Interview mit Breuninger-Chef van Agtmael "Historische Chance für das Quartier"
Joachim Dorfs, Michael Heller und Achim Wörner, 04.10.2010 07:59 Uhr
Van Agtmael kennt das Spiel: Konkurrenz erschwert nun einmal das Geschäft. Foto: Zweygarth
Van Agtmael kennt das Spiel: Konkurrenz erschwert nun einmal das Geschäft. Foto: Zweygarth
""Es gibt von den Architekten bereits sehr gute Ideen für einen modernen Gedenkort.""
Van Agtmael zur einstigen Gestapozentrale Hotel Silber

Stuttgart - Breuninger-Chef Willem van Agtmael stellt sich auf neue Konkurrenz durch einen Konsumtempel am Bahnhof ein. Er will mit dem Projekt "Da Vinci" kontern, erntet aber nicht nur Begeisterung. Einen Trost hat van Agtmael: die Konjunktur läuft so gut wie lange nicht mehr.

Herr van Agtmael, auf der Königstraße hat sich in den vergangenen Jahren viel getan. Schauen Sie sich manchmal in anderen Kaufhäusern der Stadt um?


Selbstverständlich, als Einzelhändler lebt man davon zu wissen, was die Kunden wollen und was die Konkurrenten machen. Deshalb sind wir oft in anderen Geschäften unterwegs. Dies übrigens auch national und international, nicht nur in Stuttgart.

Ist der Wettbewerb in der Innenstadt aus Ihrer Sicht härter geworden?


Wir haben in Stuttgart ein sehr dichtes Einzelhandelsangebot mit vielen hervorragenden, auch großen Häusern. Und gerade die Königstraße hat sich in den vergangenen Jahren gut entwickelt. Schade ist nur, dass die Struktur ein wenig monoton geworden ist dadurch, dass individuell gestaltete Traditionsgeschäfte schließen mussten. Manchmal weiß man heutzutage ja gar nicht mehr, in welcher Stadt man sich befindet, weil die Läden überall gleich sind.

Der Druck wird ja nun aber eher noch stärker werden. Wie sehen Sie die Pläne für einen neuen Konsumtempel hinter dem Hauptbahnhof, der so groß werden wird wie Ihr Stammhaus am Marktplatz?


Diese Pläne habe ich von Anfang an sehr kritisch gesehen, vor allem dass das Shoppingcenter in der jetzigen Phase gebaut werden soll. Denn wie entwickelt sich normalerweise eine Stadt? Erst entstehen Wohnungen, Büros und Parkanlagen, Menschen siedeln sich an - und irgendwann kommen dann auch Läden dazu. Hinter dem Hauptbahnhof läuft es genau umgekehrt. Da wird mit einem großen Einkaufszentrum gestartet, das von Besuchern der neuen Bibliothek alleine nicht wird leben können. Die eigentlichen Stadtquartiere entstehen aber erst, wenn der neue Hauptbahnhof fertig ist - also von 2020 an.

Ihre Kritik in Ehren: es gibt Hinweise, dass Breuninger erwägt, selbst in das neue Einkaufszentrum mit einzuziehen - zumal Sie mit dem Investor ECE bei den Breuningerländern in Sindelfingen und Ludwigsburg bereits gut zusammenarbeiten.


Nur so viel: als Einzelhändler dürfen Sie ihre Augen nie verschließen und auch nie etwas grundsätzlich ausschließen. Wenn dort zusätzliche Konkurrenz erwächst...

... was so gut wie sicher ist, nachdem ECE Baurecht hat...


...müsste man sich natürlich überlegen, ob es nicht besser ist, doch dabei zu sein. Im Moment aber haben wir definitiv keine konkreten Pläne.

Haben Sie nicht die Sorge, durch zusätzliche Konkurrenz Kunden zu verlieren?


Grundsätzlich gilt: wenn Konkurrenten dazukommen, verteilt sich der Umsatzkuchen neu.

Den Kampf angenommen haben Sie ja bereits - indem Sie mit Ihrem "Da-Vinci"-Projekt zwischen Karlsplatz und Marktplatz einen klaren Kontrapunkt setzen wollen. Wird Ihnen das gelingen?


Wir wollen zusammen mit unserem Projektpartner, dem Land, "Da Vinci" realisieren. Meine Motivation für dieses Vorhaben resultiert aus Standortüberlegungen: Wir müssen die Attraktivität unseres Umfeldes erhöhen, sonst werden wir langfristig verlieren. Das ist der Grund, weshalb wir das Projekt begonnen haben. Es wird uns mit kleinen hochwertigen Geschäften, mit Bars, Restaurants und Kneipen, mit Ministerien und einem Fünfsternehotel, mit großen öffentlichen Plätzen und einer sehr guten Aufenthaltsqualität die Urbanität und Attraktivität sichern.

Kommentare (13)
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OKT
05
Ferris, 17:46 Uhr

Welt Verbesserer

Schon wieder taucht einer irgendwo auf und meint er müsse das Gesicht Stuttgarts verbessern. Eine Geschichte was sich so oder ähnlich abspielen könnte:“ da erschien mir im Traum die Königin Beatrix, die zu mir sprach: „Willy!!! Stuttgart braucht deine Hilfe, um dass zu erreichen was die Urschwaben vor deiner Zeit nicht erreicht haben. Baue den Schwaben ein Haus, ein Haus was es davor nie zuvor gegeben hat. Als er von seinem Traum aufwachte sagte er nur: „ Stuttgart, du bist so Hässlich und so wurde die Idee von „Da Vinci“ geboren. Mein Fazit: ein Unternehmen dass seit Jahren mit der Mitarbeiter Politik zu kämpfen hat, sollte sich als erstes um die internen Baustellen kümmern, bevor ich anfange die Welt zu verschönern. In der letzten Zeit tauchen wieder einmal vermehrt „Skandale“ auf in dem sich die Firma Breuninger und Verdi schlachten liefern. Fakt ist der Mitarbeiter selber ist das feste Konstrukt auf dem alles andere Basiert und so lange man solche Probleme hat sollte man sich an noch größere Projekte nicht wagen. Also Herr Van Agtmael es gibt immer was zu tun. Jipi jaha jippi jey

OKT
05
Josef Meckermann, 09:04 Uhr

.... historische Chance für Breuninger

Breuninger hat die historische Chance, das " Quartier " auf lange Zeit zu verhunzen . Die Einheitsfassade ( wie bereits richtig geschrieben wurde von L. Lüfter ) ist der beste Weg dorthin.

OKT
04
Peter, 14:57 Uhr

S21 ist nicht alles

Mit aller S21 Lästerei kann man nun nicht jeden Punkt in der Stadtentwicklung totplärren. Man glaubt fast, manche meinen in Stuttgart sei alles bestens und nichts mehr zu verbessern. Und dann gibt es noch die ganz revolutionären Wirrköpfe, die meinen, das Kapital und die Geshäftemacher nur recht vertreiben zu müssen um sofort im rosaweichen Wolkenkuckucksheim zu landen. Wer zahlt schafft an und wer sich nix anschaffen lassen will, der muss eben selber zahlen.

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