""Wir haben uns gefühlt wie Schwerkriminelle.""
Florian Carl, Projektgegner.
Stuttgart - Als die Deutsche Bahn am Mittwoch vor einer Woche mit den Abrissarbeiten am Nordflügel beginnt, sind viele Demonstranten bestürzt. Sieben Demonstranten klettern auf das Dach des Nordflügels, um die Bauarbeiten zu verhindern. Einer von ihnen ist der Abiturient Florian Carl. Der 20-jährige Stuttgarter über seine Erfahrungen mit der Polizei und die Stuttgart 21 Gegenbewegungen.
Wann haben Sie angefangen gegen Stuttgart 21 zu demonstrieren?
Vor vier Jahren, damals war die Bewegung noch überschaubar. Ich ging zu Koordinierungstreffen, bei denen unter anderem Demos geplant werden, die haben sich sehr über junge Gesichter gefreut. Ich war damals 16 Jahre alt. Seit einem halben Jahr gehe ich täglich zum Bauzaun.
Wie stehen Sie zu dem geplanten Runden Tisch?
Mich ärgert die Arroganz der Verantwortlichen und wie sie mit den Bürgern umgehen. Wir fordern nicht nur einen Baustopp sondern auch Vergabestopp, damit das Projekt nicht noch teurer wird wenn man es jetzt abbricht.
Wie beteiligen Sie sich an den Demonstrationen?
Dadurch, dass ich da bin. Ich rede mit den Leuten über die Nachteile. Man kommt dabei mit Menschen ins Gespräch mit denen man normalerweise nicht reden würde. Stuttgart 21 vereint die Leute. Durch die Proteste wird Stuttgart zu einer wacheren Stadt, die Bürger sind politisch offener geworden. Zum ersten Mal entwickelt sich hier eine Demonstrationskultur.
Warum Sind Sie vergangenen Mittwoch auf das Dach des Nordflügels gestiegen?
Das war eine total spontane Aktion und geschah aus der Hilflosigkeit unten zu stehen und nichts machen zu können.
Das Gebiet um die Baustelle herum wurde von Polizisten abgesperrt. Wie haben Sie und die anderen Demonstranten es dennoch geschafft an den Polizisten vorbei zu kommen?
Die Polizei war überall präsent. Wenn man sich so etwas überlegt, dann versucht man das Risiko zu minimieren daran gehindert zu werden. Die Polizei war an diesem Tag aber auch sichtlich überfordert.