Interview mit Cro „Stuttgart ist geil"

Von Die Fragen stellte

Cro war der Hip-Hop-Durchstarter 2012 und ist einer der am heftigsten kritisierten Popkünstler. Am Freitag erscheint sein neues Album. Im StZ-Interview erwidert der Stuttgarter Rapper die Kritik an seinen Werbedeals und seinem Stil – und er bekennt: „Stuttgart ist geil“.

Vor zwei Jahren begann das große Cro-Fieber – hier ein Bild von Cros ausverkauftem Gig im Universum Ende Mai 2012. Rund ein Jahr später spielte der Rapper bereits in der ausverkauften Stuttgarter Schleyerhalle. Bilder vom Konzert gibt es in unserer Fotostrecke. Foto: Jan Georg Plavec 17 Bilder
Vor zwei Jahren begann das große Cro-Fieber – hier ein Bild von Cros ausverkauftem Gig im Universum Ende Mai 2012. Rund ein Jahr später spielte der Rapper bereits in der ausverkauften Stuttgarter Schleyerhalle. Bilder vom Konzert gibt es in unserer Fotostrecke. Foto: Jan Georg Plavec

Stuttgart - Der Rapper Cro war das Hip-Hop-Phänomen des Jahres 2012: erst wurde er im Internet ein Star, kam dann mit seinem Album „Raop“ und diversen Singles auf Platz eins der Charts und wurde anschließend in ausverkauften Hallen umjubelt. Am Freitag erscheint sein zweites Album „Melodie“. Die erste Singleauskopplung „Traum“ landete ebenfalls prompt auf Platz eins.

Kommerziell könnte es für Cro und dessen Label Chimperator also nicht besser laufen, und auch „Melodie“ wird wahrscheinlich ein Hit – das Album greift den konsenstauglichen Sound von „Raop“ auf und steht in guter Tradition des entspannten., am Pop orientierten Stuttgarter Hip Hop. Doch es gab auch Kritik: wegen zahlreicher Werbeauftritte wurden Cro Beliebigkeit und Ausverkauf vorgeworfen, in der Szene gilt er wegen seiner radiotauglichen Songs als wenig glaubwürdiger Vertreter der „echten“ Rapkultur.

Die StZ ist nicht das einzige Medium, das mit Cro darüber reden möchte. Als der 24-Jährige ohne Maske zum Interview erscheint, ist es bereits zwanzig nach acht. Er bittet aus dem Besprechungsraum seines Labels Chimperator auf die Dachterrasse des Bürohauses am Stuttgarter Rotebühlplatz. Der Blick auf den Platz und den in der Abendsonne glühenden Hang unter dem Fernsehturm ist famos. Und Cro wirkt erstaunlich frisch angesichts der Tatsache, dass es bereits sein achtes Interview an diesem Tag ist.

Cro, dein neues Album hat 17 Tracks und ist stilistisch sehr vielfältig. Es erinnert mich ein bisschen an DJ Thomilla mit seinem Album Genuine Draft. Da ist unter anderem „Reimemonster“ von Afrob und Ferris MC drauf. Siehst du Parallelen zu deinem neuen Album?
Den Song höre ich immer mal wieder, aber das Album hat an sich keine Rolle gespielt. Obwohl: Der Sound ist Neunziger, und mein Album klingt auch ein bisschen nach Neunzigern. Das wollte ich auch so machen. Und es gibt ja auch Skits und Filmszenen und Werd-endlich-mal-erwachsen-Telefonate.

Und das alles gleich im ersten Song. Da greifst du Kritik an dir und deinem Rapstil auf.
Ich habe immer die Klappe gehalten zu Leuten, die mich frech angeschissen haben, obwohl sie mich nicht mal kennen. Die haben mich benutzt und als Leitfigur der Szene hingestellt und das Bild Cro benutzt, das in ihren Augen für „scheiße“ steht. Da dachte ich mir: Was wollt ihr von mir? Dann haben meine Kumpels zu mir gesagt: Du kannst es dir locker rausnehmen, auf den Putz zu hauen. Weil du grad der Krasseste bist. Das habe ich selbst so nie geglaubt und glaube es immer noch nicht. Aus Liebe zu den Kumpels habe ich dann aber einfach mal auf den Putz gehauen.

Auch als Zeichen, dass du Battle Rap kannst?
Das ist mir schon längst egal, das habe ich für mich gemacht. Ich weiß, was ich kann. Und wenn ich wollte, könnte ich alle Rapper zerstören durch Skills – aber dann würde ich ein Diss-Album machen, das nicht erfolgreich wäre. Ich will aber lieber Erfolge feiern mit Musik, die jeder mag.

Ist die Kritik an deiner Musik also purer Neid?
Oft glaube ich: ja. Viele können halt auch gar nichts mit meiner Musik anfangen. Halb, halb.

Es gibt den Spruch vom schwierigen zweiten Album. Danach wurdest du heute sicher schon siebenmal gefragt …
Ich hatte die Angst auch kurz. Aber dann kam der Kody von Chimperator und hat gesagt: Bleib locker, mach dein Ding. Dann hab ich losgelegt, ziemlich schnell das Album gemacht und war zufrieden damit.

Hast du dir Druck gemacht, dass du an den Stil des erfolgreichen ersten Albums anknüpfen möchtest?
Die Chimperator-Leute haben mich gefragt: Worauf hast du Bock? Da habe ich gesagt: Das Gleiche, vielleicht mit ein bisschen mehr Rap. Und die: Dann mach halt genau so mit ein bisschen mehr Rap. Bei Raop gab es ja schon ein paar Tracks vor der Veröffentlichung. Das aktuelle Album ist runder.

Wie lange hat die Arbeit an dem Album gedauert?
Dreieinhalb Monate.

Wen hört man darauf, dich und Psaiko Dino?
Ganz falsche Information. Psaiko ist nur Live-DJ. Die Beats habe allesamt ich gemacht. Okay: Drei, vier Beats waren von Shuko. Der ist richtig krass.

Deine Musik und die von Chimperator wird häufig von Gangsta Rap abgegrenzt, der Mitte der Nuller Jahre eine Hochzeit hatte. War deutscher Gangsta Rap eine Mode, die jetzt endgültig vorbei ist?
Ich glaube, es kommt wieder. Aber auf eine schlaue Art. Damals, das war stupide. Der nächste Gangsta Rap wird von schöneren Menschen gemacht, er wird mehr Style haben. So wie die Azzlacks oder Kollegah. Für alles andere ist man in Deutschland zu weit.

Bist du aktiver Teil der Stuttgarter Hip-Hop-Szene?
Ich kriege automatisch viel mit, vor allem wenn ich auf Konzerte von Kumpels gehe. Dajuan und Sam zum Beispiel.

Die sind beide bei Chimperator. Gibt es Hip-Hop-mäßig in Stuttgart noch was anderes als Chimperator?
Nicht so viel, glaube ich. Chimperator hat komplett Baden-Württemberg in der Hand. Und ist auch gut so: das ist eine große Familie und es sind ein paar echt krasse Acts dazugekommen.