Internetbetrug Plötzlich war das Geld weg
Eckhard Stengel, 16.12.2010 12:01 Uhr
 Foto: dpa
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""Mit 59 Jahren lade ich doch keine Musikvideos oder Pornos herunter.""
Frau B., die Opfer der Internetbetrüger geworden ist

Stuttgart - Wo verschwindet bloß immer das ganze Geld?", fragt sich mancher beim Blick auf seine Kontoauszüge. Meist lautet die Antwort: selber schuld! Ganz anders bei Frau B. aus Bremen. Die 59-jährige Lehrerin gehört zu jenen Menschen, deren Kontostand ohne eigenes Zutun sinkt. Eine Schweizer Internet-Abrechnungsfirma buchte bei Frau B. ohne Einzugsermächtigung innerhalb von drei Wochen insgesamt 340 Euro ab.

Ihre Bank holte das Geld zwar wieder zurück, aber Ruhe hatte Frau B. damit noch lange nicht. Jetzt kamen wiederholt Mahnungen von einem Münchener Anwaltsbüro: "Sie haben mit Ihrem Benutzernamen Xlecker1 ein Angebot in Anspruch genommen, das über das Payment-System Eurobill abgerechnet wurde. Trotz Fälligkeit haben Sie leider bislang die vertraglich geschuldete Vergütung... nicht bezahlt."

Welches Angebot die Lehrerin genutzt haben soll, teilte ihr niemand mit. Sie versichert glaubhaft, keine kostenpflichtigen Internetseiten anzuklicken. "Mit 59 Jahren lade ich doch keine Musikvideos oder Pornos herunter." Also beschwerte sie sich beim Anwaltsbüro. Die Antwort kam prompt: Sollte Frau B. "der Auffassung sein, das Angebot nicht genutzt zu haben", möge sie bitte "Anzeige gegen Unbekannt wegen der missbräuchlichen Nutzung Ihrer Daten" erstatten; dann lasse sich das Mahnverfahren "unterbrechen".

Betrüger agieren mit Centüberweisungen


Anzeige? Na klar – aber nicht gegen unbekannt, sondern gegen die Schweizer Firma wegen Betrugs. Denn Frau B. glaubt nicht, dass ein anderer unter ihrem Namen surft, sondern dass die Firma vorsätzlich Konten erleichtert. Darüber klagen auch andere Verbraucher im Internet.

Die Anzeige liegt derzeit noch bei der Bremer Polizei. Frau B. hat aber auch die Münchener Anwälte angezeigt – wegen Betrugsbeihilfe und Nötigung. Die Kanzlei ist bekannt für Mahnungen im Auftrag von Internetfirmen. Doch bei der Staatsanwaltschaft München I hatte die Bremerin keinen Erfolg. Das Verfahren wurde jetzt eingestellt, weil die Anwälte "im guten Glauben" gehandelt hätten, dass Frau B. tatsächlich zahlungspflichtig sei.

Dass es solche Kontoräuber gibt, bestätigt Frank-Christian Pauli vom Bundesverband der Verbraucherzentralen. Die Kontonummern beschaffen sie sich von Datenhändlern oder mit einem Trick: Zunächst überweisen sie Centbeträge an frei erfundene Zahlenkombinationen. Klappt die Überweisung, wissen sie, dass sie ein reales Konto gefunden haben. So lief es wohl auch bei Frau B.: Einen Monat vor den Abbuchungen waren bei ihr 15 und 17 Cent eingegangen.

Kommentare (1)
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DEZ
16
frag mich nur, 18:47 Uhr

frag mich nur

frag mich nur, woher die betrüger die anschrift der opferin bekamen, wenn diese lediglich die kontonummer durch probieren erraten haben? is doch irgendwie nicht schlüssig, oder?