kinder im Netz, und stellte die These in Frage, dass Lifestyle-Blogs „Intimität ohne Mundgeruch“ bieten würden. Allerdings wandten sich die Teilnehmerinnen auch gegen feste Regeln, die dann in einem Blogger-Kodex Eingang finden könnten. Die Berliner Bloggerin Lotte von Bausznern sagte: „Die Blogosphäre lebt von der Freiheit!“

Die größte Konferenz von Netzaktivisten in Deutschland hatte am Dienstag mit der Forderung nach Asyl für den ehemaligen US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden in Deutschland begonnen. Unter dem Motto „Into the Wild“ thematisieren die insgesamt 350 Vorträge, Workshops und Diskussionsveranstaltungen noch bis Freitag sämtliche Facetten an der Schnittstelle zwischen Internet und Gesellschaft.